09.02.2020 16:56

20-Minuten-Nachbefragung

Drei von vier Jüngeren für Gesetz gegen Homo-Hass

Die Wohninitiative scheiterte an Hausbesitzern und dem Stadt-Land-Graben, zeigt die Nachbefragung. Nur SVP-Anhänger waren gegen das Homo-Hass-Gesetz.

von
ehs

Mit 63,1 Prozent Ja-Anteil sprachen sich fast zwei von drei Stimmberechtigten für das Diskriminierungsverbot aufgrund sexueller Orientierung aus. Die 20-Minuten-Nachbefragung zeigt: Gross war die Unterstützung vor allem bei den Jüngeren.

Bei den 18- bis 34-Jährigen legten 73 Prozent ein Ja in die Urne. Die Zustimmung sank mit fortschreitendem Alter: Bei den 35- bis 49-Jährigen sprachen sich noch 64 Prozent für die Gesetzeserweiterung aus, bei den 50- bis 64-Jährigen 61 Prozent und bei den über 65-Jährigen 55 Prozent.

Gegen die Ausweitung der Antirassismus-Strafnorm hatte die Junge SVP und die EDU das Referendum ergriffen. Die Anhänger der SVP waren denn auch die einzigen Parteianhänger, die das Gesetz ablehnten. Mit 31 Prozent legte nicht einmal jeder dritte SVP-Anhänger ein Ja in die Urne.

Bei allen anderen Parteien war eine Mehrheit für den Schutz-Artikel. Am höchsten war die Zustimmung bei Anhängern der SP und der Grünen (91 respektive 88 Prozent), gefolgt von GLP- und CVP-Wählern (82 und 66 Prozent). Auch bei den FDP-Wählern war die Mehrheit mit 59 Prozent komfortabel.

Gleich hoch war auch die Zustimmung unter den Abstimmenden, die sich selbst als heterosexuell bezeichneten. Unter den homo-, bi- und anderssexuellen Menschen war die Zustimmung mit 83 Prozent zwar deutlich höher. Damit lehnte aber fast jeder sechste in dieser Gruppe, die von der Ausweitung direkt betroffen ist, die Vorlage ab.

Zwar zeigte sich auch bei dieser Vorlage ein Stadt-Land-Graben. Städter nahmen die Vorlage deutlicher an als Stimmberechtigte in Agglomerationen und auf dem Land. In allen drei Gruppen resultierte aber ein Ja.

Anders präsentierte sich die Situation bei der Wohninitiative. Diese forderte, dass jede zehnte neue Wohnung gemeinnützig erstellt werden soll. Auf dem Land, wo der Wohnungsmarkt entspannter und die Leerstandsquoten höher sind, fiel die Vorlage durch. Nur 35 Prozent stimmten ihr zu. Auch in Agglomerationen konnten die Initianten mit 43 Prozent keine Mehrheit finden. Anders in den Städten, wo der Wohnraum eher knapp und die Mieten höher sind: Dort sprach sich mit 55 Prozent eine Mehrheit für die Initiative aus.

Dass die Zustimmung zur Initiative von der eigenen Betroffenheit abhängt, zeigt sich auch darin, dass die abstimmenden Mieter zur Mehrheit für das Anliegen votierten. 58 Prozent der Mieter nahmen die Initiative an. Bei den Stimmberechtigten, die in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus wohnen, war die Zustimmung hingegen klein: Nur 30 Prozent wollten die Initiative unterstützen, die mehr billigen Wohnraum versprach.

Die Nachbefragung

In Zusammenarbeit mit LeeWas führen 20 Minuten und Tamedia auf ihren Newsportalen umfassende Abstimmungs- und Wahlumfragen durch. 10'317 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 6. bis 8. Februar online an der Nachbefragung zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 9. Februar 2020 teilgenommen. Die Umfragedaten werden nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert. Der Fehlerbereich liegt bei 2,1 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

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