Aktualisiert 04.05.2018 11:19

Küchenhygiene

«Drei Tage Spital wegen eines halbgaren Poulets»

Grillieren ist der Volkssport, bei dem jeder behauptet, Experte zu sein. Doch gerade junge Männer nehmen es mit der Hygiene nicht so genau.

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bus
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«Am Fleisch hängen viele Bakterien, das ist aufgrund der Produktion nicht anders möglich», sagt Dirk Bumann, Professor am Biozentrum der Uni Basel.

«Am Fleisch hängen viele Bakterien, das ist aufgrund der Produktion nicht anders möglich», sagt Dirk Bumann, Professor am Biozentrum der Uni Basel.

Kazzakova
Die Bakterien würden bei einer Berührung vom Fleisch auf die Hände übergehen und dann mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen, beispielsweise, wenn man den Salat anrührt.

Die Bakterien würden bei einer Berührung vom Fleisch auf die Hände übergehen und dann mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen, beispielsweise, wenn man den Salat anrührt.

Keystone/Gaetan Bally
Eine Untersuchung der ETH Zürich zeigt zudem, dass auffällig viele junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren eine lebensmittelbedingte Durchfallerkrankung erleiden. «Männer stehen häufiger am Grill als Frauen», vermutet Eva van Beek vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Eine Untersuchung der ETH Zürich zeigt zudem, dass auffällig viele junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren eine lebensmittelbedingte Durchfallerkrankung erleiden. «Männer stehen häufiger am Grill als Frauen», vermutet Eva van Beek vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Keystone/Gaetan Bally

Wenn es ums Grillieren geht, will jeder Experte sein. Doch einige halten beim Grillieren von Fleisch und Fisch die Grundregeln der Küchenhygiene nicht ein. Nicht nur am Grill, auch in der Küche gehen viele sorglos mit Fleisch um. Jährlich komme es deshalb zu 10'000 Fällen von Erkrankungen, die durch Lebensmittel verursacht würden, sagt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). «Häufig wird zum Beispiel rohes Poulet und bereits Gekochtes nicht getrennt», sagt Eva van Beek vom BLV. Weitere Infektionsherde sind der Salat, der auf dem gleichen Brettchen geschnitten wird wie zuvor das Fleisch. Oder das Fleischstück wird gar nicht erst richtig durchgebraten.

«Ich fühlte mich hundeelend»

Häufig fehlt die Zeit bei der Zubereitung von Fleisch. Was die Folgen sind, hat Alisa Frei am eigenen Leib erfahren: «Ich hatte Hunger und wollte nicht länger auf das Poulet im Ofen warten. Ich ass das Fleisch, obwohl es innen noch etwas roh war. 24 Stunden liessen mich Salmonellen durch die Hölle gehen.» Heftiger Durchfall und gleichzeitiges Erbrechen plagten die 47-Jährige. «Ich fühlte mich hundeelend.» Noch schlimmer erging es einem weiteren Leser: «Wegen eines nicht durchgegarten Poulets habe ich mir eine Campylobacter-Vergiftung eingefangen. Drei Tage war ich im Spital, danach ging es wieder.» Ein ungebratener Speck hat Sascha Trüssel das neue Jahr versaut: «Nach Silvester hatte ich deswegen drei Tage üblen Durchfall.»

Vor allem junge Männer

Häufiger als Salmonellen ist inzwischen eine Infektion mit Campylobacter. Neben den üblen Folgen für die Erkrankten verursachen Lebensmittelinfektionen auch Kosten. 50 Millionen Franken pro Jahr sind es gemäss einer Studie des Bundesamts für Gesundheit. 15 Prozent der Infizierten müssten sich im Spital behandeln lassen.

Eine Untersuchung der ETH Zürich zeigt zudem, dass auffällig viele junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren eine lebensmittelbedingte Durchfallerkrankung erleiden. «Männer stehen häufiger am Grill als Frauen», vermutet van Beek. «Wenn junge Männer zudem von zu Hause ausziehen, sind sie nicht immer über die Hygiene in der Küche im Bild.»

Kampagne macht auf Hygieneregeln aufmerksam

Das bestätigt auch Dirk Bumann, Professor am Biozentrum der Uni Basel. «Viele junge Männer sind eher schlecht informiert.» Etliche Lebensmittelinfektionen könnte man verhindern, sagt Bumann. Etwa durch Händewaschen nach der Berührung von Fleisch. «Am Fleisch hängen viele Bakterien, das ist aufgrund der Produktion nicht anders möglich. Teilweise sind sie sogar multiresistent.» Die Bakterien würden bei einer Berührung vom Fleisch auf die Hände übergehen und dann mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen, beispielsweise, wenn man den Salat anrührt. «Steht dieser dann noch ein wenig herum, können sich die Bakterien sogar noch vermehren», erklärt der Experte. Doch auch das richtige Grillieren sei entscheidend: «Auch wenn das Fleisch aussen schon fast schwarz ist, innen aber noch roh, hat es immer noch Bakterien drin.» Junge Männer würden das Risiko jedoch weniger ernst nehmen als andere, vermutet Bumann.

Grund genug für das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit, eine neue Kampagne für eine bessere Hygiene beim Kochen zu lancieren. Das Amt will die allgemeinen Grundsätze im Umgang mit Lebensmitteln in Erinnerung rufen: «Richtig waschen, richtig erhitzen, richtig trennen und richtig kühlen», so die Devise.

Hier gibt es die vier Grundregeln zur Küchenhygiene: sichergeniessen.ch

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