Intersexualität: «Drittes Geschlecht im Pass wäre wie ein Outing»
Aktualisiert

Intersexualität«Drittes Geschlecht im Pass wäre wie ein Outing»

In Deutschland erhalten Intersexuelle neben den Begriffen «Mann» und «Frau» eine dritte Wahl. Schweizer Betroffene sehen darin jedoch Risiken.

von
pam

20 Minuten hat Parlamentarier unter anderem gefragt, was Intersexualität ist. (Video: 20M)

Mann oder Frau? Im Geburtsregister sind in Deutschland wie auch in der Schweiz nur diese beiden Auswahlmöglichkeiten zu finden. Das deutsche Verfassungsgericht fordert nun, dass ein drittes Geschlecht geschaffen wird für intersexuelle Menschen, die weder männlich noch weiblich sind (siehe Box). Deutschland erarbeitet nun eine Regelung, die es erlaubt, im Register etwa die Begriffe inter», «divers» oder eine andere «positive Bezeichnung des Geschlechts» aufzunehmen.

Die Debatte flammte jüngst auch in der Schweiz auf, nachdem Kanada bekannt gegeben hatte, Intersexuelle könnten in ihren Pässen beim Geschlecht ein «X» eintragen lassen.

«Neue Option würde vielen das Leben erleichtern»

Das Transgender Network Schweiz begrüsste damals die Forderung auch für die Schweiz: «Eine simple Erweiterung um eine einzige Option» würde einer grossen Zahl von Menschen das Leben erleichtern, so eine Sprecherin.

Das Bundesamt für Justiz erarbeitet derzeit eine entsprechende Vorlage, die noch diesen Monat in die Vernehmlassung geschickt wird. Doch hierzulande sehen die Betroffenen gar keinen Handlungsbedarf. Die Präsidentin der Organisation Zwischengeschlecht.org, Daniel Truffer, sieht gar Gefahren einer solchen Neuregelung.

Intersexuelle sehen auch Gefahren

«Für die Kinder kann ein solcher Eintrag als drittes Geschlecht Nachteile haben», sagte Truffer zur «Aargauer Zeitung» Dies, weil ein solcher Entscheid der Eltern einem unfreiwilligen Outing gleichkomme und die Betroffenen nicht darüber entscheiden könnten.

Truffer sagt, dass die meisten, die keine eindeutigen Geschlechtsmerkmale aufweisen, sich einem der beiden Geschlechter zugehörig fühlten. «Für sie ist die Einführung des dritten Geschlechts kein Thema.» Stattdessen plädiert Truffer für eine andere Lösung: Die bisherigen Geschlechter Mann und Frau blieben im Register bestehen, Intersexuelle sollen ihr Geschlecht später unbürokratisch anpassen können.

Diese sexuelle Orientierungen gibt es:

Heterosexuell: Männer, die Frauen lieben, und Frauen, die Männer lieben.

Homosexuell: Männer, die Männer lieben, und Frauen, die Frauen lieben.

Bisexuell: Menschen, die sowohl auf Frauen als auch auf Männer stehen.

Queer: Das Gegenteil von «straight», also alles, was von der Heterosexualität abweicht.

Questioning: Dass man dabei ist, seine Geschlechtsidentität zu finden.

Pansexuell: Personen, die sich in eine Person und nicht in das Geschlecht verlieben.

Asexuell: Personen, denen der Geschlechtsverkehr nichts oder wenig bedeutet. Sie können ebenfalls heterosexuell, homosexuell, bisexuell, queer oder pansexuell sein. (sil)

Diese Geschlechtsidentitäten gibt es:

Intersexuell: Personen, die mit Geschlechtsmerkmalen geboren wurden, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind.

Trans*: Menschen, die nicht das Geschlecht haben, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. Mit dem Sternchen sollen möglichst alle Personen und Geschlechter miteinbezogen werden.

Transmann: Personen, die sich als Mann identifizieren, aber bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeteilt wurden.

Transfrau: Personen, die sich als Frau identifizieren, aber bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugeteilt wurden.

Cis: Personen, die mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, einverstanden sind.

Genderqueer/Genderfluid: Personen, die sich weder als Frau noch als Mann identifizieren. Sie sehen sich zwischen den Geschlechtern. (sil)

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