Mysteriöser Tod im Knast: Drogenkurier vergiftet sich mit eigenem Kokain
Aktualisiert

Mysteriöser Tod im KnastDrogenkurier vergiftet sich mit eigenem Kokain

Der Tod eines Nigerianers in Schaffhausen ist geklärt: Er hatte Drogen im Körper versteckt, sie ausgeschieden, dann geöffnet und erneut geschluckt. Wieso er sich selbst vergiftete, bleibt unklar.

von
amc

Die Schaffhauser Polizei hat am 29. April 2010 einen Nigerianer bewusstlos in seiner Zelle gefunden. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmassnahmen der Sanitäter verstarb der Drogenkurier nach einer halben Stunde. Der Mann war am selben Tag festgenommen worden. Er hatte versucht, mit drei Päckchen Kokain in seinem Darm mit dem Taxi von Deutschland her in die Schweiz zu gelangen. Wie die Polizei mitteilt, ist der mysteriöse Tod nun geklärt.

War es ein Suizid?

Die Obduktion am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich ergab, dass der Verstorbene an den verschluckten Drogen starb. Er habe die Päckchen zunächst in der Zelle ausgeschiedenen, sie aber anschliessend wieder geschluckt und «ist daran gestorben», wie es im Communiqué heisst. Der Nigerianer sei aber nicht an den Päckchen erstickt, sondern habe eine Kokainvergiftung erlitten. «Der Mann hat zwei von drei Päckchen geöffnet und die Drogen geschluckt», sagt Untersuchungsrichter Peter Neukomm zu 20 Minuten Online. Er hat den Vorfall im Auftrag des Untersuchungsrichteramts Schaffhausen überprüft. Weshalb der Verstorbene die ausgeschiedenen Drogen erneut schluckte, ist unklar. «Entweder wusste er nicht, wie gefährlich Kokain ist, oder er wollte sich das Leben nehmen», sagt Neukomm. So einen Fall habe es bisher noch nie gegeben.

Nichts deutete auf die Tat hin

Der Mann war in einer Zelle ohne Toilette - einer sogenannten Abstandszelle - untergebracht, wie Neukomm sagt. Zur Ausscheidung habe er einen Kübel erhalten, was das normale Vorgehen sei. «Die Polizei darf aufgrund der Grundrechte während des Prozesses aber nicht zuschauen», so Neukomm weiter. In anderen Kantonen gebe es zwar spezielle Toiletten, wie Neukomm sagt, im vorliegenden Fall hätte es den Mann aber kaum gerettet. Der Mann sei aber überwacht worden, und es habe nichts darauf hingedeutet. «Er hatte zuvor ein Glas Wasser verlangt und erhalten - alles war ganz normal.» Das Untersicherungsamt Schaffhausen kommt deshalb zum Schluss, dass es «keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich vorwerfbares Verhalten der involvierten Stellen» gibt.

Deine Meinung