Dritter Anschlag auf 5G-Antenne : «Es gibt keinen legalen Weg, sich gegen bestehende Strahlung zu wehren»
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Dritter Anschlag auf 5G-Antenne «Es gibt keinen legalen Weg, sich gegen bestehende Strahlung zu wehren»

Innerhalb einer einzigen Woche wurden drei Brandanschläge auf 5G-Antennen vermeldet. Ein festgenommener Mann ist wieder auf freiem Fuss. Der Verein “Schutz vor Strahlung” nimmt Stellung.

von
Lara Hofer
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Bereits Ende Februar wurde in Uttigen BE eine Swisscom-Antenne in Brand gesetzt. (Bild)

Bereits Ende Februar wurde in Uttigen BE eine Swisscom-Antenne in Brand gesetzt. (Bild)

20min/Simon Glauser
In der Nacht auf Sonntag hat es dann auch Sunrise getroffen: In Thun wurde ebenfalls ein Sendemast angezündet. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Franken.

In der Nacht auf Sonntag hat es dann auch Sunrise getroffen: In Thun wurde ebenfalls ein Sendemast angezündet. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Franken.

20min/Simon Glauser
Jetzt wurde der dritte Brandanschlag vermeldet: Ebenfalls in der Region Thun wurden am Montag Brandspuren und Beschädigungen an einer Antenne an der Seestrasse festgestellt.

Jetzt wurde der dritte Brandanschlag vermeldet: Ebenfalls in der Region Thun wurden am Montag Brandspuren und Beschädigungen an einer Antenne an der Seestrasse festgestellt.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Brandspuren und Beschädigungen wurden am Montag an einer Antenne in Thun festgestellt.

  • Es ist der dritte Sendemast, der innert Tagen zum Ziel eines Brandanschlages wurde.

  • In Zusammenhang mit dem zweiten Anschlag hat die Polizei einen verdächtigen Mann festgenommen. Dieser befindet sich mittlerweile wieder auf freiem Fuss.

  • Der Verein “Schutz vor Strahlung” nimmt Stellung zu den Vorfällen.

Es ist bereits die dritte Antenne, die innert Tagen in Brand gesetzt wurde: An der Seestrasse in Thun wurden am Montag Brandspuren und Beschädigungen an einem 5G-Sendemast festgestellt. Es handelt sich erneut um Brandstiftung, so Polizeisprecher Christoph Gnägi. «Die Ermittlungen laufen, insbesondere dazu, ob ein Zusammenhang zu den anderen beiden Fällen der letzten Woche besteht.»

Die Polizei sei nun auf die Brandanschläge sensibilisiert: “Unsere Patrouillen halten die Augen offen, sind aufmerksam und werden die Antennen gegebenenfalls auch überprüfen”, so Gnägi. Ob es noch weitere Anschläge dieser Art geben wird, sei derzeit schwer einzuschätzen. “Bereits Ende 2018 gab es eine solche Welle, die sich aber nach kurzer Zeit wieder legte.”

Hunderte Einsprachen von Anwohnerinnen und Anwohnern

Die betroffene Antenne an der Seestrasse wurde nicht zum ersten Mal angezündet. Bereits im Oktober 2019 brannte der Sendemast – nachdem sich hunderte Personen gegen die neue Antenne gewehrt hatten: Gegen das Baugesuch für einen Antennentausch bei der bestehenden Mobilfunkanlage ging damals eine Einsprache ein, die von 353 Personen unterzeichnet wurde.

Keine Unterschrift erhielten die Gegnerinnen und Gegner von Anwohner Alfred Hunziker. Er wohnt an der Seestrasse - nur wenige Meter vom betroffenen Sendemast entfernt. “Natürlich gibt es Angenehmeres als eine solche Antenne, doch schlussendlich benutzen wir alle ein Handy und sind auf die neue Technik angewiesen”, so Hunziker. Die Bevölkerung und die Wirtschaft bräuchten ein System, welches eine möglichst hohe Menge an Daten übertragen kann. Er verstehe zwar die Skepsis gegenüber der neuen Technologie, sei selbst aber nicht besorgt über etwaige gesundheitliche Folgen: “Ich gehe nicht davon aus, dass eine Schädlichkeit vorliegt.”

Verein wehrt sich seit Jahren gegen 5G

Eine ganz andere Meinung vertritt der Verein Schutz vor Strahlung. Für Präsidentin Rebekka Meier ist klar, dass eine Gefährdung vorliegt. Die Vandalenakte unterstütze der Verein dennoch nicht: “Unser oberstes Ziel ist es, den Leuten legale und gewaltlose Möglichkeiten aufzuzeigen”, so Meier. Jedoch seien die Aktionen eine mögliche Konsequenz der aktuellen Situation: “In der Schweiz gibt es keinen legalen Weg und keine Rechtsgrundlage, wie sich Betroffene wehren können, wenn eine bereits errichtete Antenne Schaden anrichtet”, so Meier. Solange die Strahlung den Grenzwert nicht überschreite, seien die Geschädigten wehrlos. “Dadurch entsteht eine Ohnmacht und Wut.”

Verdächtigter Mann wieder auf freiem Fuss

Schon in der Nacht auf Sonntag brannte in Thun eine 5G-Antenne. Wie 20 Minuten berichtete, wurde in diesem Zusammenhang ein Mann vorläufig festgenommen. Der Mann hielt sich in der Ereignisnacht bei einer nahegelegenen Antenne auf und flüchtete auf einem E-Trottinett vor der Polizei. Mittlerweile befinde sich der Mann wieder auf freiem Fuss. Im Raum stünden derzeit Strassenverkehrsdelikte im Zusammenhang mit der Flucht. «Zur Frage, ob auch ein Zusammenhang mit dem Brand der 5G-Antenne besteht, laufen nach wie vor die Ermittlungen», sagt Christoph Gnägi.

Auch Ende Februar stand eine Swisscom-Antenne in Flammen. Damals wurde vor Ort ein Erpresserschreiben vorgefunden, welches weitere Brandanschläge ankündigte. Inwiefern die drei Anschläge der letzten Wochen zusammenhängen, ist derzeit jedoch noch unklar.

Debatte um 5G-Antennen

5G ist ein Mobilfunkstandard, der seit 2019 an Verbreitung gewinnt – auch in der Schweiz. Der Vorteil der 5G-Technologie ist das flexiblere und schnellere Netz. Mit der gleichen Anzahl an Rechnern können parallel mehrere Netze betrieben und mehr Daten übertragen werden. Andererseits ist die neue Technologie sehr komplex – und stösst in der Bevölkerung vielerorts auf Ängste und Widerstand. Die Gegnerinnen und Gegner der 5G-Antennen verlangen oftmals längerfristige Erkenntnisse über die gesundheitliche Auswirkungen der 5G-Strahlung auf Mensch und Tier. Laut einer Umfrage von 20 Minuten aus dem Jahr 2019 glauben 58 Prozent aller Befragten, dass die 5G-Strahlung ihrer Gesundheit schadet. 54 Prozent sprachen sich gegen den flächendeckenden Ausbau von 5G-Antennen aus.

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