Winterthur ZH: «Drogenbaron» fehlte auch am Obergericht
Aktualisiert

Winterthur ZH«Drogenbaron» fehlte auch am Obergericht

Das Bezirksgericht Winterthur hat einen mutmasslich hochkarätigen Kokainhändler aus Nigeria in Abwesenheit zu einer hohen Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Am Berufungsprozess vom Montag fehlte der angebliche Politiker erneut.

Die Anklagebehörden nannten ihn den «Drogenbaron» von Winterthur. Der heute 44-jährige Nigerianer soll in den letzten Jahren immer wieder grosse Kokainlieferungen nach Winterthur organisiert haben. Bis zum 26. Juli 2006, als ihn die Drogenfahnder festnahmen und in einem in einer Tiefgarage parkierten Auto rund 6,4 Kilogramm Kokain sicherstellten.

Vielleicht einmal ein grosser Fisch

Die nachfolgenden Ermittlungen ergaben, dass es sich beim Angeklagten für einmal womöglich um einen grossen Fisch handelte. So soll er in seiner Heimat mit dem Drogengewinn nicht nur eine grandiose Villa erworben haben, sondern auch in die hohe Politik eingestiegen sein.

Glück hatte er auch in der Schweiz So wurde er bereits im November 2007 aus der Haft entlassen. Worauf er offenbar unbehelligt in seine Heimat zurückkehren konnte.

Zuerst 14 Jahre gefordert

Als im Mai 2008 die Anklage endlich stand, lautete der hohe Strafantrag des Staatsanwaltes auf 14 Jahre Freiheitsstrafe. Mit dem entscheidenden Schönheitsfehler, dass der Angeklagte nicht im Entferntesten daran dachte, sich freiwillig vor dem Bezirksgericht Winterthur einzufinden. Dieses verurteilte den Angeschuldigten im letzten November in unentschuldigter Abwesenheit zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren sowie zu einer Busse von 5000 Franken. Zudem sollte der Familienvater 30 000 Franken dem Kanton Zürich abliefern. Zwar kam das Winterthurer Gericht auch zu Freisprüchen. Allerdings sah es die Einfuhr von rund 14 Kilogramm Koks immer noch als erwiesen an.

Erneut abwesend

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte im Wesentlichen Freisprüche für seinen nicht geständigen Mandanten. Der es allerdings immer noch nicht für nötig befunden hatte, seine angebliche Unschuld mit seiner persönlichen Anwesenheit zu unterstreichen. Wohl nicht zu Unrecht. So machte der zuständige Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger unmissverständlich klar, dass der Angeklagte angesichts dieser hohen Strafandrohung wohl verhaftet worden wäre.

So kommt es erneut zu einem Abwesenheitsverfahren. Das Obergericht wird die Parteien über den Ausgang schriftlich unterrichten.

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