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Dressed to grill

Wer am heissen Rost eine gute Figur machen will, braucht dringend eine ordentliche Grillschürze. Sonst verdampft die Coolness in der Hitze des Gefechts.

Bill Cosby hat eine, Homer Simpson hat zwei davon und Jamie Oliver hat gleich eine ganze Kollektion auf den Markt gebracht. Doch während sich der Spitzenkomiker der Achtzigerjahre noch mit dem harmlosen Slogan «Kiss the Cook» zufrieden gab, band sich der gelbe Familienvater Homer Schürzen mit Aufschriften wie «Where's the Beef?» oder «Hail to the Chef» um, griff beherzt zum Bratenwender und stellte sich an den Grillrost. Der englische Fernsehkoch wiederum setzt auf elegant designte Schutzumhänge, auf denen «Boys Cook Best», «Girls Cook Better» oder schlicht «Chef» geschrieben steht. Sozialkritische Debatten werden auf den Grillschürzen – abgesehen von harmlosem Geschlechterkampf – natürlich nicht geführt. Aber dafür wurden sie ja auch nicht erfunden, sondern lediglich zum Zweck der eindeutigen Festlegung, wem die Hoheit über Fleisch, Metall und Hitze gehört.

Die eigentliche Funktion der Schürze, die Oberbekleidung ihres Trägers vor Blut-, Fett- und Saucenspritzern zu schützen, ist längst in den Hintergrund getreten. Seit mittlerweile drei Jahrzehnten wird die Arbeitskleidung von einst nun schon zum textilen Statement und Gute-Laune-Accessoire umgedeutet. Bei Anbietern wie dem amerikanischen Online-Shop www.coolaprons.com finden sich Dutzende von Ausführungen, die nahezu sämtliche einschlägig bekannten Spass-Parolen tragen. Das reicht dann von harmlosen Bierwitzen über Sport-Logos bis hin zu patriotischer Symbolik und explizit sexistischen Slogans. Andere Hersteller gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten Schürzen im Bodybuilder-Design an, mit aufgedruckter Torso-Muskulatur und einer sackartigen Ausstülpung in der zentralen Leistengegend.

Wer sich freilich beim Hantieren am Holzkohle-Hotspot einen Rest von Würde bewahren will, hält sich von prollig gestalteter Schutzbekleidung fern. So bindet sich der ernst zu nehmende Grilleur etwa die in dezentem Dunkelschwarz gehaltene Profi-Schürze von Weber um. Der weltweit wichtigste Grill-Produzent führt auch weiteres Zubehör wie feuerfeste Handschuhe oder original Holzschnipsel aus dem Hause Jack Daniel's. In dieselbe grundehrliche Kerbe schlagen auch die Designer von Gretschgear, der Modelinie des traditionsreichen Gitarrenherstellers Gretsch. Sie haben eine multifunktionale Schürze entwickelt, die sich im Bastelkeller ebenso bewährt wie beim Barbecue. Und sollte tatsächlich einmal leger-lustige Eleganz bei der Fleischbearbeitung gefragt sein, empfiehlt sich das Modell «Butler» mit aufgedrucktem Frack. Oder die Rückbesinnung auf das Flitzer-Evangelium der Siebzigerjahre: Wahre Kerle grillen nackt.

Philippe Amrein

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