Aktualisiert 13.01.2014 13:17

Szene in ZürichDrogen sind für Dirnen lukrativer als Sex

Viele Prostituierte handeln im Zürcher Langstrassenquartier mit Crack. Konsumenten kommen in einen Teufelskreis. Laut Insider lassen Männer sogar ihr Auto als Zahlung zurück.

von
woz

Jede zweite Prostituierte im berüchtigten Bermudadreieck in Zürich bietet Drogen an, so zumindest die Einschätzung eines Mannes, der seit mehreren Jahren in der Szene verkehrt. Meist handelt es sich um Freebase oder Crack – also Stoffe, die extrem schnell süchtig machen.

«Es geht nicht um Sex», sagt der Insider. Die Prostituierten wollen nur die Drogen verkaufen. Laut dem «Tages-Anzeiger» verdienen die Frauen mehr Geld mit dem Drogenhandel als mit Sex.

Bargeld, Uhren, Ehering

«Dieses Phänomen ist uns bekannt. Wie gross der Anteil der mit Freebase oder Crack handelnden Prostituierten im Sexmilieu ist, lässt sich nur schwer abschätzen», sagt Fahndungschef Beat Rhyner. Die ersten Fälle seien im Jahr 2000 aufgetaucht. Rhyner dementiert jedoch, dass der Anteil der dealenden Prostituierten rund 50 Prozent betrage.

Die Konsumenten befinden sich in einem Teufelskreis. «Zuerst geben sie Bargeld, leeren die Konten, geben die Kreditkarte und am Ende Uhren und Ehering», sagt Rhyner. Oft handle es sich um gut situierte Bürger. Der Insider bestätigt gegenüber der Zeitung: «Ich kenne Männer, die haben in einer Nacht 40'000 Franken durchgelassen. Andere liessen ihr Auto als Zahlung zurück, weil sie komplett abgebrannt waren.»

«Party» ist ein Hinweis für Drogen

Die Drogenhändlerinnen spannen oft ihre Kunden ein. Diese mieten für die Prostituierten zum Beispiel ein Zimmer und erhalten als Gegenleistung Drogen. «Ich musste ein paar Handys auf meinen Namen registrieren lassen und den Händlerinnen übergeben», sagt der Betroffene.

Die Prostituierten werben für ihre Dienste auch im Internet. Der Code «Party» sei oft ein Hinweis auf Drogen, sagt der Kenner.

Zahlen unbekannt

Genaue Zahlen über die Crack-Szene existieren nicht. Laut Stadtpolizei verharrt der Konsum auf einem hohen Niveau. Immer wieder kommt es auch zu Strafverfahren.

Eine Pfeife mit einer Konsumeinheit von rund 0,2 Gramm kostet mindestens 300 Franken. Nach wenigen Zügen ist der Inhalt weg. Nur kurze Zeit später kommt das Verlangen nach einer neuen Ladung.

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