Aktualisiert 07.01.2008 17:57

Dreijähriges Schweizer Mädchen riskiert Ausweisung

Die «Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht» listet allein in der Westschweiz im vergangenen Jahr 22 Härtefälle auf. Darunter der absurd-tragische Fall einer sehr jungen Schweizerin.

Die Stelle wird nach einer Pilotphase in der Westschweiz auch in der Deutschschweiz und im Tessin aktiv.

Die Härtefälle der Beobachtungsstelle sind auf der Homepage der Westschweizer Antenne (stopexclusion.ch) publiziert. Aufgelistet wird dort etwa der Fall eines dreijährigen in der Schweiz eingebürgerten Mädchens mit Schweizer Vater und Mutter aus Ecuador. Nach der Trennung der Eltern wurde die Aufenthaltsbewilligung der Mutter nicht verlängert.

Das Mädchen riskiert, mit der Mutter ausgewiesen zu werden, obwohl es Schweizerin ist und mit seinen Halbgeschwistern und Grosseltern väterlicherseits eine enge Beziehung geknüpft hat.

Es müsste ohne Vater in einem Land aufwachsen, unter Lebensbedingungen die mit den schweizerischen nicht vergleichbar seien, heisst es in dem Bericht. Ein letztinstanzlicher Rekurs sei noch hängig.

«Diese Liste ist keineswegs vollständig», erklärte Yves Brütsch, der Verantwortliche der Westschweizer Antenne, auf Anfrage zu einem Bericht des «Courrier». «Es handelt sich lediglich um emblematische Fälle, von denen wir durch informellen Austausch über Juristen und Sozialarbeiter erfahren haben.»

Antennen in St. Gallen und Lugano

Die «Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht» war im Februar 2007 gegründet worden. Absicht des Vereins ist es, die Auswirkungen des verhärteten Asyl- und Ausländergesetztes auf die betroffenen Menschen zu dokumentieren.

Nach einer Pilotphase in der Westschweiz werden nun auch in der deutschen Schweiz und im Tessin entsprechende Antennen eingerichtet. Die Antenne in der Deutschschweiz wird mit einer Teilzeitstelle in St.Gallen besetzt, jene im Tessin mit einer Teilzeitstelle in Lugano. Über ein Sekretariat in Bern wird die Arbeit in den drei Sprachregionen koordiniert.

Die Beobachtungstelle arbeitet eng mit anderen Organisationen im Asylbereich zusammen, wie Vorstandsmitglied Vania Alleva erklärt, die bei der Gewerkschaft unia für den Bereich Migration zuständig ist. Es gehe darum, die Umsetzung des verschärften Asyl- und Ausländergesetzes schweizweit zu beobachten. Die Stelle dokumentiert mit ihren Berichten auch Bundesparlamentarierinnen und Parlamentarier.

Der Verein «Schweizerische Beobachtungstelle für Asyl und Ausländerrecht» hat rund 300 Mitglieder, darunter Prominente wie der ehemalige Bundeskanzler François Couchepin oder Ex-Bundesrätin Ruth Dreifuss. Er entstand nach der Volksabstimmung vom 24. September 2006, in der das Ausländer- und das Asylrecht verschärft worden waren.

(sda)

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