Verhaftungen in Zürich: Drei New Yorker zeigen der Fifa die Rote Karte
Aktualisiert

Verhaftungen in ZürichDrei New Yorker zeigen der Fifa die Rote Karte

Ausgerechnet die an Fussball gänzlich desinteressierten Amerikaner machen der Fifa Dampf. Allen voran: drei ehemalige Staatsanwälte aus New York.

von
gux
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Sie hat ihr Amt Ende April angetreten und sorgt jetzt für einen Paukenschlag: Die Harvard-Anwältin Loretta Lynch ist die erste afroamerikanische Justizministerin der USA. Ihr erklärtes Ziel: Das Vertrauen in die Gesetze und diejenigen, die sie durchsetzen, wiederherzustellen.

Sie hat ihr Amt Ende April angetreten und sorgt jetzt für einen Paukenschlag: Die Harvard-Anwältin Loretta Lynch ist die erste afroamerikanische Justizministerin der USA. Ihr erklärtes Ziel: Das Vertrauen in die Gesetze und diejenigen, die sie durchsetzen, wiederherzustellen.

Chip Somodevilla
Er hat den Durchblick: Michael J. Garcia, wie Loretta Lynch einst selbst Staatsannwalt in New York, war ab 2012 als Vorsitzender der Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission tätig. Er trat 2014 zurück, als die Fifa seinen Korruptionsbericht zur WM-Vergabe an Russland und Katar nicht veröffentlichte.

Er hat den Durchblick: Michael J. Garcia, wie Loretta Lynch einst selbst Staatsannwalt in New York, war ab 2012 als Vorsitzender der Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission tätig. Er trat 2014 zurück, als die Fifa seinen Korruptionsbericht zur WM-Vergabe an Russland und Katar nicht veröffentlichte.

Walter Bieri
Der dritte New Yorker im Bunde gegen die Fifa: James Comey. Als Vorgänger von Michael Garcia war auch er einst Staatsanwalt in New York. Heute ist er FBI-Direktor. Die US-Bundesbehörde ermittelt seit Längerem gegen Fifa-Funktionäre.

Der dritte New Yorker im Bunde gegen die Fifa: James Comey. Als Vorgänger von Michael Garcia war auch er einst Staatsanwalt in New York. Heute ist er FBI-Direktor. Die US-Bundesbehörde ermittelt seit Längerem gegen Fifa-Funktionäre.

jim Watson

Die US-Bundesbehörde FBI ermittelt seit Längerem gegen die Fifa und ehemalige Funktionäre. Fifa-Chef Sepp Blatter hatte zuletzt zurückgewiesen, ins Visier der US-Behörden geraten zu sein – in die USA reisen tut er allerdings seit geraumer Zeit nicht mehr. Doch was interessieren sich die gar nicht fussballverrückten USA überhaupt für den Verband?

Ein Blick zurück zeigt: Drei Amerikaner haben entscheidend dazu beigetragen, dass es am Mittwochmorgen im noblen Zürcher Hotel Baur au Lac zur Verhaftung von sieben Fifa-Funktionären kam.

Den Auslieferungsantrag an die Schweiz hat die frischgebackene US-Justizministerin Loretta Lynch aufgesetzt. Lynch war zuvor leitende Oberstaatsanwältin für das östliche New York – und beschäftigte sich in dieser Funktion bereits vor drei Jahren mit der Fifa. Mit dem FBI ging sie der Frage nach, ob Fifa-Funktionäre möglicherweise auf US-Boden Bestechungsgelder angenommen haben, in Geldwäscherei oder Steuerhinterziehung verstrickt sind. Als sich der ehemalige Fifa-Funktionär Chuck Blazer als Informant zur Verfügung stellte (respektive stellen musste – er war der Steuerhinterziehung im grossen Stil angeklagt) kam das FBI in den Besitz von Dokumenten, die den Verdacht der US-Justiz erhärteten.

Miteinander verbunden: Lynch, Garcia und Comey

Als damalige Staatsanwältin dürfte Lynch auch mit Michael Garcia in Kontakt gestanden haben. Dieser, einst selbst Bundesstaatsanwalt in New York, war ab 2012 als Vorsitzender der Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission tätig und sollte den Namen des Verbandes weisswaschen: Garcia ging den Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der Fussballweltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar nach. Doch seinen im vergangenen Jahr veröffentlichten, über 350 Seiten umfassenden Bericht, den sogenannten Garcia-Report, veröffentlichte die Fifa nie. Garcia trat im Dezember 2014 zurück.

Nebst den einstigen New Yorker Staatsanwälten Lynch und Garcia gibt es noch einen Dritten im Bunde gegen die Fifa: James Comey, Garcias Vorgänger als Bundesstaatsanwalt im Southern District of New York. Heute ist er Direktor des FBI, auf dessen dreijährigen Ermittlungen die heutigen Verhaftungen basieren.

Die New-Yorker-Verbindung tritt am heutigen Mittwoch ganz öffentlich zutage: Zusammen mit Justizministerin Lynch wird FBI-Chef Comey in Brooklyn eine Pressekonferenz geben.

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