603 kg Kokain in Basel: Drogenbaron wehrt sich gegen Auslieferung
Aktualisiert

603 kg Kokain in BaselDrogenbaron wehrt sich gegen Auslieferung

Zwölf Pässe, Privatjets voller Kokain, Raubüberfälle und Betrug: Michel Dokovic (59) hat viele Gründe, wieso er sich gegen die Auslieferung nach Kroatien wehrt.

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kom
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Michael Dokovic (59) ist der Kopf hinter einem international agierenden Drogenkartell.

Michael Dokovic (59) ist der Kopf hinter einem international agierenden Drogenkartell.

Kroatien hat beantragt, dass er ausgeliefert wird. Dagegen wehrt er sich juristisch.

Kroatien hat beantragt, dass er ausgeliefert wird. Dagegen wehrt er sich juristisch.

Im Frühling wurden in Basel 603 Kilogramm Kokain sichergestellt und drei Personen, darunter der 59-Jährige, verhaftet.

Im Frühling wurden in Basel 603 Kilogramm Kokain sichergestellt und drei Personen, darunter der 59-Jährige, verhaftet.

Europol

Seit Mai sitzt Michel Dokovic in Basel in Untersuchungshaft. Er wurde im Mai bei der Übergabe von 603 Kilogramm Kokain verhaftet, das er mit einem Privatjet nach Basel eingeflogen hatte. Eigentlich soll er nach Kroatien ausgeliefert werden. Doch der Drogenbaron wehrt sich dagegen, wie die «bz Basel» berichtet.

Dokovic ist ein kriminelles Schwergewicht, das mit einem Dutzend Namen in den Datenbanken der Strafverfolgungsbehörden vermerkt ist. Geboren als Iljmija Frljuki hinterliess er seine Spuren in den USA, in Costa Rica, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Tschechien. Den Drogenhandel organisierte er zuletzt aus einer Villa in einem Vorort von Zagreb, berichtet die kroatische Zeitung «Jutarni List», die Einsicht in die Polizeiakten hatte.

Dokovics Sündenregister ist entsprechend lang: Brandstiftung, Betrug, Raub und Drogenhandel wird mit ihm in Verbindung gebracht. Um an Geld zu kommen, bewies er noch nie Skrupel. Er soll einer der ersten Menschen in den USA gewesen sein, der mit Hilfe von Bankautomaten Leute betrog.

Passagiere angeheuert, die im Drogenjet mitflogen

Der 59-Jährige Montenegriner war im Mai verhaftet worden, als er in einer Garage 21 Koffer verlud, die mit insgesamt 603 Kilogramm Kokain gefüllt waren. Bei dieser Verhaftung schnappte eine Falle zu, in deren Aufbau Strafverfolgungsbehörden aus drei Kontinenten involviert waren.

Ins Visier der Behörden geriet Dokovic, als im vergangenen Oktober an einem Grenzübergang zwischen Slowenien und Kroatien in seinem Auto eine Million Euro in bar gefunden wurde. Dafür musste er eine Geldstrafe zahlen und hakte die Angelegenheit damit offensichtlich als erledigt ab.

Am Telefon sprach Dokovic offen über sein Drogengeschäft. Die Behörden hörten ihm dabei zu. Er beschrieb, wie er Stewardessen und Passagiere anheuerte, um die mit Drogen beladenen Jets glaubwürdig als Business-Charter zu tarnen.

Ein bisschen Gras für die Nerven

Gemäss «Jutarnji List» hatte sich Dokovic für südamerikanische Kartelle zu einem bevorzugten Partner hochgearbeitet. So konnte er hochwertiges kolumbianisches Kokain zu besonderen Konditionen besorgen.

Es kam Bewegung in die Ermittlungen gegen den Drogenring, als die Hongkonger Polizei im April insgesamt 420 Kilogramm Kokain sicherstellte. Einen direkten Zusammenhang zu Dokovic ergibt sich aus den vorliegenden Informationen zwar nicht, doch die internationalen Ermittler fokussierten nun auf seinen nächsten Transport.

600 Kilogramm Kokain sollten von Uruguay via Nizza und Basel auf den Markt gebracht werden. Was «Jutarnji List» auch weiss: Neben den Drogen seien in Basel auch grosse Mengen an Banknoten verschiedener Währungen, zehn Luxusarmbanduhren, gefälschte Dokumente, neun Handys, vier Waffen und ein Schalldämpfer sowie eine kleine Menge Marihuana sichergestellt worden.

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