Zürich: Drogenabhängige Räuberin muss ins Gefängnis
Aktualisiert

ZürichDrogenabhängige Räuberin muss ins Gefängnis

Um schnell an Geld zu kommen, hat eine drogenabhängige Zürcherin mehrere Frauen auf offener Strasse überfallen. Darunter auch Mütter in Begleitung ihrer Babys.

von
Attila Szenogrady

Es war kurz vor Mittag, als eine 38-jährige Mutter mit ihrem Kinderwagen durch die Hanfrose beim Döltschiweg spazierte. Plötzlich hielt vor ihr eine Velofahrerin an. Die vermeintliche Sportlerin nahm einen Pfefferspray hervor, richtete die Waffe gegen das Gesicht der Mutter und verlangte Geld. Aus Angst um ihr Baby gab die Geschädigte sogleich auf und übergab der Räuberin eine Geldnote für 100 Franken.

Nur drei Stunden später schlug die heute 33-jährige Drogenkonsumentin aus Zürich-Oerlikon an der Schaufelbergstrasse erneut zu. Wieder suchte sich die Täterin gezielt eine Mutter mit einem Säugling in einem Kinderwagen als Opfer aus. Sie drohte mit Pfefferspray. Mit Erfolg. Die völlig geschockte Geschädigte rückte sogleich 100 Franken heraus.

Auch mit Spritze gedroht

Bei einem dritten Überfall setzte die IV-Rentnerin eine blutverschmierte Fixer-Spritze als Tatwaffe ein und bedrohte damit am Döltschiweg eine 34-jährige Krankenschwester. Aus Angst vor einer Ansteckung mit Aids überreichte die Pflegefachfrau der Räuberin 180 Franken.

Fest steht, dass die drogenabhängige Züricherin an jenem 21. Oktober 2008 gleich vier Raubüberfälle verübte und danach mehrere Tage in Untersuchungshaft verbrachte. Allerdings ohne grosse Wirkung. So startete die Schweizerin bereits im Januar 2009 die nächste Raubserie, wobei sie diesmal ein Taschenmesser als Tatwaffe benutzte und erneut ausschliesslich Frauen überfiel. Wiederum lag das Tatmotiv in der Beschaffung von Drogen.

Unentschuldigt nicht erschienen

Am Montag sollte sich die grundsätzlich geständige Täterin wegen mehrfachen Raubes vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Allerdings glänzte die Frau durch unentschuldigte Abwesenheit. Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich einzig beim Strafmass nicht einig. Während der Ankläger eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten verlangte, setzte sich die Verteidigung für 18 Monate ein. Beide Seiten gingen von einem erheblichen Verschulden aus, da die Angeklagte auch Frauen mit Babys angegriffen habe. Allerdings stimmten beide Parteien dem Aufschub des Strafvollzugs zugunsten einer ambulanten Drogenentzugstherapie zu. Sie stützten sich dabei auf die Ergebnisse eines psychiatrischen Gutachtens ab.

Therapie hinter Gittern

Zum Schluss sorgte das Gericht für eine Überraschung und sprach ein hartes Urteil aus. Es setzte für die vorbestrafte Räuberin eine unbedingte Freiheitsstrafe von 19 Monaten fest. Ebenso eine ambulante Behandlung im Hinblick auf ihre Drogensucht und eine psychische Störung. Allerdings soll die Therapie entgegen den Parteianträgen hinter Gittern erfolgen. So war dem Dispositiv zu entnehmen, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe wegen der Massnahme nicht aufgeschoben werden soll. Da die Parteien auf eine öffentliche Urteilsverkündigung verzichtet hatten, waren die genauen Gründe für den unerwarteten Entscheid am Montag noch unbekannt. Die bald zu erwartende schriftliche Begründung wird für Klarheit sorgen. Die Verteidigung wird wohl Berufung einlegen.

Deine Meinung