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Dreijähriger erschossen – er wollte auf die Toilette

«Es war der Horror», so der Schweizer Arzt Beat Richner am Telefon zu 20 Minuten.

Unweit seines Kinderspitals in Siem Reap töteten Geiselnehmer in einer Schule gestern einen dreijährigen kanadischen Jungen. Ein Schweizer Mädchen entkam unversehrt.

«Wir hatten uns auf das Schlimmste vorbereitet – der OP und die Poliklinik waren bereit», sagt Richner. Gegen 9.30 Uhr Ortszeit waren sechs bewaffnete Geiselnehmer in die Internationale Schule von Siem Reap im Nordwesten Kambodschas eingedrungen und hatten eine Kindergartenklasse mit 29 Schülern aus 15 Nationen in ihre Gewalt gebracht. Die Kidnapper forderten 1000 Dollar Lösegeld, Waffen wie Sturmgewehre und Granatenwerfer sowie einen Kleinbus.

Als die Geiselnehmer gegen 16 Uhr mit einigen Kindern im bereitgestellten Bus fliehen wollten, stürmten die kambodschanischen Sicherheitskräfte schwerbewaffnet die Schule. «Wir hörten acht Schüsse», erzählt Richner. Gemäss Zeugenaussagen wurden zwei der Geiselnehmer bei der Aktion getötet, die anderen vier verhaftet. Dann war der Albtraum vorbei: Erwachsene rannten mit Kindern auf den Armen aus dem Schulgebäude. Auch ein Schweizer Mädchen wurde gerettet. Es ist laut EDA wohlauf.

Einen dreijährigen kanadischen Knaben hatten die Geiselnehmer mit einem Kopfschuss getötet. «Am Polizeifunk hörten wir, dass er sterben musste, weil er auf die Toilette wollte», so Richner. Laut den kambodschanischen Behörden hatten die Männer gedroht, ein Kind nach dem anderen zu töten.

Bernhard Brechbühl

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