Abrechnung: Drogenboss in Madrider Spital gelyncht
Aktualisiert

AbrechnungDrogenboss in Madrider Spital gelyncht

Der mehrfach verurteilte kolumbianische Drogenboss Leónidas Vargas ist in seinem Krankenbett in einem Madrider Universitätsklinikum erschossen worden.

Vor den Augen eines Zimmernachbarn feuerte der Täter am Donnerstagabend aus einer Pistole mit Schalldämpfer mindestens vier Kugeln auf den schlafenden 59-Jährigen ab. Der Mörder und ein vor der Tür Wache schiebender Komplize flüchteten anschliessend unerkannt, vermutlich mit der U-Bahn. Die Ermittler gehen von einem Auftragsmord aus. Eine heisse Spur gibt es noch nicht.

Als Chef des Caquetá-Kartells zählte Vargas alias «der Alte» (El Viejo) einst zu den 20 meistgesuchten Drogenbossen Kolumbiens. Mitte der 1990er Jahre war er gefasst worden. Fünf Millionen Dollar Belohnung gab es damals für seine Festnahme. Wegen Kokainhandels und mehrfachen Mordes wurde er zu fast 50 Jahren Haft verurteilt. Er sass aber nur einen Teil der Strafe ab.

Wegen Krankheit auf freiem Fuss

Im Juli 2006 war er im Zusammenhang mit der Lieferung einer halben Tonne Kokain in Madrid gefasst worden. Damals soll er mit einem gefälschten Pass versucht haben, zur Fussball-Weltmeisterschaft nach Deutschland zu reisen.

Wegen schwerer Lungen- und Herzbeschwerden war Vargas seit Juli 2008 unter Auflagen auf freiem Fuss. Nach Presseberichten befand er sich im Endstadium seiner Krankheit. Ein Prozesstermin war noch nicht angesetzt. Polizeischutz hatte er nicht.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte der Killer zunächst den Zimmernachbarn des 59-Jährigen gefragt, ob er Vargas sei. Als der Mann verneinte und auf das Bett nebenan deutete, fielen die tödlichen Schüsse.

(sda)

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