Dreieinhalb Jahre für Messerstecher
Aktualisiert

Dreieinhalb Jahre für Messerstecher

Das Zürcher Geschworenengericht hat einen 27-jährigen Marokkaner wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahre verurteilt.

Er hatte 2006 in Seuzach im Streit einen Drogendealer niedergestochen.

Die Bluttat war grundsätzlich nicht bestritten. Der Angeklagte aus Kloten hatte im Dezember 2006 die Asylantenunterkunft in Seuzach aufgesucht. Der Drogenkonsument wollte mit seinen gerade erhaltenen Sozialhilfegeldern Kokain für rund 350 Franken kaufen.

Er geriet beim Kauf von 5 Gramm Kokain wegen der Qualität des Stoffes in Streit mit einem 25-jährigen Dealer aus Westafrika. Dabei zückte er ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser und stach mehrfach in den Oberkörper seines Gegners. Der Dealer hatte Glück im Unglück; er kam mit nicht lebensgefährlichen Verletzungen davon.

Vor Gericht hatte der Angeklagte am Dienstag gesagt, er habe aus Notwehr gehandelt. Die Tat bezeichnete er als Versehen. Sein Verteidiger setzte sich für einen Freispruch vom Hauptvorwurf der versuchten schweren Körperverletzung ein. Er forderte die sofortige Haftentlassung seines Klienten.

Wenig glaubwürdig und widersprüchlich

Für den Staatsanwalt war der Messerangriff dagegen eine versuchte schwere Körperverletzung, welche eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verdiene. Eine ambulante Drogenentzugs-Therapie komme nur während des Strafvollzugs in Frage. Und der Anwalt des Opfers forderte einen Schadenersatz von 12 000 Franken.

Die Geschworenen schenkten der Notwehr-Version keinen Glauben und folgten weitgehend der Staatsanwaltschaft. Während der dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe muss sich der Angeklagte einer ambulanten Drogenentzugstherapie unterziehen.

Die Aussagen des wenig glaubwürdigen Mannes seien gespickt von Widersprüchen, bilanzierte der zuständige Gerichtspräsident. Strafmildernd wirkte sich jedoch aus, dass das Gericht dem Täter eine leicht verminderte Schuldfähigkeit zugestand. Das Opfer erhält ein Schmerzensgeld von 3000 Franken.

(sda)

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