Sprengstoff-Fund: «Drei Mal hörten wir Explosionen»
Aktualisiert

Sprengstoff-Fund«Drei Mal hörten wir Explosionen»

Jugendliche jagten mehrere Briefkästen in der Region Luzern in die Luft. Die Polizei hat die hochgefährlichen Chemikalien sichergestellt und kontrolliert gesprengt.

von
Martin Messmer

Die Anwohner an der Oberhofstrasse in Eschenbach LU staunten nicht schlecht, als sie am Pfingstsonntag von der Polizei aus den Federn geholt wurden: Sie wurden angewiesen, entweder das Quartier zu verlassen oder in ihren Wohnungen zu bleiben. Grund: In einem Haus in ihrer Nachbarschaft wurden «Sprengstoff und Chemikalien» sichergestellt, wie die Polizei am Montag mitteilte. «Aufgrund der hohen Gefahr im Umgang mit den vorgefundenen Substanzen musste das Gebiet grossräumig abgesperrt werden», hiess es weiter.

Auf das explosionsgefährliche Material stiess die Polizei, weil in der Nacht auf Samstag in Kriens, Horw und Rothenburg etliche Briefkästen mit den gleichen Substanzen in die Luft gesprengt worden waren. «Ermittlungen führten zum Herstellungsort der Knallkörper», hiess es dazu in der Medienmitteilung der Polizei. Laut Polizeisprecher Kurt Graf fanden die Ermittler an einem der Tatorte den entscheidenden Hinweis, der nach Eschenbach in eine Garage eines Wohnhauses führte.

Anwohnerin erzählt

Die Luzerner Polizei bot daraufhin Spezialisten des wissenschaftlichen Forschungsdienstes der Stadtpolizei Zürich auf, welche den gefundenen Sprengstoff in einer elfstündigen Aktion in der Kiesgrube Eschenbach kontrolliert in die Luft sprengten. «Drei mal hörten wir Explosionen. Die letzte Detonation war so stark, dass die Fenster meiner Wohnung zitterten», sagt Irma Frosio, die im betroffenen Quartier wohnt.

Polizeisprecher Kurt Graf sagt über das gefundene Material: «Die Spezialisten aus Zürich haben gesagt, dass dieses Material so gefährlich ist, dass es sofort vernichtet werden muss. Es sei hochexplosiv.» Weiter sagt Graf: «Das alles hätte weitaus schlimmer enden können. Zum Glück ist letztlich niemanden etwas passiert.»

Weil Sprengstoff im Spiel ist, hat die Luzerner Polizei nun die Bundesanwaltschaft eingeschaltet. Ermittelt wird nun, warum die Briefkästen gesprengt wurden. Laut Polizeisprecher Graf sind diese wohl zufällig ausgesucht wurden. Die Briefkastenknaller platziert haben ein 16- und ein 19-jähriger Schweizer, die von der Polizei festgenommen und befragt wurden.

«Wusste nicht, dass es sich um gefährliches Material handelt»

Der Petarden-Erbauer (16) aus Eschenbach selbst war bei der Briefkasten-Aktion nicht dabei – er befindet sich mit einem Verein auf einem Pfingstweekend im Ausland. Der Bub wohnt bei seinem Vater* an der Oberhofstrasse. Dieser fiel aus allen Wolken, als er am Sonntagmorgen plötzlich die Polizei im Hause hatte. «Ich wusste zwar, dass mein Sohn hobbymässig Rauchbomben gebastelt und Raketen für den ersten August konstruiert hat. Aber ich wusste nicht, dass es sich um gefährliches Material handeln soll, wie die Polizei nun sagt.»

Er ist zunächst einmal nur froh, dass sein Bub nichts mit den gesprengten Briefkästen zu tun hat: «So etwas würde er nie tun. Auch die beiden Jugendlichen, die von der Polizei verhaftet wurden, kenne ich nicht.» Seinem Sohn sei er nicht böse, er habe gedacht, dass die Erste-August-Raketen-Bastlerei einfach sein Hobby sei. Die Materialien dafür habe sein Sohn im Internet bestellt. Was genau das für Material gewesen sei, wisse er nicht, sagt der Vater. Auch über die Polizei ärgert er sich nicht: «Ich habe Verständnis dafür, dass sie mit dem vollen Programm anrücken, wenn sie der Meinung sind, die Sicherheit im Quartier sei wegen des Materials in meinem Haus nicht gewährleistet.»

*Name der Redaktion bekannt

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