Die Tormaschine: Drmic ist der beste Schweizer Ausland-Rookie
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Die TormaschineDrmic ist der beste Schweizer Ausland-Rookie

Seit 1990 haben 17 Schweizer Nationalstürmer in ausländischen Ligen gespielt. So erfolgreich wie Josip Drmic ist noch keiner in sein Ausland-Abenteuer gestartet.

von
Oliver Fischer

Als Kubilay Türkyilmaz im November 1990 zum FC Bologna in die italienische Serie A wechselte, waren Schweizer Fussballer im Ausland eine echte Rarität. Inzwischen spielt ein grosser Teil der Schweizer Nationalmannschaft im Ausland, darunter auch die meisten Stürmer. Für Schlagzeilen sorgen in erster Linie die beiden Bundesliga-Söldner Admir Mehmedi und Josip Drmic. Während Mehmedi beim SC Freiburg seine Karriere nach einem wenig erfolgreichen Abstecher zu Dinamo Kiew neu lanciert, ist es für Drmic seine Rookie-Saison im Ausland.

Richtiges Timing und gute Vereinswahl

Oft wird darüber diskutiert, wann für einen jungen Spieler der richtige Zeitpunkt für den Wechsel ins Ausland sei. Bei Mehmedi sahen sich die Kritiker zunächst bestätigt, als er in Kiew nie richtig zum Zug kam. Drmic dagegen beweist gerade allen Skeptikern, dass sein Timing perfekt war – genauso wie seine Vereinswahl. 26 Bundesligaspiele hat der 21-Jährige für den 1. FC Nürnberg bestritten und dabei überragende 15 Tore erzielt. Angesichts seines aktuellen Formstandes darf man in den noch ausstehenden sieben Partien durchaus mit weiteren Treffern rechnen.

Drmics Tore-Wert ist allein deshalb schon bemerkenswert, weil er jetzt schon öfter getroffen hat, als in seiner besten Saison beim FC Zürich – 13 Tore in der Saison 2012/13. Mit seinen 15 Toren befindet er sich nicht nur in der illustren Gesellschaft von Weltklasse-Stürmern wie Robert Lewandowski (BVB, 16) und Mario Mandzukic (Bayern, 17), er hat auch schon alle bisherigen Werte von Schweizer Stürmern in ihrer ersten Auslandsaison pulverisiert. Kubi schoss damals 1990 in 22 Serie-A-Spielen neun Tore für Bologna.

Frei startete erst in der zweiten und dritten Saison durch

Nati-Rekordtorschütze Alex Frei ist der einzige Schweizer, der in einer europäischen Top-Liga (Frankreichs Ligue 1, 2004/05) Torschützenkönig wurde, sein Start ins Auslandabenteuer war aber harzig. In seiner ersten Saison bei Stades Rennes (02/03) wurde er nur 13 mal eingesetzt und erzielte dabei ein Tor. Nur eine Rookie-Halbsaison legte 1991 Stéphane Chapuisat bei Bayer Uerdingen hin. Immerhin, die vier Tore in neun Spielen reichten aus, um ihm den Wechsel zu Borussia Dortmund einzubringen – wo er zum erfolgreichsten Schweizer Torschützen im Ausland überhaupt wurde. Der erste Schweizer Nationalstürmer, der einst ins Ausland wechselte, war übrigens Walter Dietrich, der ab 1925 für Eintracht Frankfurt spielte.

Den besten Start vor Drmic erwischte Eren Derdiyok in der Saison 2009/10 bei Bayer Leverkusen, als er in 33 Spielen zwölf Mal erfolgreich war. Der Basler ist aber auch gleich der beste Beweis dafür, dass eine gute erste Saison noch lange keine erfolgreiche Fortsetzung des Auslandengagements bedeutet: in der zweiten Saison traf er noch sechs Mal, in der dritten sieben Mal.

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