St. Gallen: Drogen-Nachhilfe für Russen
Aktualisiert

St. GallenDrogen-Nachhilfe für Russen

Fünf Drogen-Beauftragte aus Russland besuchen zurzeit die St.Galler Suchtfachstelle.

von
Julia Fischer
Jürg Niggli (Suchthilfe St. Gallen) zeigt russischen Delegierten einen Spritzen-Automat. (Bild: juf)

Jürg Niggli (Suchthilfe St. Gallen) zeigt russischen Delegierten einen Spritzen-Automat. (Bild: juf)

Die Delegierten finden die Drogenabgabe spannend – Russland sei dafür aber noch nicht bereit.

«Russland hat ein massives Drogen- und Aidsproblem. Doch die Regierung unternimmt nichts zur Schadensminderung», sagt Pietro Vernazza, Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen. Wegen verseuchter Spritzen würden sich ­täglich hunderte Russen mit dem HI-Virus anstecken. Die Stiftung Infekt

Team Schweiz Russland (ITSR) hat deshalb fünf russische Drogen-Beauftragte in die Schweiz eingeladen, um ihnen den St. Galler Weg der Drogenpolitik aufzu­zeigen.

Spritzenautomaten und die kontrollierte Heroinabgabe sind für die Delegierten absolutes Neuland. «Das ist interessant, aber die Russen sind noch nicht zu solch extrem liberalen Vorgehensweisen bereit», so Valerij Kokin, Chef der Drogenkontrollbehörde der russischen Republik Baschkortostan. «Die russische Gesellschaft ist nicht sehr tolerant gegenüber Drogenabhängigen.» Ein grosses Hindernis für ein Präventionsprogramm à la St. Gallen ist auch das Geld. «Wir versuchen aber, den Russen klarzumachen, dass die Behandlung von HIV-Erkrankten viel teurer ist als die Prävention», so ­Bettina Maeschli von ITSR.

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