Dreiste Abzockerei mit Silvester-SMS
Aktualisiert

Dreiste Abzockerei mit Silvester-SMS

An Schweizer Handynummern wurden
an Silvester massenhaft Spam-SMS verschickt. Wer auf eine 0900er-Nummer anrief, erhielt Liebesgrüsse zum Neujahr – von einer völlig Unbekannten.

J.G.* (28) aus Uster ZH hatte kaum auf das neue Jahr angestossen, als ein freundliches SMS bei ihm eintraf: «Happy New Year! Du hast einen persönlichen Neujahrsgruss erhalten.» Um die Botschaft abzuhören, müsse er eine bestimmte 0900er-Nummer wählen – für 1.50 Franken pro Anruf und Minute.

Als J.G. neugierig anrief, wurde er von einer Frauenstimme in Basler Dialekt begrüsst. Danach kam die «persönliche Botschaft»: «Eine Frau, deren Stimme derjenigen der Ansagerin stark ähnelte, sagte mir, wie gern sie mich habe», erzählt J.G. Er sei sich aber sicher, die Frau nicht zu kennen. Ein SMS mit ähnlichem Inhalt, aber anderer 0900er-Nummer bekam auch U.G.* (40) aus Zürich: Ihn beglückwünschte dieselbe Stimme zum Jahr 2007. Die Nummern werden laut dem Bundesamt für Kommunikation von Firmen in Basel und Liechtenstein betrieben.

«Dass man mit Neujahrs-SMS Geld zu machen versucht, ist neu, aber nicht überraschend», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz. Solange der Preis für einen Anruf genannt werde, seien solche SMS nicht illegal. Die Swisscom sehe solche Geschäfte aber nicht gern: «Sie schädigen auch das Vertrauen der Kunden in uns.» Sein Tipp: «Solche SMS einfach löschen.»

Marco Lüssi

*Namen der Redaktion bekannt.

SMS-Rekord zum Jahreswechsel

In der Schweiz sind an Silvester und Neujahr die Handys heiss gelaufen. Insgesamt wurden an den beiden Tagen 92,2 Millionen SMS- und MMS-Botschaften verschickt – gut zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Übermittlungsnetze hielten dem Ansturm stand. Bei der Sprachtelefonie war das Natel-Netz der Swisscom jedoch vor allem in Stadtzentren am Anschlag, und es brauchte für drahtlose Telefongespräche zeitweise mehrere Anläufe.

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