Abschuss von Pferden und Lama  – Drei Jagd-Fehlschüsse innert eines Monats – «Das darf nicht passieren»
Publiziert

Abschuss von Pferden und Lama Drei Jagd-Fehlschüsse innert eines Monats – «Das darf nicht passieren»

Statt Wildschweine und Rehe erlegten Jäger zwei Pferde und ein Lama. «Solche Jäger sollten sich eine andere Passion suchen», so David Clavadetscher vom Schweizer Jagdverband.

von
Daniel Krähenbühl
Michelle Muff
1 / 6
Ein Jäger hat am 4. September versehentlich ein Lama erschossen, welches von einem Bauern als Herdenschutztier eingesetzt worden war (Symbolbild).

Ein Jäger hat am 4. September versehentlich ein Lama erschossen, welches von einem Bauern als Herdenschutztier eingesetzt worden war (Symbolbild).

Fachstelle Herdenschutz Schweiz
Der Vorfall ereignete sich im Muotatal. 

Der Vorfall ereignete sich im Muotatal.

Wikipedia/ Manfred Heyde/ CC BY-SA 3.0
Nur vier Tage später schiesst ein Jäger im Oberengadin GR aus Versehen auf ein Pferd, das er für einen Rehbock hält (Symbolbild).

Nur vier Tage später schiesst ein Jäger im Oberengadin GR aus Versehen auf ein Pferd, das er für einen Rehbock hält (Symbolbild).

Pexels/Elle Hughes

Darum gehts

  • In den letzten Wochen erschossen Schweizer Jäger gleich mehrmals irrtümlich Nutztiere.

  • Von erfahrenen Jägern und Jägerinnen sowie auch in den sozialen Medien wird heftige Kritik geübt.

  • «Es ist überhaupt nicht schwer, ein Pferd von einem Hirsch zu unterscheiden», sagt David Clavadetscher, Präsident des Schweizer Jagdverbands. Die Verwechslungen könne er sich auch nicht erklären.

Am 4. September erschoss ein Jäger in der Nähe des jurassischen Städtchens Pruntrut ein Pferd statt eines Wildschweins. Das kantonale Umweltamt Juras bestätigt auf Anfrage den Sachverhalt: «Die Polizei und das Umweltamt reagierten umgehend», sagt Sprecher Didier Roxane. «Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren sowie ein Verwaltungsverfahren sind eingeleitet worden.» Es sollte nicht der einzige versehentliche Abschuss eines Nutztieres im September bleiben (siehe Box).

Drei Fehlschüsse im September

4. September: Wenige Hundert Meter nördlich des jurassischen Städtchens Pruntrut erschiesst ein Jäger versehentlich ein Pferd. Erlegen wollte er ein Wildschwein. In einer Medienmitteilung weist der kantonale Jägerverband Jura darauf hin, dass man «ungeduldig» auf die Schlussfolgerungen der Untersuchung wartet.

8. September: Nur vier Tage später schiesst ein Jäger im Oberengadin GR aus Versehen auf ein Pferd, das er für einen Rehbock hält. Das schwerverletzte Isländer Pferd muss anschliessend eingeschläfert werden, der Mann wird verzeigt.

21. September: Im Muotatal SZ erschiesst ein Jäger ein Lama, das von einem Landwirt als Herdenschutztier eingesetzt wurde. Da der Jäger den Vorfall nicht gemeldet hat, obschon eine Meldepflicht besteht, muss er mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

«Unmöglich, dass man Pferd nicht von Wildsau unterscheiden kann»

Die Fehlschüsse sorgten in den sozialen Medien für heftige Kritik. «Genau wegen solcher ‹Jäger› wirken wir anständigen Jägerinnen und Jäger immer wie Idioten vor der Bevölkerung», schreibt etwa ein Facebook-User. «Das ist doch eine Sauerei», sagt auch P.H., der seit 40 Jahren als Jäger unterwegs ist und deswegen anonym bleiben möchte. «Es ist doch unmöglich, dass man ein Pferd nicht von einer Wildsau unterscheiden kann oder ein Lama mit einem Reh verwechselt.»

Kritik übt auch der Schweizer Tierschutz STS: «Die zahlreichen Fehlschüsse sind ein Zeichen, dass fehlbaren Jägerinnen und Jägern unbedingt die Jagdberechtigung entzogen werden muss», sagt Samuel Furrer, Zoologe und Geschäftsführer Fachbereich beim STS. «Die Vorgabe ist ganz klar: Der Jäger oder die Jägerin schiesst nur dann, wenn er oder sie sich sicher ist, was er oder sie im Visier hat.» Dabei spiele es keine Rolle, zu welcher Tages- oder Nachtzeit gejagt wird oder welche Sichtbedingungen herrschen.

Rätselhafte Verwechslungen

Wie es innerhalb so kurzer Zeit zu drei Verwechslungen kommen konnte, sei «unerklärlich und unverständlich», sagt David Clavadetscher, Geschäftsführer des Schweizer Jagdverbands. Denn: «Es ist überhaupt nicht schwer, ein Pferd von einem Hirsch zu unterscheiden. Besteht für die Jägerin oder den Jäger auch nur ein Hauch eines Zweifels bezüglich des Ziels, so bleibt der Abzugsfinger gerade.» Die tragischen Vorfälle bedaure der Verband sehr.

Jede Jägerin und jeder Jäger müsse gemäss Eidgenössischer Jagdverordnung periodisch einen qualifizierten Treffsicherheitsnachweis ablegen, damit er oder sie überhaupt auf die Jagd gehen darf, so Clavadetscher: «Solche Verwechslungen kann es nur aus einer absoluten Nachlässigkeit geben.» Das habe allerdings nichts mit der Jagd an sich zu tun, sondern damit, wer hinter dem Gewehr sitze. «Solche Jäger sollten sich eine andere Passion suchen und nicht mehr mit der Waffe unterwegs sein.»

Vorfälle wie diese dürften nicht passieren – kämen jedoch auch äusserst selten vor, betont Clavadetscher: «Wir gehen davon aus, dass sich ein Fehlschuss auf ein Nutztier nur sehr schwierig vertuschen lässt.» Den fehlbaren Jägern drohe gemäss kantonaler Gesetzgebung, ein Entzug des Jagdausweises und eine hohe Busse.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

149 Kommentare