Aktualisiert 11.11.2011 09:21

Falsche Wohnungsinserate

Dreiste Gauner treiben ihr Unwesen

Immobilienfirmen warnen vor der zunehmenden Zahl von Wohnungsbetrügern im Internet. Bis zu 3000 Franken verlangen diese für eine Wohnungsbesichtigung.

von
Simona Marty
Wohnungsbetrüger preisen auf Internet-Portalen vermeintliche Luxuswohnungen an.

Wohnungsbetrüger preisen auf Internet-Portalen vermeintliche Luxuswohnungen an.

«Hochmoderne 3-Zimmerwohnung mit 81 Quadratmetern für 1750 Franken an Toplage in Zürich zu vermieten.» Viel zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich – diese schmerzliche Erfahrung musste auch Studentin A. G.* aus Zürich machen. Sie wurde Opfer von dreisten Wohnungsbetrügern, die seit neustem ihr Unwesen im Internet treiben.

«Solche Betrugsfälle sind ein grosses Problem auf den Immobilienplattformen. In letzter Zeit mussten wir immer wieder gefälschte Inserate herausfiltern. Dazu wenden die Betrüger immer perfidere Methoden an», sagt Daniel Bruckhoff, Sprecher von Homegate. Immoscout 24 hat darauf reagiert: «Wir haben auf der Homepage einen Sicherheitshinweis aufgeschaltet», so Sprecher Bernhard Buerki. Auch Ronorp warnt vor den Betrügern.

Die Geschichte dahinter ist immer dieselbe: «Auf das Inserat antwortet ein vermeintlicher Engländer, der für die Besichtigung nicht in die Schweiz reisen kann. Für die Zusendung des Schlüssels verlangt der Inserent dann die happige Summe von 3000 Franken», so das Opfer. Das Geld hat die junge Frau nicht überwiesen – dafür aber eine angeforderte Passkopie. «Das war ein Fehler. Die Betrüger nutzen nun meinen Namen, um weiter Personen abzuzocken.» Der Name und die Passkopie dient als «Vertrauensbeweis» für weitere Opfer. «Regelmässig kontaktieren mich Fremde wegen eines anscheinend von mir ins Netz gestellten Wohnungsinserats», sagt A. G. Sie befürchtet, dass bald auch Anzeigen folgen: «Im Internet werde ich nun als Betrügerin wahrgenommen.»

*Name der Redaktion bekannt

«Die Betrüger nutzen die Wohnungsnot gnadenlos aus»

Herr Strub*, sind Ihnen Wohnungsbetrugsfälle bekannt?

Philippe Strub: Ich stelle gar eine Zunahme fest und befürchte, dass die Fälle noch professioneller werden. Früher musste das Geld direkt auf das «Betrügerkonto» einbezahlt werden, heute werden Zwischenfirmen zur Abwicklung benutzt. Die aktuelle Wohnungsnot verschärft die Lage zusätzlich. Die Mieter sind unter Druck und unternehmen vieles für eine neue Wohnung.

Wann müssen bei den Mietern die Alarmglocke läuten?

Sobald Geld verlangt wird oder man sich sehr schnell entscheiden muss. Prinzipiell gilt es, kritische Fragen zu stellen und sich extern Rat zu holen.

Trotzdem fallen immer wieder Leute auf die Tricks hinein.

Und dann kann man nicht mehr viel machen. Da die Betrüger oft im Ausland agieren, dauert der rechtliche Weg sehr lange und die Chancen, das Geld wiederzusehen, sind minim.

*Philippe Strub ist Geschäftsführer beim Konsumentenforum

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