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Drei Hiebe zuviel: Exekutor hat sich verzählt

Dickson Tan fordert von der Singapurer Regierung 300 000 Dollar Schadenersatz: Er wurde während seiner Haft mit acht statt der angeordneten fünf Stockhiebe bestraft.

Dickson Tan, 21, ist ein schlimmer Finger. Weil er einem illegalen Geldgeber beim Eintreiben der Schulden zur Hand ging, wurde er im Februar 2007 in Singapur zu neun Monaten Haft und fünf Stockhieben verurteilt. Fieserweise bekam Herr Tan trotz lautstarkem Protest von den Gefängniswärtern acht statt der angeordneten fünf Stockhiebe verpasst.

Das liess Dickson natürlich nicht auf sich sitzen und auch Mami Tan war ziemlich wütend. Sie schalteten einen Rechtsanwalt ein. Tatsächlich räumte die Regierung daraufhin ein, dass ein Fehler gemacht wurde und drückte ihr Bedauern aus. Der Justizminister erklärte, dass sich der Fehler ereignete, weil ein Angestellter des Gerichtshofes irrtümlicherweise die falsche Zahl auf ein Gerichtsdokument geschrieben hatte.

Tan forderte Schadenersatz vom Staat. Ursprünglich lag die Forderung bei 3 Millionen Dollar, doch Herr Tan liess sich erweichen und reduzierte den Betrag auf 300 000 Dollar. Als es auch nach diversen Gesprächsrunden nicht zu einer Auszahlung kam, entschied sich Dickson Tan, vor Gericht zu gehen.

Schwere Depression wegen Stockhieben

Im Verlaufe der Verhandlungen stellte sich heraus, dass Tan am 29. März 2007 von drei Gefängnisoffizieren befragt wurde, bevor er mit dem Stock traktiert wurde. Er habe allen Drei explizit gesagt, dass es sich bei der Anzahl Stockhiebe um einen Fehler handle. Die Offiziere hätten daraufhin gesagt, dass die Papiere «nicht falsch sein können». Der säumige Urkundsbeamte Kelvin Quek hat mittlerweile seinen Fehler eingestanden und demissioniert.

Tan selbst macht geltend, dass er seit den Stockhieben mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat – inklusive Depressionen und paranoide Wahnvorstellungen. Der Staat Singapur hat interimistisch bereits 8 000 Dollar an Tans Arztkosten bezahlt.

tif

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