Drogenszene: Drogenkonsum statt Sex auf dem Zürcher Strichplatz
Aktualisiert

DrogenszeneDrogenkonsum statt Sex auf dem Zürcher Strichplatz

Die Corona-Pandemie trifft auch die Zürcher Drogenszene. Die gewohnten Kontakt- und Anlaufstellen mussten geschlossen werden. Die Stadt hat jedoch für eine Notlösung gesorgt – auf dem Strichplatz.

Das Video zeigt die neue Situation auf dem umfunktionierten Zürcher Strichplatz.

Keystone-SDA

Darum gehts

  • Wegen der Corona-Pandemie mussten die K&A für Drogensüchtige geschlossen werden.
  • Genügend Platz für den Aufenthalt gibt es seit dem 19. März auf dem Strichplatz, der ohnehin geschlossen ist.
  • Die Klienten sind froh, dass die K&A nicht einfach geschlossen wurden, da die Plätze auch für den sozialen Austausch da waren.
  • Der Strichplatz ist jedoch nur eine Notlösung. Es wird ein wetterunabhängiger Platz benötigt, damit sichergestellt werden kann, dass sich nicht wieder offene Drogenszenen bilden.

In den bestehenden Kontakt- und Anlaufstellen für Drogensüchtige (K&A) in der Innenstadt und in Oerlikon konnte der Schutz der Mitarbeitenden und der Klienten nicht gewährleistet werden. Genügend Platz für den Aufenthalt und den überwachten Konsum bietet daher seit dem 19. März eine temporäre Drogenanlaufstelle auf dem Zürcher Strichplatz, der wegen der Corona-Krise ohnehin geschlossen ist. Diese Lösung soll auch verhindern, dass sich in der Stadt eine offene Szene bildet.

Hier, in den sonstigen Sexboxen, können drogenkonsumierende Menschen in Injektions- und Inhalationsräumen ihre mitgebrachten Drogen konsumieren. Wegen des Coronavirus gelten zurzeit besondere Regeln. Nicht nur beim nötigen Abstand. So müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden, und bei allen Süchtigen wird Fieber gemessen.

Was ist eine K&A?

K&A steht für Kontakt- und Anlaufstellen. Diese bieten drogenkonsumierenden Leuten einen Zugang zu Überlebenshilfe und Beratung. In beaufsichtigten Injektions- und Inhalationsräumen können selber mitgebrachte Drogen unter hygienischen Bedingungen konsumiert werden, schreibt die Stadt Zürich auf ihrer Homepage. Ausserdem ist es für die Klienten möglich, in den Anlaufstellen zu duschen sowie günstig an Essen und Trinken zu kommen. Die Ziele der Kontakt- und Anlaufstellen sind, die Gesundheitszustände der Abhängigen zu verbessern, ihnen eine Stabilisierung der persönlichen Situation zu ermöglichen sowie eine Verringerung der Todesfälle durch Überdosierungen. Um Störungen in der Umgebung der Kontakt- und Anlaufstellen zu verhindern, sind an allen Standorten Mitarbeiter präsent. Sie empfangen die Klienten und prüfen die Zugangsberechtigung zur Einrichtung. Bei Bedarf vermitteln sie an weitere Institutionen.

Wichtiger sozialer Treffpunkt

Auch wenn sie sich erst an den weiteren Weg raus nach Altstetten gewöhnen mussten, die Klienten waren froh, dass die K&A nicht einfach zugemacht wurden, wie K&A-Leiter Florian Meyer gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Denn die Anlaufstellen sind nicht nur ein Platz für den Konsum, sondern vor allem auch für den sozialen Austausch. Hier fühlen sich die Betroffenen wohl – treffen Freunde und Bekannte, sagt Brigitte, eine langjährige Drogenkonsumentin, die zwei- bis dreimal pro Woche kommt. Sie bleibe oft fünf bis sechs Stunden da. «Vor allem bei schönem Wetter.»

Angst vor offener Drogenszene

Und genau dies macht dem Leiter der Einrichtung Sorgen. Als Notlösung sei die K&A auf dem Strichplatz eine gute Sache, aber sie sei nicht für längere Zeit geeignet und auch nicht winterfest. Es brauche daher eine wetterunabhängige Lösung, sagte Meyer. Sonst kann nicht nachhaltig sichergestellt werden, dass sich nicht wieder eine offene Drogenszene bildet.

Ausserdem ist auch das Angebot in Altstetten stark eingeschränkt. So sind die Öffnungszeiten reduziert, und es finden weniger Beratungen statt. Jetzt müsse man schauen, dass die regulären K&A ihren Betrieb unter Auflagen wieder aufnehmen könnten, sagte Meyer weiter.

(SDA/jil)

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