Aktualisiert 31.10.2019 16:17

Basel

«Menschliche Verelendung hier ist kaum auszuhalten»

Die Basler Dreirosenanlage ist ein sozialer Brennpunkt und die Situation wird immer prekärer. Jetzt richtet die Jugendarbeit einen öffentlichen Appell an die Behörden.

von
lha
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Am 21. September wurden nach einer Messerstecherei auf der Dreirosenanlage acht Beteiligte verhaftet.

Am 21. September wurden nach einer Messerstecherei auf der Dreirosenanlage acht Beteiligte verhaftet.

Leser-Reporter
Hintergrund der Tat sollen Drogengeschäfte gewesen sein. Solche Szenen gehören auf der Basler Parkanlage zum Alltag.

Hintergrund der Tat sollen Drogengeschäfte gewesen sein. Solche Szenen gehören auf der Basler Parkanlage zum Alltag.

Leser-Reporter
Der Ort ist schon seit Jahren als Brennpunkt bekannt.

Der Ort ist schon seit Jahren als Brennpunkt bekannt.

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Mitte September sorgte eine Messerstecherei mit mehreren Beteiligten, bei der acht Personen festgenommen wurden, für Schlagzeilen. Hintergrund sollen Drogengeschäfte gewesen sein. «Die Situation hier ist schon länger kritisch», sagte damals Jugendarbeiter Marc Moresi, Leiter der Freizeithalle Dreirosen. Das Angebot der Jugendarbeit Basel dort ist geschätzt und Moresi für Anwohner und Kinder im Quartier eine Vertrauensperson.

Doch viele Kinder und Jugendlich trauen sich gar nicht mehr durch die Anlage. «Für unsere Angebote werden die Probleme zu einer existenziellen Frage», heisst es in einem offenen Brief der Jugendarbeit Basel an die Regierung. Der Appell an die Behörden berichtet von krassen Zuständen auf der Anlage: «Erschreckende Gewalttaten, bewaffnete Konflikte und massive Drogenprobleme» spielten sich tagtäglich dort ab. Die menschliche Verelendung, die hier sichtbar werde, sei kaum auszuhalten.

Die Jugendarbeit sei direkt betroffen. «Mitarbeitende wurden angegriffen und bedroht, Mädchen und junge Frauen werden belästigt.» Die Täter seien verwahrloste Männer. Sie sind «zugedröhnt oder alkoholisiert, aggressiv und gestresst».

Behörden schauen tatenlos zu

Die Probleme sind nicht neu: Die Dreirosenlanlage ist seit Jahren als Brennpunkt bekannt. An den Problemen tragen auch die Behörden eine Mitschuld. Die Verantwortung werde aber hin und her geschoben, sagen die Verantwortlichen der Jugendarbeit Basel. Seit über fünf Jahren mache man die Politik und die Öffentlichkeit auf diese Probleme aufmerksam. «Wer übernimmt die Verantwortung bei der nächsten Messerstecherei?» Bisher seien keine Massnahmen getroffen worden.

Solche seien aber dringend nötig. Polizei und Sicherheitsdienste sollen nun dafür sorgen, dass ein Teil der Anlage zu einer «legitimierten Respektzone» für Kinder und Jugendliche, Eltern und Mitarbeiter werde, die auch durch die Behörden verteidigt werde. Weder Drogen noch Dealer noch Berauschte dürften dort toleriert werden:« Ein rechtsfreier Raum darf hier nicht mehr geduldet werden», heisst es.

Die Jugendarbeit Basel wird am Freitag 22. November mit einer öffentlichen Aktion auf ihre Forderungen aufmerksam machen, wie sie im Schreiben ankündigt. Die Basler Regierung werde sich zum Brief äussern, hiess es auf Anfrage.

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