Koks und Speed gegen Sex: Drogenhöhle mit Babystrich in Basel?
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Koks und Speed gegen SexDrogenhöhle mit Babystrich in Basel?

Nach dem Gesichtsschuss in einem Basler Tattoo-Studio kommen Details über eine bislang völlig unbekannte Szene zum Vorschein. Es geht um Minderjährige, Drogen und Prostitution. Insider packen aus.

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feb/dd/lua

Sie wollten nur ein bisschen «chillen», verabredeten sich im Tattoo- und Piercing-Studio Cadaphy. Doch dann griff der 23-jährige Pablo* zur Waffe und schoss Lea* brutal ins Gesicht. Seither liegt die 16-Jährige im Koma. Was Pablo zu dieser Wahnsinnstat trieb, ist weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft konnte sie noch nicht befragen. Jetzt packen jugendliche Szene-Kenner aus.

Marco (Name der Redaktion bekannt) ist 19 und kennt das Opfer Lea sowie mehrere Leute, die in den Tattoo-Fall involviert sind. Und Marco weiss: Im Tattoo-Studio wurde nicht nur gechillt. Im Hinterzimmer des Studios wurden Drogen vertickt. Und das nicht nur an der Feldbergstrasse. In ganz Basel gebe es mehrere solche für Drogendeals «getarnte» Orte.

«Die Mädchen prostituieren sich für Drogen»

Der Teenager weiss von Dutzenden von Basler Jugendlichen, die sich in der Drogen-Szene bewegen. «Viele gehen nicht zur Schule oder sind arbeitslos», sagt Marco. Am Tag hängen sie auf Hauspartys rum. Am Abend, hauptsächlich ab Donnerstag, seien sie in bestimmten Klubs unterwegs. «Dort gibt es schon für Kids ab 15 Drogen und Sex auf den Toiletten.» Die Minderjährigen kommen ohne Ausweis in die Klubs. Dort wird mit Hasch, Koks, Speed und weiteren Drogen gedealt.

«Die Mädchen prostituieren sich für Koks, viele Jungs sind Dealer, um sich ihre eigenen Drogen finanzieren zu können», sagt Marco. Und er ist nicht der Einzige, der von dem Treiben weiss. 20 Minuten Online hat mit einer weiteren Jugendlichen gesprochen, die unabhängig von Marcos Schilderungen die Vorgänge bestätigt. Die 18-Jährige, die sich in diesem Milieu bewegt, sagt: «Die Szene trifft sich in mindestens drei Basler Klubs.» Ausweise kontrolliere dort niemand und unter den Mädchen, die sich für Drogen verkauften, seien nicht wenige Minderjährige.

Niemand realisiere, wie viele Jugendliche in Basel involviert seien, sagen die Kenner der Szene. Die Polizei habe keine Ahnung, sagt Marco. Der Basler Jugendanwalt Beat Burkhardt sagt: «Das ist mir neu, davon ist mir nichts bekannt.» Doch auf die leichte Schulter will man die Sache nicht nehmen. Man gehe den Hinweisen nach, sei sehr interessiert, eine solche Szene - falls sie denn existiere - «trockenzulegen», so Burkhardt weiter. «So etwas akzeptieren wir in Basel nicht.»

Auch Marco möchte dem Ganzen nicht mehr länger zusehen. «Es muss gestoppt werden, sonst gibt es weitere schlimme Fälle wie den Schuss ins Gesicht im Tattoo-Studio.»

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