Chats: «Drei Minuten, bis ein Kind belästigt wird»
Aktualisiert

Chats«Drei Minuten, bis ein Kind belästigt wird»

Kinderdildos, Handschellen, Kameras: Die Pädophilen-Serie von «10 vor 10» schockiert. Und bald darf die Polizei nicht mehr verdeckt gegen die Kinderschänder ermitteln.

von
hal
Thomas Werner vom Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich ermittelt. (Bild: SF)

Thomas Werner vom Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich ermittelt. (Bild: SF)

In Chatrooms sind Kinder fast rund um die Uhr im Visier von Pädophilen. «Im Schnitt dauert es drei Minuten, bis die Kinder sexuell belästigt werden», sagt Thomas Werner, Chatroom-Ermittler der Stadtpolizei Zürich. Er loggt sich regelmässig in Kinder-Chatrooms ein und gibt sich als minderjähriges Mädchen aus. «10 vor 10» hat ihm zum Auftakt einer schockierenden Serie über die Schultern geschaut.

Der Bericht zeigt: Die Täter fühlen sich im Internet sicher. «Es ist, wie wenn man in einer Forellenzucht fischen würde. Wir können in den Chat, wann wir wollen. Und wir finden immer zwei bis drei Pädophile, die wir sofort verhaften könnten», sagt Werner. Sobald es ihnen gelingt, Kinder in einen Chat zu verwickeln, sprechen sie ihre Opfer sexuell an. Bei den Verhaftungen stellt die Polizei oft umfangreiches Beweismaterial sicher. Werner: «Viele Pädophile haben Einsatzköfferchen dabei, Dildos in Kindergrösse, Gleitcreme, Präservative und Handschellen. Andere haben Kameras und Laptops dabei.» Sie wollen die Kinder beim Sex filmen und die Bilder möglichst schnell ins Internet stellen. Allein in diesem Jahr hat die Stadt­polizei Zürich neun Chat-Pädophile verhaftet.

Ab dem 1. Januar 2011 sind Kinder und Jugendliche in Chatrooms allerdings auf sich alleine gestellt: Mit dem neuen Strafrecht darf die Polizei nicht mehr verdeckt gegen Pädo­phile im Internet vorgehen. Phi­lipp Hotzenköcherle, Kommandant der Stadtpolizei ­Zürich, findet dies problematisch: «Das ist nicht akzeptabel.»

«Ab 2011 sind uns die Hände gebunden»

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, äussert sich zum neuen Strafrecht.

Marco Cortesi, stellt die Zürcher Polizei ihre Chatroom-Ermittlungen ab 2011 ein?

Marco Cortesi: Natürlich nicht. Ab dem 1. Januar sind uns einfach die Hände gebunden: Wir dürfen erst dann einschreiten, wenn es ein Opfer gibt. Präventive Ermittlungen wie bisher sind leider nicht mehr möglich.

Also haben Schweizer Pädophile im Internet ab 2011 nichts mehr zu befürchten?

Nicht ganz. Pädophile können sich zwar in diesem Feld tummeln, ohne dass die Zürcher Polizei aktiv werden kann. Es gibt aber auch Kantone, die ihre Gesetze so angepasst haben, dass sie immer noch verdeckt ermitteln können.

Also fordern Sie nun, dass die Zürcher Gesetze ebenfalls angepasst werden?

Das wäre begrüssenswert. Denn Zürich war bisher einer der führenden Kantone in der Überführung von Pädophilen im Internet. Aber es ist nicht an uns, Forderungen zu stellen. (hal/20 Minuten)

Feedback

Haben Sie schlechte Erfahrungen in Chatrooms gemacht? Oder war Ihr Kind schon einmal damit konfrontiert? Schreiben Sie uns ein Mail an: feedback@20minuten.ch Ihre Hinweise werden absolut vertraulich behandelt.

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