Aktualisiert 30.03.2014 16:29

Legalize it?Drogenkongress in Basel – mit Besuch im Fixerstübli

Wegen seiner fortschrittlichen Drogenpolitik findet in Basel ein internationaler Suchtmittelkongress statt. Dabei geht es auch um die Legalisierung von Cannabis.

von
Mirjam Rodehacke

Die Basler Suchtpolitik bekommt diesen Frühling eine internationale Bühne: Die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle für Sucht des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) veranstaltet hier Anfang Mai die internationale Harm Reduction Konferenz, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Dabei wird man sich auch mit der Entkriminalisierung von Drogen im Allgemeinen und der Freigabe von Cannabis im Speziellen befassen.

Für Basel als Austragungsort habe sich das BAG entschieden, weil die Stadt seit Jahren eine fortschrittliche Drogenpolitik verfolge. Während der Konferenz werden für die rund 450 Teilnehmer Touren angeboten, auf denen sie unter anderem eine Kontakt- und Anlaufstelle für Drogensüchtige besichtigen können.

Basler Anstoss der Cannabis-Debatte

Eveline Bohnenblust, Leiterin der Abteilung Sucht in Basel-Stadt, sagt: «Auf diese Weise bietet sich die einmalige Gelegenheit, die Suchtpolitik der Stadt einem internationalen Publikum vorzustellen.» Darüber hinaus begrüsse sie auch die aktuellen Bemühungen der Schweizer Städte in Sachen Cannabis-Legalisierung.

Auslöser dafür war unter anderem ein Konzept des Drogenexperten und Basler Stadtentwicklers Thomas Kessler. Dieses lehnt sich auch an einer Lösung im US-Staat Colorado an, wo der Cannabis-Verkauf und Konsum seit Anfang Jahr legal ist.

Eine Delegation aus Colorado wird auch an der Konferenz in Basel zu Gast sein und über die Erfahrungen mit der Freigabe im amerikanischen Kiffer-Eldorado berichten.

Strenge Kontrollpflicht

Der Grundgedanke in Kesslers Regulationsmodell ist eine Art Weiterführung der derzeitigen Handhabung mit Spirituosen und Tabak. «Mein Modell sieht die Einführung eines Hanfgesetzes vor, bei dem der Staat das Monopol besitzt und den Verkauf und Anbau kontrolliert», erklärt Kessler. So soll auch der Schwarzmarkt aufgelöst werden. Im Modell ist zudem vorgesehen, dass nur noch Bergbauern mit Bioanbau Hanf züchten.

Auch eine strenge Alterskontrolle wäre Pflicht: Konsumenten müssten 18 Jahre alt sein und seitens der Verkäufer würde eine Aufklärungspflicht herrschen, so dass man den Konsum kontrollieren kann. «Beim Verkauf würden die Produkte auch in Stärken aufgeschlüsselt, so wie es jetzt beim Alkohol der Fall ist.»

Fortschrittliche Drogenpolitik in Basel

An der Konferenz wird auch über die grundsätzliche Entkriminalisierung von Drogen geredet werden. Von der Regulation des Marktes hält Kessler viel und bedauert, dass die Schweiz 1975 als letztes Land in Europa die Kriminalisierung von Hanf eingeführt hat: «Die Prohibition ist für die Schweiz eigentlich fremd, da sie Erfahrung und Erfolg mit pragmatischen Ansätzen für komplexe Probleme hat und normalerweise intelligente Lösungen sucht.» Denn ein totales Verbot würde nur den Schwarzmarkt fördern, den Konsum aber nicht senken. «Der durchschnittliche Konsum von Alkohol und Tabak sinkt seit Jahren, weil man das Angebot regelt und in die Prävention investiert», ist Kessler überzeugt.

Internationales Interesse an Basler Modell

Kessler kündigte an, sein Modell, das er diese Woche in der EKFD vorstellte, auch an den Fachkongressen in Solothurn, Zürich und Berlin zu erläutern – eventuell zusammen mit alt Bundesrätin Ruth Dreifuss (SP).

«Die Tagung ist von internationalem Interesse, da viele Länder wie etwa Spanien, Portugal und Uruguay über eine neue Regelung diskutieren», erklärt Kessler. Es sei wichtig dabei, die Schweiz zu vertreten, da sie ja bis in den 90ern eines der innovativsten Länder in der Drogenpolitik war. Dort möchte er nun anknüpfen. «Die Prohibition sorgt weltweit über den riesigen Schwarzmarkt für Kriminalität und finanziert Kriege.» Auch würde es beim Totalverbot schwierig, die Substanzen der Drogen zu kontrollieren. Vermehrt würden diese nämlich mit chemischen Inhaltsstoffen gestreckt. «Das ist sehr gefährlich und nicht zu unterschätzen», so Kessler.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.