Drei Babys seit Jahrzehnten in der Kühltruhe
Aktualisiert

Drei Babys seit Jahrzehnten in der Kühltruhe

Grausiger Fund in Westdeutschland: Bei einer Familie im Ort Wenden wurden drei tote Säuglinge gefunden. Die Mutter wurde festgenommen, die Babyleichen werden zur Obduktion aufgetaut.

Drei tote Säuglinge in der Tiefkühltruhe: Wegen des dringenden Verdachts der Kindstötung ist am Montag im sauerländischen Wenden bei Olpe eine 44-jährige Frau festgenommen worden. Sie steht im Verdacht, in den 80er Jahren die Babys zur Welt gebracht, in Plastiktüten verpackt und eingefroren zu haben, wie Polizeisprecher mitteilten.

Es handle sich nicht um eine Drillingsgeburt. Nach übereinstimmenden Aussagen der Angehörigen habe die tatverdächtige Mutter die Schwangerschaften erfolgreich vor ihrer Familie verheimlicht.

Alarmiert wurde die Polizei am Sonntagabend aus der in einem Fachwerkhaus lebenden Familie. Der 18-jährige Sohn der Tatverdächtigen habe die Leichen am Wochenende durch Zufall entdeckt, als er nichtsahnend die Tiefkühltruhe im Keller öffnete. Nach Angaben von Polizeisprecher Ewald Weinberger waren danach mehrere Familienmitglieder bei der Polizei erschienen und hatten selbst Anzeige erstattet. Auch die tatverdächtige Mutter sei dabei gewesen; sie habe sichtlich unter Schock gestanden. Sie befindet sich inzwischen in psychiatrischer Behandlung.

Die Ermittler gehen von Verbrechen aus. Die Kinder seien wahrscheinlich lebend zur Welt gekommen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen, Johanns Daheim, am Montag der AP. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei zunächst nicht machen, da vor der Obduktion die Leichen aufgetaut werden mussten.

Eine «ganz normale, gutbürgerliche Familie»

Es handle sich um eine «ganz normale, gutbürgerliche Familie», sagte der Sprecher der Hagener Mordkommission. Die Mutter sei 44 Jahre alt, der Mann 47. Drei erwachsene Kinder - zwei Söhne im Alter von 18 und 22 Jahren und eine 24jährige Tochter - wohnten noch zu Hause. Die Familie lebe seit vielen Jahren in Wenden und sei gut in die Dorfgemeinschaft integriert.

Der Bürgermeister der 20.000-Einwohner-Gemeinde Wenden, Peter Brüser, zeigte sich entsetzt über die Ereignisse. «Ich bin jetzt 14 Jahre Bürgermeister, und das ist bestimmt der schlimmste Tag, den ich erleben musste», sagte er der AP. «Wir werden hier lange brauchen, das zu verarbeiten.» Die Familie sei gut ins Dorfleben integriert, hilfsbereit und unauffällig gewesen. «Niemand hätte sich im entferntesten vorstellen können, dass da noch etwas anderes ist.» Die Menschen im Dorf stünden unter Schock: «Man hat immer wieder gelesen, dass so etwas passiert in der Welt. Aber das war ganz weit weg, und jetzt ist es mitten in der Gemeinschaft», sagte der Bürgermeister.

Eine 47-jährige Nachbarin sagte: «Das ist unfassbar - vor allem, dass keiner gemerkt hat, dass sie schwanger ist.» Nachbarin Alexandra Stracke berichtete: «Das war eine nette freundliche Frau.» Sie selbst habe in ihrer Kindheit gelegentlich in deren Haus gespielt. «Das war immer gutbürgerlich, nichts Besonderes.» Möglicherweise seien die Schwangerschaften nicht aufgefallen, da die Frau schon immer korpulent gewesen sei.

(dapd)

Babyleichen in Deutschland

Spektakuläre Fälle von Kindstötungen durch die eigenen Eltern haben in letzter Zeit immer wieder Schlagzeilen gemacht. Erst im vergangenen Monat wurde die 42-jährige Sabine H. vom Landgericht Frankfurt (Oder) zu 15 Jahren Haft wegen Totschlags durch Unterlassen verurteilt worden, die neun Neugeborene hatte unversorgt sterben lassen.

Im April vergangenen Jahres fand ein 15-Jähriger im Tiefkühlschrank der Wohnung seiner Mutter in Erfurt zwei Babyleichen. Die 35-Jährige gestand, die Kinder nach der Geburt in Müllsäcke verpackt in die Tiefkühltruhe gelegt zu haben. Das Landgericht Erfurt verurteilte sie wegen zweifachen Totschlags zu zwölf Jahren Haft.

Im Januar 2007 wurden im thüringischen Thörey bei Abrissarbeiten die Überreste von drei Babyleichen in der Zwischendecke einer Garage entdeckt. Eine 21-jährige Frau aus Erfurt gestand, mit 16 Jahren einen Jungen und später zwei weitere Kinder kurz nach der Geburt dort versteckt zu haben.

Im März 2006 wurden in einem Einfamilienhaus in Neuendorf am Damm in Sachsen-Anhalt drei stark verweste Säuglingsleichen werden gefunden. Die geständige Mutter wurde in der Psychiatrie untergebracht.

Im Juni 1999 wurden in der Tiefkühltruhe einer Familie im sächsischen Mühltroff die Leichen von zwei Jungen und einem Mädchen gefunden, die zwischen 1993 und 1999 jeweils kurz nach der Geburt von der Mutter erstickt worden waren.

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