Aktualisiert 20.06.2008 12:33

HöchststrafeDreifachmord aus Geldgier - lebenslänglich gefordert

Im Indizienprozess gegen einen 43-jährigen gebürtigen Inder, der um die Weihnachtszeit 2005 in Vevey seine begüterte Adoptivmutter, deren Tochter und eine Bekannte umgebracht haben soll, fordert die Staatsanwaltschaft eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Die Anklage geht von Geldgier als Motiv aus.

Seit dem letzten Montag steht ein 43-jähriger Mann unter dreifacher Mordanklage vor dem Strafgericht Vevey. Der gebürtige Inder bestreitet kategorisch, seine begüterte Adoptivmutter, deren Tochter sowie eine Bekannte um die Weihnachtszeit 2005 umgebracht haben. Die Staatsanwaltschaft ist hingegen überzeugt von der Schuld des Angeklagten. An seinem Verschulden, das enorm gross sei, bestehe kein Zweifel, sagte Staatsanwalt Eric Cottier am Freitag vor Gericht. Er verlangte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Die Anklage, die sich mangels eindeutiger Beweise auf Indizien stützen muss, geht von Geldgier als Motiv aus. Ein Indiz, das gegen den Angeklagten spricht, ist eine DNA-Spur, die die Ermittler auf dem Kragen des Nachthemdes der Adoptivmutter fanden. «Ich habe meine Mutter nicht getötet. Auch nicht ihre Freundin. Ich hatte keinen Grund dazu und wäre unfähig, so etwas zu tun. Es widerspricht meiner Natur», sagte der Angeklagte am letzten Montag vor Gericht. Er sei erst nach der Entdeckung der Leichen am Ort des Dramas gewesen.

Die Leichen der 81-jährigen Adoptivmutter und einer 80-jährigen Bekannten aus Basel waren 4. Januar 2006 am Fuss einer Treppe in einer Villa in Vevey gefunden worden. Die 56-jährige Tochter des Hauses ist seit dem 24. Dezember 2005 als vermisst gemeldet. Die Leichen der beiden Frauen waren bereits stark verwest, so dass eine DNA-Analyse die Identität klären musste. Gemäss Autopsie waren sie an den Folgen mehrerer schwerer Verletzungen gestorben, die wahrscheinlich durch einen stumpfen Gegenstand verursacht worden waren. Der Angeklagte wurde im Februar 2006 unter Mordverdacht verhaftet.

Zum Prozessauftakt hatte die Anklage die Streitigkeiten geschildert, zu denen es in der begüterten Familie aus Vevey gegen Ende des Jahres 2005 gekommen war. Dabei dürfte es um Geld gegangen sein, hatte der indisch-stämmige Adoptivsohn doch grosse Schulden angehäuft und wiederholt Geld von der Adoptivmutter gefordert. Diese hatte sich jedoch geweigert, ihm weiteres Geld auszuhändigen und einen Vertrag über die monatliche Zahlung von 6000 Franken zu erneuern. Laut Anklage verdächtigte die Adoptivmutter den Adoptivsohn auch der Unterschlagung und wurde dabei von ihrer Tochter unterstützt. Die Anklage geht davon aus, dass der Adoptivsohn auch seine Halbschwester tötete, um sich das gesamte Erbe in zweistelliger Millionenhöhe zu sichern.

Das Plädoyer der Verteidigung war auf Freitagnachmittag angesetzt. Das Urteil soll in einer Woche fallen. (dapd)

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