01.08.2020 06:34

Stolperfallen auf dem Weg zum Titel

Basel und St. Gallen verloren den Kampf gegen die Geister

St. Gallen und der FCB hatten die Chance, YB den Titel-Hattrick zu vermiesen. Dem einen ging die Luft aus, der andere verpuffte mit internen Querelen viel Energie.

von
Eva Tedesco
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Choreografie der Berner Fans vor dem Super-League-Auftakt zwischen YB und Aufsteiger Servette. Es war der Anpfiff in eine aussergewöhnliche Saison, die schliesslich erst im August mit dem Gewinn des Geister-Meister-Titels für YB endete.
Choreografie der Berner Fans vor dem Super-League-Auftakt zwischen YB und Aufsteiger Servette. Es war der Anpfiff in eine aussergewöhnliche Saison, die schliesslich erst im August mit dem Gewinn des Geister-Meister-Titels für YB endete.
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Darum gehts

  • Aller guten Dinge sind drei.
  • Der Fussball-Meister 2020 heisst zum dritten Mal in Folge YB.
  • Der Titelverteidiger erlebte eine Achterbahnfahrt, bis er die Meisterschaft in der drittletzten Runde entschied.
  • Basel und St. Gallen hiessen die Stolperfallen auf dem Weg zum dritten Titel in Folge.
  • Warum die Gegner scheiterten

Umbruch im Sommer und viele Verletzte

Es war nicht der souveräne Start, den man YB in den Vorschauen auf die Saison prophezeite. Der Meister erlebte in der Vorrunde vielmehr eine Berg-und-Tal-Fahrt. Geschuldet war das Auf und Ab wohl auch dem grossen Umbau der Mannschaft nach dem ersten Titel 2018. Die Hauptstädter verloren im Sommer 2019 mehr als die Hälfte der zwei Meistermannschaften (u.a. von Bergen, Benito, Mbabu, Sanogo, Sow und Nuhu). Der Auftakt gegen Aufsteiger Servette lief dann auch nicht nach Wunsch und endete nur 1:1. Danach aber blieb YB bis November ein 0:3 – schon wieder ein Punktverlust gegen die Genfer – ungeschlagen.

Einen unwiderstehlichen Eindruck machten die Berner indes nicht, retteten je einen Dreier zum Beispiel gegen St. Gallen und Sion (4:3) jeweils erst dank später Tore. YB schleppte sich mit einem vollen Lazarett durch den Herbst, musste verletzungsbedingt monatelang auf sechs wichtige Akteure in der Abwehr und im Mittelfeld verzichten. Darunter wochenlang auch auf den neuen Captain Fabian Lustenberger, Routinier Miralem Sulejmani und dem letztjährigen Torschützenkönig Guillaume Hoarau. Doch Trainer Gerry Seoane hatte schon vor der Saison gesagt, dass YB angesichts der grossen Veränderungen im Kader zufrieden wäre, im Winter vorne in der Tabelle dabei zu sein, um in der Rückrunde anzugreifen.

YB-Trainer Gerry Seoane begrüsste seinen Kollegen Alain Geiger vor dem ersten Meisterschaftsspiel am 21. Juli 2019 in Bern. Der Titelverteidiger musste sich gegen Aufsteiger Servette mit einem 1:1-Unentschieden begnügen. 
YB-Trainer Gerry Seoane begrüsste seinen Kollegen Alain Geiger vor dem ersten Meisterschaftsspiel am 21. Juli 2019 in Bern. Der Titelverteidiger musste sich gegen Aufsteiger Servette mit einem 1:1-Unentschieden begnügen. KEYSTONE

Wegweisend: Der Rückrunden-Start gegen den FCB und der Kampf gegen Geister

Nur YB war mehr als nur vorne dabei: Die Berner wurden Wintermeister, führten die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung auf den FCB und drei Zähler vor dem FC St. Gallen an. Und zum Auftakt in die Rückrunde im Januar wartete gleich das Heimspiel gegen die Basler. Bei einer Niederlage der Basler wäre der Grundstein für die Titelverteidigung gelegt, und die Saison hätte ähnlich verlaufen können wie im ersten Meisterjahr. In der Saison 2017/18 lagen die Hauptstädter nach der Vorrunde ebenfalls nur zwei Punkte vor Rotblau und standen im April als Meister fest.

Die Hoffnung der Basler, den «Chübel» nach zwei Jahren wieder ans Rheinknie zurückzuholen, war intakt. Der FCB unterlag dem Leader zwar, aber selbst mit fünf Punkten Rückstand und Corona hielt einer die Hoffnung am Leben. «Blick»-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz war sicher, dass der FCB am Ende der Saison zuoberst steht. «Der FCB ist das beste Geisterteam!», schrieb der ehemalige Goalgetter. Das mag sein, aber Basel verschenkte wertvolle Punkte gegen vermeintlich schwächere Gegner und vor allem – Rotblau verpuffte unnötig viel Energie mit hausgemachten Querelen.

Der «Chübel», das stand bald einmal fest, kam nicht zurück nach Basel. Für Rotblau blieb nur, was einst eine Basler Clique an einer Fasnacht vor Jahren auf einem «Zeddel» schrieb und seit nunmehr drei Jahren Gültigkeit hat: «Doch z’Basel glaubt me nit an Gaischter, dr FCB stoht wieder uff, mir wärde sicher wider Meischter, wenn au nit jetzt, denn d’Saison druff!»

Am Ende machte der FCB die Berner vielleicht gar zum Meister, indem sie dem inzwischen hartnäckigsten Verfolger in der wichtigen Schlussphase eine empfindliche 0:5-Kanterniederlage zufügte.

Goalgetter Jean-Pierre Nsame trifft im Hit zum Rückrunden-Start gegen FCB-Goalie Jonas Omlin zum 1:0 für die Berner. Am Ende verlor der Verfolger aus Basel 0:2 und machte den Weg frei für einen anderen Zweikampf im Rennen um den Titel. 
Goalgetter Jean-Pierre Nsame trifft im Hit zum Rückrunden-Start gegen FCB-Goalie Jonas Omlin zum 1:0 für die Berner. Am Ende verlor der Verfolger aus Basel 0:2 und machte den Weg frei für einen anderen Zweikampf im Rennen um den Titel. KEYSTONE

Dramatisches Unentschieden in St. Gallen und danach Corona

Als Überraschungsteam spielte sich der FC St. Gallen im Schatten von Basel und YB frisch und fröhlich an die Tabellenspitze, brach nicht ein wie so viele vermuteten und entwickelte mit den Bernern einen spannenden Zweikampf. Endlich. Nach langen Jahren der Monotonie in der Super League war es endlich wieder einmal spannend an der Spitze der Tabelle.

In der 22. Runde kam es zum Aufeinandertreffen der beiden Spitzenteams. Beide gingen punktgleich (44) an den Start, hatten die gleiche Anzahl an Toren kassiert (28), allerdings hatten die Ostschweizer fünf Tore mehr geschossen (48 :43). Dem Sieger tat sich die grosse Chance auf, den Widersacher auf drei Punkte zu distanzieren. Und es wurde ein Spitzenspiel, von dem noch lange und viel gesprochen wurde.

Nach dem 3:3-Spektakel gegen St. Gallen wurde die Meisterschaft nach dem 23. Spieltag wegen der Corona-Pandemie unterbrochen. 
Nach dem 3:3-Spektakel gegen St. Gallen wurde die Meisterschaft nach dem 23. Spieltag wegen der Corona-Pandemie unterbrochen. KEYSTONE

Die beiden Mannschaften boten im vollen Kybunpark Intensität und Dynamik, wie man sie in der Super League nur selten erlebte. Und dann kam in diesem Spektakel in der Nachspielzeit noch Dramatik dazu. Nach 91 Minuten (3:2) sah das Heimteam wie der Sieger aus. Doch dann unterlief St. Gallens Miro Muheim ein Handspiel im Strafraum. Schiedsrichter Alain Bieri blieb nichts anderes übrig, als auf den Punkt zu zeigen. St. Gallen wähnte sich ein zweites Mal als Sieger, denn Goalie Zigi hielt den Elfer von Guillaume Hoarau.

Aber denkste: Bieri entschied, nachdem sich der VAR gemeldet hatte, auf eine Wiederholung des Elfmeters. Zigi hatte sich zu früh von der Linie bewegt. Im zweiten Anlauf machte es Hoarau besser und traf zum 3:3. Statt einem 3-Punkte-Vorsprung der Ostschweizer oder von YB blieb es in der Tabelle beim Gleichstand. Dann erreichte die Schweiz die Corona-Pandemie, und die Meisterschaft wurde bis 19. Juni unterbrochen.

Der Re-Start der Meisterschaft erfolgte ab dem 19. Juni. In sechs Wochen mussten bis 3. August 13 Partien gespielt werden – ein  Marathon-Schlussspurt, der den Mannschaften viel abverlangen sollte. 
Der Re-Start der Meisterschaft erfolgte ab dem 19. Juni. In sechs Wochen mussten bis 3. August 13 Partien gespielt werden – ein  Marathon-Schlussspurt, der den Mannschaften viel abverlangen sollte. KEYSTONE

Nach dem Re-Start ging das Fernduell mit St. Gallen weiter, und es blieb für die Fans – wenn auch nur am TV – spannend, für die Clubs zäh. Beide Teams hatten die schwierigen Umstände um Corona und den Geisterspielen zu anderen Clubs wie Sion und Xamax klaglos angenommen, haderten nicht. Trainer Peter Zeidler bezeichnete die Wiederaufnahmen der Meisterschaft sogar als «Abenteuer». St. Gallen wie auch YB kamen auch dementsprechend gut aus der Pause, lieferten sich von Runde zu Runde ein Kopf-an-Kopf-Rennen, lösten sich mehrmals an der Tabellenspitze ab, ehe sich YB nach zwei Niederlagen der Ostschweizer in Folge am 33. Spieltag mit vier Punkten Differenz von seinem Verfolger absetzen konnte. Dem FCSG schien nun doch noch die Luft ausgegangen zu sein.

Zwar rappelte sich die Zeidlers Rasselbande auf und setzte nochmals Druck auf YB auf. Dank des breiteren Kaders und mehr Erfahrung mit englischen Wochen liessen sich die Young Boys nicht mehr stoppen. Den Ostschweizern blieb Platz 2 und die Gewissheit, sich mit ihren sympathischen Auftritten in die Herzen der Fans gespielt zu haben.

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16 Kommentare
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risc68

02.08.2020, 12:51

Es war wohl nie einfacher die Meisterschaft zu gewinnen als in dieser Saison. Yb im Umbruch und doch Schweizermeister. Ich vermute, dass YB noch stärker in die neue Saison starten wird, da die Mannschaft zusammen bleiben wird. Hopp Thun

FC Thun

01.08.2020, 10:31

Als Fussball Fan, egal welcher Mannschaft, kann man doch nicht stolz sein sich Coronameister zu nennen. Jetz gilt es sich zu beweisen, YB sowie St.Gallen müssen jetzt zeigen das sie auch Europäisch was reissen können, oder wird es wieder an Basel hängen bleiben ein paar Punkte aus EL oder CL für die Schweiz zu holen? (siehe letzen paar Jahre)

gigu

01.08.2020, 10:23

...und den anderen half der schiri! Dies fehlt in euer überschrift! YB wurde nicht meìster, sondern zum meister gemacht....