Adliswil Zh: Drögeler zeigte sich immer wieder aggressiv
Aktualisiert

Adliswil ZhDrögeler zeigte sich immer wieder aggressiv

Ein gewalttätiger Algerier aus Adliswil hat mehrere Personen spitalreif geprügelt und bei einem Bankomaten 3000 Franken eines vergesslichen Vordermannes gestohlen. Nun muss der drogenabhängige Täter in eine stationäre Entzugstherapie.

von
Attila Szenogrady

"Wenn es so weitergeht, werden Sie eines Tages noch einen Menschen umbringen", schärfte die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger dem heute 30-jährigen Angeklagten während der Urteilseröffnung ein. Tatsächlich liessen die Gewaltdelikte des drogenabhängigen Nordafrikaners aus Adliswil aufhorchen. So als er im Februar 2008 beim Zürcher Rosengarten zusammen mit zwei Komplizen einen Schwarzafrikaner verprügelte und diesem ein Mobiltelefon abnahm.

Fusstritte in den Kopf

Im Juli 2008 ging der Algerier im Zürcher Kreis 4 auf einen Landsmann los und versetzte dem bereits am Boden liegenden Geschädigten einen starken Fusstritt gegen den Kopf. Über ein halbes Jahr später war ein Schweizer Mechaniker im Zeughausareal an der Reihe. Auch er kassierte vom Angeklagten einen starken Tritt gegen den Kopf und landete im Spital.

In den eigenen vier Wänden schlug der Fürsorgeempfänger ebenfalls immer wieder zu. So liess er wiederholt seine Wut an seiner Schweizer Ehefrau aus und prügelte sie regelmässig zusammen. Zwischen Sommer 2008 und August 2009 versetzte er ihr jeden zweiten Tag Ohrfeigen oder riss sie an den Haaren.

Mit Kopfstoss Glasscheibe der Stadtverwaltung zerstört

Der Angeklagte machte auch nicht vor fremden Gegenständen halt. So als er eines Tages aufgebracht vor der Stadtverwaltung Adliswil auftauchte und seinen Kopf absichtlich gegen die Eingangstüre schlug. Mit der Folge, dass die Glasscheibe brach und ein Schaden von rund 1 300 Franken entstand.

Im Juli 2008 betätigte sich der Angeklagte auch als dreister Dieb. So stand er an einem Nachmittag vor dem Adliswiler UBS-Bankomaten an der Albisstrasse. Als er bemerkte, dass ein offenbar gestresster Vordermann vergessen hatte, seine 3 000 Franken entgegenzunehmen, schlug er sogleich zu und steckte die Noten für sich ein.

Therapie statt Knast

Am Montag stand der bisher gescheiterte Vater einer Tochter vor dem Bezirksgericht Zürich und gab einen Grossteil der Vorfälle zu. Er hatte bereits im Vorfeld der Verhandlung Glück, da ihm seine Frau inzwischen verziehen und ihr Desinteresse an einer Bestrafung erklärt hat. Weshalb das Gericht diese Vorwürfe nicht beurteilte, sondern bis zu einer endgültigen Einstellung für ein halbes Jahr sistierte. Der geschädigte Landsmann des Angeklagten zog seinen Strafantrag ebenfalls zurück. Trotzdem blieben immer noch genug Schuldpunkte übrig. So ein Raubversuch, mehrfacher Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie diverse weitere Delikte. Das Gericht setzte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten fest. Der Staatsanwalt Marcel Scholl hatte drei Jahre, die Verteidigung 18 Monate gefordert.

Allerdings hatte diese Strafanträge mehr rechtliche als praktische Bedeutung. So waren sich alle Parteien darüber einig, dass für den Täter eine stationäre Entzugstherapie im Rahmen einer Suchtbehandlung anzuordnen sei. Auch das Gericht, das von einer letzten Chance sprach. Immerhin konnte ein zuständiger Vertreter der Massnahme im Gerichtssaal bestätigen, dass sich der Angeklagte bisher vorbildlich verhält.

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