Aktualisiert 04.07.2011 12:08

Schiffe als UmweltbelastungDreckschleudern auf Kreuzfahrt

Kreuzfahrt-Urlaub ist beliebt, die Passagierzahlen steigen stetig. Damit wächst aber auch die Kritik, denn die Luxus-Monster verschmutzen die Umwelt erheblich.

von
Hans Peter Arnold
Die Oasis of the Seas von der Reederei Royal Caribbean Cruise Linei gehört zu den grössten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Sie ist 360 Meter lang und kann maximal 6296 Passagiere aufnehmen.

Die Oasis of the Seas von der Reederei Royal Caribbean Cruise Linei gehört zu den grössten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Sie ist 360 Meter lang und kann maximal 6296 Passagiere aufnehmen.

«Hinter der polierten Fassade von AIDA, TUI und Queen Mary II stinkt es gewaltig», schimpft der deutsche Naturschutzbund (NABU). Die 15 grössten Schiffe der Welt würden jährlich mehr schädliche Schwefeloxide ausstossen als alle 760 Millionen Autos weltweit. Selbst die luxuriösesten Kreuzfahrtschiffe kämen nicht an die Abgasnormen heran, die für Autos oder Lastwagen schon lange gelten würden.

«Insbesondere an den Küsten und in den Häfen leiden die Anwohner unter der giftigen Abgaswolke und haben im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll», betont Alexander Porschke vom NABU. Die meisten Schiffsabgase werden in unmittelbarer Küstennähe und in den Häfen emittiert.

«60 000 Tote pro Jahr»

James Corbett gilt als einer der renommiertesten Experten für Schiffsabgase. Seine Studien gehen davon aus, dass die Schiffsemissionen weltweit jedes Jahr bis zu 60 000 vorzeitige Todesfälle verursachen. «Die Schiffsabgase gehören zu den am wenigsten regulierten Bereiche des globalen Transportsystems», meint James Corbett.

Statt auf vergleichsweise sauberen Schiffsdiesel zu setzen, verfeuern die Kreuzfahrtschiffe auf hoher See nach wie vor so genanntes Schweröl. Dieses Rückstandsöl stammt aus Raffinerien und gilt als dreckigster aller Kraftstoffe. Ein weiteres Problem: Russpartikelfilter, welche diesen Namen verdienen, sind bei den wenigsten Schiffen eingebaut. «Es gibt bis heute keinen serienmässigen Hersteller von Russpartikelfilter für Kreuzfahrtschiffe», umschreibt ein Insider gegenüber 20 Minuten Online das Problem. In der Tat spielt die Einzelanfertigung in der Seeschiffahrt eine grosse Rolle.

Verschwenderischer Luxuskonsum

Zwar hält der Umweltgedanke auch bei modernen Luxusschiffen Einzug. Allerdings hat dieser Luxuskonsum grundsätzlich eine verschwenderische Komponente. Bereits die Eckdaten machen dies deutlich. Zum Beispiel die «Oasis of the Seas» von der Reederei Royal Caribbean Cruise Line – mit 360 Meter Länge und maximal 6296 Passagieren eines der grössten Kreuzfahrtschiffe der Welt: Die Generatorleistung der «Oasis of the Seas» beträgt 119 919 PS. Die 21 Pools fassen rund 2,3 Millionen Liter Wasser. Jeden Tag werden etwa 2,1 Millionen Liter Frischwasser benötigt. Je tiefer die die Kapazitätsauslastung, desto grösser ist der Energieverbrauch pro Passagier.

Was die Schweizer Reisebranche unternimmt

Man sei sich bewusst, dass zahlreiche Kreuzfahrtschiffe Schadstoffe ausstossen, meint Kuoni-Sprecher Peter Brun auf Anfrage. Gerade deshalb arbeite Kuoni bei der Entwicklung von internationalen Standards im Bereich Nachhaltigkeit für Kreuzfahrtschiffe mit. Kuoni besitze zwar keine Kreuzfahrtschiffe. «Doch wir begrüssen, dass in verschiedenen Ländern Schiffe in den Häfen ihre Emissionen gesetzlich senken müssen.» Grössere Reedereien hätten inzwischen auch ein Umweltmanagement eingerichtet. Neue Schiffe würden mit umweltfreundlicheren Russfiltern ausgestattet. Brun: «Wir möchten, dass sich diese Zahl zügig weiter erhöht.»

Auch Hotelplan und Travelhouse-Oceanstar bieten Fluss- und Kreuzfahrten sowie Expeditionsreisen an. Dabei arbeite man mit Reedereien zusammen, welche grossen Wert auf moderne und entsprechend emissionsarme Flotten legen würden, meint Valentin Handschin, Verantwortlicher für Nachhaltigkeit bei Hotelplan Suisse. Handschin: «Zusätzlich ermuntern wir als Reiseveranstalter unsere Kunden aktiv dazu, die C02-Emissionen ihrer Schiffsreisen durch eine Spende an unsere Klimaschutz-Partnerorganisation Myclimate zu kompensieren.»

Nur 0,5 Prozent der Flotte sind Kreuzfahrtschiffe

TUI arbeite konsequent an der Verminderung der Umweltauswirkungen, sagt Roland Schmid, Sprecher von TUI Suisse. «Wir unterstützen jeden konstruktiven Dialog, damit die Emissionen aller Fortbewegungsmittel reduziert werden können.» Es müsse darum gehen, das Problem ganzheitlich anzugehen.

Tatsächlich spricht auch NABU von den 15 grössten Seeschiffen und nicht Kreuzfahrtschiffen. Das heisst es geht um alle Schiffe wie Tanker, Container- und Frachtschiffe und nicht nur um Kreuzfahrtschiffe. Bloss 0,5 Prozent der weltweiten zivilen Flotte sind Kreuzfahrtschiffe.

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