Aktualisiert 22.01.2019 12:23

1000 Kilo pro BabyDreckige Windeln können jetzt recycelt werden

Der Pampers-Konzern recycelt neu probeweise Windeln. Auch in der Schweiz ist der gigantische Windelabfall ein ökologisches Problem.

von
vay
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Der Konsumgüter-Konzern  und Windel-Marktführer Procter & Gamble hat im norditalienischen Treviso Ende des letzten Jahres eine Fabrik eröffnet, in der Windeln und ...

Der Konsumgüter-Konzern und Windel-Marktführer Procter & Gamble hat im norditalienischen Treviso Ende des letzten Jahres eine Fabrik eröffnet, in der Windeln und ...

AP/al Behrman
... Binden aus Spitälern und Altersheimen recycelt werden.

... Binden aus Spitälern und Altersheimen recycelt werden.

Mark Bugnaski
Pro Jahr sollen dort 10'000 Tonnen Windeln verarbeitet werden. Bisher galt es als zu schwierig, Windeln wieder zu verwerten, da sie aus unterschiedlichen Materialien wie Zellulose, Polymer und Plastik bestehen.

Pro Jahr sollen dort 10'000 Tonnen Windeln verarbeitet werden. Bisher galt es als zu schwierig, Windeln wieder zu verwerten, da sie aus unterschiedlichen Materialien wie Zellulose, Polymer und Plastik bestehen.

AP/amy Sancetta

Kinder verursachen ganz schön viel Abfall. Vor allem solange sie noch Windeln tragen. Nun startet Pampers-Hersteller Procter & Gamble ein Windelrecycling. Angesichts der gigantischen Abfallmengen, die volle Windeln verursachen, ist das ein sinnvoller Schritt. Doch es gibt auch Vorbehalte gegen die Idee, wie Sie im Lauftext unten lesen können.

Aber starten wir mit den harten Zahlen und Fakten:

10 Prozent

des Haushaltkehrichts besteht laut Bundesamt für Umwelt in der Schweiz etwa aus vollen Windeln. Das sind rund 71 Kilogramm pro Person und Jahr, denn jeder der 8,52 Millionen Einwohner der Schweiz verursacht jährlich rund 716 Kilogramm Abfall.

5 Windeln

braucht ein Kleinkind durchschnittlich pro Tag.

5000 Stück

Windeln fallen durchschnittlich an, bis ein Kind allein die Toilette benutzen kann.

1 Tonne

Abfall mit vollen Windeln produziert ein Kleinkind durchschnittlich, bis es trocken ist.

200 Kehrichtsäcke

werden benötigt, um die dreckigen Windeln zu entsorgen. Ein voller 35-Liter-Ghüdersack wiegt rund 5 Kilo. Ist er schwerer, reisst er gemäss «Kassensturz»-Test gern mal.

4 Jahre

benötigt ein Kind durchschnittlich, bis es keine Windeln mehr braucht. Das ist aber sehr individuell.

3456 Franken

pro Kind geben Eltern für Wegwerfwindeln laut der Fachstelle Sexuelle Gesundheit Aargau im Durchschnitt aus.

3 Prozent

der Eltern benutzen laut Zero Waste Switzerland Stoffwindeln. Eine Alternative sind kompostierbare Windeln für den Privatkompost.

Aus Windeln werden Schulbänke, Klämmerli, Katzenstreu

Aus gebrauchten Windeln sollen Schulbänke, Wäscheklammern und Katzenstreu entstehen: Das verspricht Pampers-Hersteller Procter & Gamble. Der Konsumgüter-Konzern und Windel-Marktführer hat im norditalienischen Treviso Ende 2018 eine Fabrik eröffnet, in der Windeln und Binden aus Spitälern und Altersheimen recycelt werden. Pro Jahr sollen dort 10'000 Tonnen Windeln verarbeitet werden.

Bisher galt es als zu schwierig, Windeln wiederzuverwerten, da sie aus unterschiedlichen Materialien wie Zellulose, Polymer und Plastik bestehen. Ist das Pilotprojekt erfolgreich, sollen bis 2030 neun weitere Anlagen folgen.

Zellulose, Polymer und Plastik

Roberto Marinucci, Vizechef für Babyprodukte und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble, hat die Vision, dass Eltern Windeln künftig in einer Box deponieren und danach zu einer Sammelstelle bringen können. Viele Familien seien bereit, etwas für die Umwelt zu tun, sagt Marinucci gegenüber der «Süddeutschen Zeitung». Daher fördere man nachhaltigen Konsum.

Kompostieren statt recyceln

In der Schweiz gibt es keine Möglichkeit, Windeln zu recyceln oder in der Grünabfuhr zu kompostieren, obwohl es laut Umweltexperten nötig wäre: «Wegwerfwindeln enthalten Plastik und gefährden so die Umwelt», sagt Umweltaktivistin Gabriele Kull von Stopp Plastic Pollution Schweiz.

Kull sieht die Zukunft der Windel nicht in Recyclinganlagen: «Fabriken brauchen Energie und Wasser und für die Produktion von Recyclingprodukten wird oft Frischplastik verwendet. Windelproduzenten sollten sich auf kompostierbare Windeln spezialisieren, das ist ressourcenschonender, als Fabriken zu betreiben.»

Wenig Alternativen

Viele Alternativen zu Wegwerfwindeln gibt es nicht. Rund drei Prozent der Eltern in der Schweiz benutzen laut Zero Waste Switzerland Stoffwindeln. Kompostierbare Windeln sind eine weitere Option. Diese dürfen jedoch nicht der Grünabfuhr mitgegeben werden, sondern müssen privat kompostiert werden.

Vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) heisst es zur Windel-Reycling-Fabrik: «Das Bafu ist gegenüber einer Windelsammlung eher skeptisch eingestellt, da sich verschiedene hygienische, gesundheits- und krankheitsbezogene Fragestellungen stellen.»

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