Aktualisiert 10.12.2010 13:09

Korruptionsverdacht

Drei frühere UBS-Mitarbeiter verhaftet

Weitere Probleme für die Grossbank UBS: Drei ehemalige Banker sind in den USA wegen mutmasslichen Marktabsprachen angeklagt.

von
Markus Kick
Die UBS gerät in den USA wieder unter Druck

Die UBS gerät in den USA wieder unter Druck

Die Schweizer Grossbank kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nachdem die UBS zum zweiten Mal innert zwei Wochen im Madoff-Anlagebetrugsfall auf Schadenersatz von über 2,5 Mrd. US-Dollar eingeklagt wurde, sind drei ehemalige höhere UBS-Mitarbeiter verhaftet worden.

Bei den auf Kaution wieder freigelassenen Bankern handelt es sich um die früheren UBS-Mitarbeiter Peter Ghavami, Gary Heinz und Michael Welty. Ihnen werden Marktabsprachen und Betrügereien im Geschäft mit kommunalen Anleihen, sogenannten Municipal Bonds, vorgeworfen. Der Markt für Städte- und Gemeindeanleihen in den USA wird von der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg auf 2800 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die UBS wollte auf Anfrage von 20 Minuten Online zum Vorfall noch keine Stellung nehmen, bestätigte aber, dass die drei ehemaligen Mitarbeiter für UBS tätig waren.

«Komplexe Verschwörung»

Peter Ghavami war einst Co-Chef für Municipal-Derivatives bei der Schweizer Bank. Der heute für eine russische Bank tätige und in Moskau lebende belgische Staatsangehörige wurde am New Yorker John F. Kennedy International Airport verhaftet. Seinem Anwalt zufolge ist er nicht schuldig.

Ghavami und seinen beiden Kollegen wird Marktmanipulation vorgeworfen. «Die heute angeklagten Personen beteiligten sich offenbar an einer komplexen Betrugsmasche und waren Teil einer Verschwörung, die den Wettbewerb auf dem Markt für kommunale Finanz-Kontrakte untergraben hat», sagte Christine Varney, Mitarbeiterin des US-Justizministeriums gegenüber den US-Medien. Gemäss Anklageschrift sollen die ehemaligen UBS-Leute mit ihren Machenschaften die Preise für sogenannte Municipal Bonds, das sind Wertpapiere, mit denen sich amerikanische Gemeinden finanzieren, künstlich tief gehalten haben.

Bis 20 Jahre Haft

Neben der UBS stehen auch andere prominente Finanzinstitute wie die Bank of America, Citi, Wachovia und die untergegangene Investmentbank Lehman Brothers am Pranger. Grundsätzlich lautet der Verdacht der amerikanischen Wettbewerbshüter, mehrere Banken und Versicherungen hätten untereinander verbotene Absprachen getätigt. Konkret ging es um Wiederanlagen der Gelder, welche die Städte und Gemeinden durch die Municipal Bonds-Anleihen eingenommen haben. In den Absprachen wurde das gängige Bieterverfahren manipuliert, mit denen die Kommunen die beste Anlage finden sollen.

Die Bank of America brachte die laufende Ermittlungswelle mit einer Selbstanzeige ins Rollen. Zu ihrem Vorteil: Unlängst einigte sich die amerikanische Grossbank mit der US-Justiz auf eine Vergleichszahlung von 137 Millionen Dollar. Der Betrag fiel derart tief aus, weil das Institut kooperiert hatte.

Bislang bekannten sich 8 Personen schuldig. Für einzelne Vorwürfe drohen nun auch den früheren UBS-Mitarbeitern Ghavami, Heinz und Welty Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren und Bussen bis zu einer Million Dollar.

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