Aktualisiert 19.08.2009 05:56

«Total schockiert»Drei Tote nach Familiendrama

Familientragödie im Eigenheimviertel: Ein Mann aus der niederrheinischen Kleinstadt Schwalmtal hat am Dienstag drei Menschen erschossen und einen schwer verletzt.

von
Daniela Pegna/AP

Der Täter verschanzte sich danach stundenlang in einem Wohnhaus im Ortsteil Amern, gab am Abend auf und konnte unverletzt festgenommen werden, wie die Polizei mitteilte. Hintergrund ist offenbar ein Gutachter-Termin in dem Gebäude. Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar. Das Polizeipräsidium Düsseldorf will am (heutigen) Mittwoch (14.00 Uhr) bei einer Pressekonferenz Einzelheiten bekanntgeben.

Der Mann verlor bei dem Termin am Dienstag offenbar gegen 16.30 Uhr die Nerven und schoss wild um sich. Eine Leiche lag vor dem Haus, zwei weitere entdeckten die Beamten bei der Durchsuchung am Abend. Nach Angaben des Landkreises Viersen fand in dem Haus ein Gutachter-Termin zur Schätzung des Gebäudes statt, um es verkaufen zu können. Der Täter verletzte demnach einen der beiden Landkreis-Mitarbeiter schwer. Der Mann musste im Krankenhaus Viersen operiert werden, wie Kreissprecher Kaspar Müller-Bringmann sagte.

Der Verbleib des anderen Mitarbeiters war zunächst ebenso unklar wie die Identität der drei Toten. Zunächst hatte die Polizei auch von vier Toten berichtet, die Zahl dann aber am späten Abend ohne nähere Erläuterung nach unten korrigiert. Zunächst war auch von einer Geiselnahme die Rede, ein Sprecher wies diese Darstellung später aber zurück.

«Wir sind doch hier eigentlich so ein ruhiger Ort»

Die Schüsse fielen laut Polizei um 16.30 Uhr. Hintergrund sei wahrscheinlich eine Familienangelegenheit, sagte Polizeisprecher Markus Niesczery. Das Alter und das genaue Motiv des Täters waren zunächst unklar. Niesczery sagte, dies müsse nun akribisch ermittelt werden. Die «Rheinische Post» schrieb, zwei Immobilienmakler und Anwälte seien anwesend gewesen, um den Wert des Hauses zu ermitteln.

Wie die Polizei weiter mitteilte, gab es zwei weitere Opfer, die unverletzt blieben und von Seelsorgern betreut wurden. In dem Haus, das in einer ruhigen Siedlung liegt, soll sich laut «Rheinischer Post» auch ein zwölfjähriges Kind befunden haben.

Mehrere Spezialeinsatzkommandos waren vor Ort, das Haus war grossräumig abgesperrt. Auch zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz.

Schwalmtal liegt am Niederrhein, gehört zum Kreis Viersen und hat rund 19.000 Einwohner. Ein Anwohner sagte am Abend der AP, das Geschehene sei unglaublich. «In so einem Ort wie Schwalmtal erwartet man das bestimmt nicht. Hier war plötzlich so ein Durcheinander, Polizisten in zivil und das SEK waren da», berichtete der Versicherungskaufmann.

Der 18-jährige Schüler Phillip sagte, er sei «total schockiert». «So etwas habe ich hier bestimmt nicht erwartet.» Sein 18-jähriger Freund Alexander sagte, die Tat habe sich «hier wie ein Lauffeuer verbreitet. Plötzlich gingen überall die Handys. Wir sind doch hier eigentlich so ein ruhiger Ort.»

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