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Illegales FilesharingDrei Klicks für die Jukebox

Einen Song im Internetradio hören und gleich das Album des Künstlers in bester Qualität herunterladen - kein Problem für Piraten. Denn Last.fm tut nichts dagegen.

von
Henning Steier

Das populäre Webradio Last.fm bietet schon auf seiner Startseite Gratis-Songs zum Download an. Die Betonung liegt aber auf Songs, die man überdies auch auf einer eigens eingerichteten Unterseite findet. Wer Alben sucht, wird nicht fündig. Das gilt allerdings nur für Musikfans, die sich um Urheberrechte kümmern. Denn wer in der jeweiligen Last.fm-URL die drei Buchstaben «pwn» eingibt, dem werden Links zu Torrents angezeigt, mit denen sich die gewünschten Alben herunterladen lassen. Aus der Internetadresse http://www.last.fm/music/nirvana wird also http://pwnlast.fm/music/nirvana.

Klickt man auf einen der Links, landet man auf Seiten wie «Mininova» oder «The Pirate Bay», lädt den Torrent herunter und öffnet ihn mit einem Programm wie Vuze, das es gratis im Netz gibt (siehe Infobox). Nutzer laden während des Downloads gleichzeitig auch Dateiteile hoch. Zwar ist der reine Download in der Schweiz nicht strafbar, weil es den Surfern laut Gesetz nicht zuzumuten ist, zwischen legalen und illegalen Quellen zu unterscheiden. Das Hochladen von geschützten Inhalten verletzt hingegen hierzulande das Urheberrecht und ist strafbar. Weil die Torrents auf diesen Seiten auf überwiegend geschützte Inhalte verweisen, sind mittlerweile einige geschlossen wurden. Oder ihre Betreiber wurden zu Haft- und Geldstrafen verurteilt wie die Macher von «The Pirate Bay» im April dieses Jahres. Allerdings steht die Seite nach wie im Netz und bietet Millionen Torrents an, wie 20 Minuten Online kürzlich berichtete. Im August soll aus ihr nach der millionenschweren Übernahme durch das schwedische Unternehmen Global Gaming Factory (GGF) unter Beteiligung der Unterhaltungsindustrie eine legale Tauschbörse werden.

Darbende Industrie

In der Vergangenheit war es immer so, dass nach der Schliessung bekannter Piratenangebote neue Seiten oder Technologien im Netz auftauchten. So folgten auf «Napster» beispielsweise die Torrent-Websites, welche es der Entertainmentindustrie schwer machen. Die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE) schätzt, dass allein die Filmindustrie hierzulande wegen Piraterie jährlich Umsatzeinbussen von rund 90 Millionen Franken hinnehmen muss. Die Musikbranche verliert laut dem Branchenverband Ifpi etwa 25 Millionen Franken pro Jahr. Seit 2003 sind hierzulande über 600 Arbeitsplätze in der Musikbranche weggefallen.

Die Macher von Last.fm wollten sich gegenüber 20 Minuten Online nicht zur Problematik äussern, welche dadurch verschärft wird, dass im Netz unter anderem auch ein Bookmarklet für Firefox, Opera und Safari angeboten wird. Wer zuvor die Erweiterung «Greasemonkey» für den Mozilla- und «GreaseKit» im Apple-Browser installiert hat, dem erscheinen die Torrent-Links direkt bei Last.fm, wenn er auf einer Band-Seite landet. Um den Browser derartig aufzubohren, braucht man keine besonderen PC-Kenntnisse. Das Ganze ist jeweils binnen 30 Sekunden erledigt. 20 Minuten Online hat versucht, die Macher des kleinen Tools namens «pwnlast.fm» zu kontaktieren - ohne Erfolg. Das Ganze erinnert an ein Plugin für den Firefox, welches niederländische Studenten im Dezember 2008 ins Netz gestellt hatten. Hatte man es installiert, wurden auf der Seite des Versandhändlers Amazon Torrent-Links präsentiert. Das Plugin wurde aber umgehend aus dem Netz entfernt. Die angehenden Mediendesigner gaben an, es im Rahmen eines Kunstprojekts erstellt zu haben. Schon damals, also vor mehr als einem halben Jahr, hatte 20 Minuten Online auch über Torrent-Plugins für Last.fm berichtet, ohne dass es eine Reaktion der Seitenbetreiber gegeben hätte. Im März war die Radiofunktion von Last.fm für Nutzer ausserhalb Grossbritanniens, den USA und Deutschlands kostenpflichtig geworden, was die Seite für Piraten, welche die praktischen Community- und Empfehlungsfunktionen nutzen, trotzdem weiterhin attraktiv macht.

YouTube-Videos ohne Software herunterladen

Auf der Webseite der Entwickler von «pwnlast.fm» ist zu lesen, man habe sich von etwas Ähnlichem für YouTube inspirieren lassen: Wer in einer YouTube-URL statt «www» die Buchstabenfolge «pwn» eingibt, wird auf eine Seite umgeleitet, auf der er den Clip entweder in hoher oder geringer Qualität herunterladen kann. Sonst braucht man dafür eine Firefox-Erweiterung wie den «Video Download Helper». Da viele Angestellte im Büro keine Software installieren dürfen, können sie so trotzdem Videos auf der Festplatte speichern. «Allerdings bieten auf YouTube nur wenige unserer Partner das Herunterladen an», sagte Unternehmenssprecher Henning Dorstewitz 20 Minuten Online. In den Nutzungsbedingungen sei eindeutig erwähnt, dass man Videos nicht ohne Einverständnis der Rechteinhaber downloaden darf.

Torrent Tracker

Webseiten wie The Pirate Bay oder Mininova bieten kleine Dateien, so genannte Torrents, zum Download an. Wer diese herunterlädt und mit einem speziellen Programm öffnet, dessen Rechner verbindet sich mit anderen Computern und kann so beispielsweise Filme herunterladen. Gleichzeitig lädt man Dateiteile hoch Das Ganze basiert auf BitTorrent-Technologie, welche schnelle Downloads ermöglicht und so zur Bedrohung für die Unterhaltungsindustrie geworden ist.

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