Aktualisiert 09.12.2008 12:19

ZürichDreieinhalb Jahre Haft für brutalen Frauenhandel

Ein bulgarischer Chef-Zuhälter und drei Türken haben im Grossraum Zürich Menschenhandel mit osteuropäischen Prostituierten betrieben. Nun kassierten die Täter Freiheitsstrafen bis zu dreieinhalb Jahren.

von
Attila Szenogrady

Der Prozess gegen den heute 38-jährigen Chef-Zuhälter aus Bulgarien und drei türkische Staatsangehörige wurde letzte Woche eröffnet. Dem Leiter der Organisation und zwei weiteren Angeklagten wurde Menschenhandel angelastet, einem vierten Angeschuldigten Förderung der Prostitution. Der Hauptbeschuldigte verweigerte jegliche Aussage. Er wurde bereits früher in Frankreich wegen Aktivitäten im Sexgewerbe zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, worauf er seine Tätigkeit nach seiner Haftentlassung im Sommer 2006 in den Grossraum Zürich verlegte.

Strenges Prügel-Regime

Dabei setzte der Bulgare zunächst auf das Stadtzürcher Rotlicht-Milieu. Die Anklageschrift schilderte, wie der Zuhälter drei Landsfrauen aus Osteuropa in die Prostitution an der Limmat einführte und dabei ein strenges Regime aufzog. Dabei soll der Angeschuldigte die wirtschaftliche Notlage der Opfer skrupellos ausgenutzt haben. Regte sich Widerstand, so setzte es für die Geschädigten auch massiv Prügel ab. In der Folge kontrollierte der Boss die Einkommen der Prostituierten und schöpfte jeweils mindestens die Hälfte ihrer Einkommen ab.

Viereinhalb Jahre gefordert

Innerhalb eines Jahres weitete der Angeklagte seine Tätigkeit von Zürich bis in die Ost- und Innerschweiz aus, unter Mithilfe von drei türkischen Staatsangehörigen, die laut Anklage auch weitere Frauen aus Rumänien in die Prostitution zwangen.

Laut Staatsanwältin Silvia Steiner galt der Bulgare als Organisator, Transporteur und als Stellenvermittler. Bis zum 10. Juli 2007, als die Polizei zuschlug und der verhaftete Mann bis heute hinter Gittern verschwand.

Staatsanwältin Steiner forderte für den Angeklagten vor Gericht eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren wegen mehrfachen Menschenhandels und Förderung der Prostitution.

Für die drei weiteren Beschuldigten verlangte Steiner bedingte Strafen: zweimal 18 Monate sowie einmal zwei Jahre.

Dreieinhalb Jahre

Die Verteidiger setzten sich in längeren Plädoyers für Freisprüche ein. In erster Linie, da die massiven Vorwürfe gar nicht zu beweisen seien und die Frauen ihrer Tätigkeit freiwillig nachgegangen seien.

Allerdings vergeblich: In seinem am Montag eröffneten Urteil hat das Bezirksgericht Zürich den Hauptangeklagten wegen mehrfachen Menschenhandels zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt, abzüglich von 513 Tagen, die der Beschuldigt bereits verbüsst hat. Zwei türkische Staatsangehörige kassierten wegen Menschenhandels bedingte Freiheitsstrafen von 20 sowie zwölf Monaten. Ein vierter, türkischer Angeklagter wurde vom Vorwurf der Förderung der Prostitution freigesprochen. Er erhielt aber wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Von der Abschöpfung eines unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils sah das Gericht ab.

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