METERMAGAZIN – Drei historische Umbauten in der Schweiz
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METERMAGAZINDrei historische Umbauten in der Schweiz

Eine Reithalle, ein Sigristenhaus und eine alte Mühle – drei historische Gebäude finden dank innovativen Umbauten neue Verwendung.

von
Alina Walser, Silvia Steidinger

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Ein Boden und zwei Einbauten aus schwarzem Beton ergänzen neu den historischen Bestand der alten Reithalle.

Ein Boden und zwei Einbauten aus schwarzem Beton ergänzen neu den historischen Bestand der alten Reithalle.

Luca Zanier
Rollbare Tribünentürme, justierbare Absorber und fahrbare Kettenzüge im Dachraum – die alte Reithalle ist flexibel in ihrer Nutzung.

Rollbare Tribünentürme, justierbare Absorber und fahrbare Kettenzüge im Dachraum – die alte Reithalle ist flexibel in ihrer Nutzung.

Marco Jörger
Expressives, lichtreflektierendes Metall bestimmt die internen Treppen für die Künstler und Künstlerinnen.

Expressives, lichtreflektierendes Metall bestimmt die internen Treppen für die Künstler und Künstlerinnen.

Marco Jörger

Den Ton getroffen – Alte Reithalle Aarau

Früher trabten hier die Pferde des Militärs in Formation, heute präsentieren Künstler und Künstlerinnen aller Sparten ihre einstudierten Choreografien und Stücke: Im Auftrag der Stadt Aarau sowie des Kantons Aargau wurde die Alte Reithalle in ein Veranstaltungshaus für sinfonische Musik, Tanz, Theater und zeitgenössischen Zirkus transformiert. Barão-Hutter konnte 2013 den Wettbewerb für das Mehrspartenhaus mit einem atmosphärisch bestechenden und nutzungstechnisch flexiblen Konzept für sich entscheiden. Dabei unterscheiden die Architekten nicht zwischen Publikums- und Spielfläche: Die gesamten 2000 Quadratmeter können je nach Bedarf als öffentliche Zonen oder Bühnenräume genutzt werden, was eine Vielzahl von Spielsituationen ermöglicht. Dies erforderte natürlich innovative technische Lösungen wie fahrbare Tribünentürme oder eine räumlich steuerbare Gebäudetechnik. Doch trotz aller Neuerungen bleiben die Materialien und die Halle von 1863 mit ihrem gestalterischen Wert die Hauptakteure. Gerade die historische Patina trägt nämlich entscheidend zur herausragenden Raumakustik bei.

Unter Dach und Fach – Umbau Künstlerhaus Boswil

Gian Salis Architektur hat für die Stiftung Künstlerhaus Boswil das denkmalgeschützte Sigristenhaus von ca. 1700 mit Wohntrakt und anschliessendem Tenn und Stall in einer Hochstudkonstruktion zu einem hellen, luftigen Musikerhaus umgebaut. Gerade das gewaltige Dach, charakteristisch für die archaische Firstständerbauweise, typisch für den Aargau, stellte dabei eine Herausforderung dar: Um genügend Licht in die Räumlichkeiten zu bringen, mussten diese strategisch platziert werden. So entstanden im hohen Dachgeschoss zwei giebelseitig belichtete Proberäume, in den alten Kammern sowie im Heustock sieben Gästezimmer und in den Täferstuben im Erdgeschoss Büroräume. Verbunden wird alles durch eine neue Treppe im ehemaligen Tenn, wo die im 20. Jahrhundert eingezogenen Böden entfernt wurden, sodass der Hochstud bis in den First erlebbar wird. Tagsüber fällt dort durch ein Dachziegelfenster ein wandernder Sonnenfleck ins Gebälk und belebt dieses mit einem Licht- und Schattenspiel. Durch die geschickte Verteilung der Räume gelang es schliesslich, mit nur drei neuen, vom Denkmalschutz genehmigten Fenstern, moderne, helle und akustisch optimierte Räume in der bestehenden Gebäudehülle unterzubringen – säuberlich unter Dach und Fach eben.

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Hinter den Holzlamellen verbirgt sich der grosse Probesaal des Künstlerhauses in Boswil.

Hinter den Holzlamellen verbirgt sich der grosse Probesaal des Künstlerhauses in Boswil.

Gian Salis
Der Blick vom kleinen in den grossen Probesaal zeigt die freigelegte Hochstudkonstruktion.

Der Blick vom kleinen in den grossen Probesaal zeigt die freigelegte Hochstudkonstruktion.

Gian Salis
Im hohen Dachgeschoss entstanden zwei giebelseitig belichtete Proberäume mit optimierter Akustik für Musik-Proben.

Im hohen Dachgeschoss entstanden zwei giebelseitig belichtete Proberäume mit optimierter Akustik für Musik-Proben.

Gian Salis

Von der Mühle zum Wohnhaus – neu organisiert

Den Einwohnern und Einwohnerinnen von Wetzikon dürfte das Gebäudeensemble am Aabach an der Strasse nach Aathal bekannt sein, viele haben es wohl aber bislang nicht wirklich zur Kenntnis genommen. Nach der Sanierung durch Moos Giuliani Herrmann Architekten wird sich das ändern – das denkmalgeschützte Gebäude vermittelt heute eine Präsenz, die seiner Geschichte – als Mühle, Spinnerei und Wohnhaus – Rechnung trägt. Die Stegenmühle gehört zu den ersten Industriebauten des Aathals, im Obergeschoss hat der «Spinnereikönig» Heinrich Kunz 1815 die ersten Spinnstühle für Angestellte eingerichtet. Vor dem Umbau befand sich das Haus mit zehn ineinander verschachtelten Wohnungen in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Dank zwei Strategien konnte eine Auskernung verhindert werden: Der Einbau von Maisonette-Wohnungen ermöglichte den Erhalt der historischen Innendecken, da die Zwischendecken keine Anforderungen in Bezug auf Schall- und Brandwiderstand erfüllen müssen. Der Einbau eines massiven Betonkerns übernimmt die statische Stabilität und entlastet auch hier die Anforderungen an die historische Konstruktion und ermöglicht so deren Erhalt. 

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Vor der Entkernung gerettet: die Stegenmühle in Wetzikon nach der erfolgreichen Sanierung.

Vor der Entkernung gerettet: die Stegenmühle in Wetzikon nach der erfolgreichen Sanierung.

Silvano Pedrett Photography
Ein neuer Kern aus Beton gewährleistet die Erdbebensicherheit …

Ein neuer Kern aus Beton gewährleistet die Erdbebensicherheit …

Silvano Pedrett Photography
… und nimmt Erschliessung und Nasszellen auf.

… und nimmt Erschliessung und Nasszellen auf.

Silvano Pedrett Photography

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