Flutkatastrophe in Europa: Dresden bereitet weitere Evakuierungen vor
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Flutkatastrophe in EuropaDresden bereitet weitere Evakuierungen vor

Auch in der Nacht auf Mittwoch gibts in Deutschland noch keine Entwarnung, die Pegelstände steigen unaufhörlich: In Dresden müssen 660 weitere Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Nach dem tagelangen Regen wird die Lage im Süden und Osten Deutschlands immer dramatischer. In vielen vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Bayern, Sachsen und Thüringen ist keine Entspannung in Sicht. Mehrere Städte und Landkreise in Bayern und Sachsen riefen den Katastrophenalarm aus. Überlaufende Flüsse fluteten zahlreiche Strassen.

Der Deutsche Wetterdienst sagte auch für Montag zum Teil kräftigen Regen voraus. Südbayern und dem Erzgebirge drohen extreme Unwetter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte den vom Hochwasser am stärksten betroffenen Ländern die «volle Unterstützung» der Bundesregierung zu. Wenn nötig sei auch ein Einsatz der Bundeswehr möglich, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers.

Nach tagelangem Dauerregen drohe der Dreiflüssestadt Passau ein neues Jahrhunderthochwasser, sagte Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Die Situation in den betroffenen Gebieten hatte sich in der Nacht zugespitzt. In Passau erwarteten die Behörden am Montag an der Donau einen Pegelstand von zwölf Metern. «Wir rechnen damit, dass im Laufe des Tages an Inn und Donau die historischen Höchststände von 1954 erreicht werden», sagte am Morgen ein Sprecher des Passauer Krisenstabs. Die Behörden forderten Hilfe von der Bundeswehr an.

Die Passauer Altstadt und andere Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind grossflächig überspült. In der Altstadt musste der Strom abgestellt werden.

Bayrischer Ministerpräsident beruft Krisentreffen ein

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer berief ein Krisentreffen ein, um über mögliche Hilfen zu beraten. Katastrophenalarm gaben neben Passau und der Stadt Rosenheim auch die bayerischen Landkreise Miesbach, Rosenheim und Berchtesgadener Land sowie in Sachsen der Kreis Leipzig und die Städte Zwickau und Chemnitz.

Auch in Thüringen und Sachsen wurde in mehreren Regionen der Katastrophenalarm ausgerufen. Mehr als 1200 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Von Evakuierungen war etwa die Stadt Gera betroffen.

Angespannt ist auch die Lage im Grossraum Leipzig. Dort erwarteten die Behörden am Montag noch höhere Wasserstände als bei der verheerenden Flut vor elf Jahren.

Nach Angaben von Rettungskräften und Polizei in Baden-Württemberg trat auch der Neckar bei Tübingen über die Ufer. In Reutlingen wurden am Sonntag zwei Menschen vermisst - sie könnten in die Echaz, einem Neckarzufluss, gefallen sein. Auch in Sachsen-Anhalt blieb die Hochwasserlage kritisch.

Tausende Helfer am Werk

In Baden-Württemberg waren Helfer im Südwesten des Landes nach Überflutungen und Erdrutschen am Wochenende zu mehr als 3000 Einsätzen ausgerückt. Gut 6000 Helfer etwa von der Feuerwehr oder des technischen Hilfswerks seien landesweit im Einsatz gewesen, bilanzierte Innenminister Reinhold Gall am Sonntag.

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers gestoppt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet.

Dramatische Lage in Tschechien

Am Abend rief die Regierung in Prag den Notstand aus. Die Massnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im tschechischen Fernsehen. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3.

Die Moldau drohte, die Prager Altstadt zu überfluten. Ein Wochenendhaus bei Prag stürzte über dem matschigen Untergrund ein. Die Hausbesitzerin starb, wie die nationale Agentur CTK meldete. An zwei Flüssen in Böhmen wurden drei Wassersportler vermisst.

Die Polizei musste die Suche nach ihnen wegen der hohen Pegelstände abbrechen. Strassen und Bahnstrecken im Süden und Westen des Landes wurden überschwemmt und deshalb gesperrt. Die Regierung schickte rund 200 Soldaten zum Hilfseinsatz.

Weiter angespannte Hochwasserlage in Österreich

In weiten Teilen Österreichs ist die Hochwasserlage nach tagelangen Regenfällen auch am Montag angespannt. Die Pegel der Donau stiegen weiter gefährlich an.

Bei Kienstock in der Wachau wurden am Morgen 9,59 Meter gemessen. Für den frühen Abend lautete die Prognose 10,92 Meter, was dem «Jahrhunderthochwasser» vom August 2002 entsprechen würde.

Niederösterreichs Donau-Bezirke waren am Sonntagabend zum Katastrophengebiet erklärt worden. Die Feuerwehr warnte Tausende von Anwohnern, dass trotz des Aufbaus von Schutzwänden in der Wachau ab Montagmittag Überflutungen nicht mehr ausgeschlossen werden könnten.

Besserung im Voralberg

Hunderte Menschen türmten weiter Sandsäcke auf. Prekär war die Lage unter anderem in Melk, wo die Altstadt teilweise von der Donau überflutet wurde.

In anderen Teilen Österreichs entspannte sich die Hochwassersituation hingegen. So hatten die Menschen in Vorarlberg Sonntagabend wohl das Schlimmste überstanden, wie die Behörden berichteten. Die erhöhte Alarmbereitschaft wurde dort beendet.

Zuvor waren vielerorts in Österreich Evakuierungen angeordnet werden. Bislang gab es durch Überflutungen mindestens einen Toten. Zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Menschen werden noch vermisst. (sda)

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