Aktualisiert 23.03.2015 18:13

Nennigkofen-Lüsslingen SODrogenrazzia bei Guru der Kirschblüten-Sekte

Sex-Guru Samuel Widmer ist in der Gemeinde Nennigkofen-Lüsslingen eine umstrittene Figur: Beim Psychiater wurde letzte Woche eine Razzia durchgeführt.

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mua / miw
In der Praxis von Psychotherapeut Samuel Widmer in diesem Haus werden Seminare durchgeführt. Angeblich sollen dabei illegale Drogen im Spiel sein.

In der Praxis von Psychotherapeut Samuel Widmer in diesem Haus werden Seminare durchgeführt. Angeblich sollen dabei illegale Drogen im Spiel sein.

Drei Drogenrazzien sorgten vergangene Woche in der solothurnischen Gemeinde Nennigkofen-Lüsslingen für Aufsehen. Grund der Polizeiaktionen: Gegen den dort lebenden Samuel Widmer, Anführer der sogenannten Kirschblütengemeinschaft, wurde laut «Tages-Anzeiger» ein Strafverfahren eingeleitet.

Der Vorwurf: Widmer soll bei Therapien verbotene Substanzen wie LSD und Ecstasy eingesetzt haben. Dies, obwohl ihm das Bundesamt für Gesundheit im Jahr 1993 die Bewilligung für den Einsatz von Drogen zu Forschungszwecken entzogen hatte.

Spürhunde im Einsatz

Am vergangenen Donnerstag kreuzte die Polizei mit mehreren Streifenwagen und Zivilfahrzeugen im ländlichen Dorf auf: «In einem Haus, das von Kirschblütlern bewohnt wird, hat die Polizei eine Razzia durchgeführt», so ein junger Nennigkofer zu 20 Minuten. Ein weiterer Anwohner aus dem benachbarten Lüsslingen, der neben dem Hof zur Kirschblüte – der Hochburg der Gemeinschaft– wohnt, hat eine weitere Hausdurchsuchung beobachtet: «Mit Spürhunden haben sie das gesamte Haus abgesucht. Selbst die Dachrinnen haben die Polizisten bei der Suche nach illegalen Substanzen nicht ausgelassen.»

Widmer selbst streitet den Drogenmissbrauch gegenüber dem «Tages-Anzeiger» ab. Es würden nur Medikamente wie Ephedrin und Ketalar zum Einsatz kommen – Heilmittel, die jeder Arzt legal zur Verfügung habe. Aussteiger widersprechen dieser Darstellung und berichten von gemeinsamen Konsum illegaler Substanzen. Gegenüber 20 Minuten wollte der umstrittene Psychiater am Montag keine Stellung nehmen.

«Invasion der Kirschblütler»

In der 1000-Seelen-Gemeinde ist die laut Fachleuten sektenähnliche Gemeinschaft mit rund 250 niedergelassenen Mitgliedern ein Dauerthema. Die Kirschblüten-Gemeinschaft, die Polygamie befürwortet, «ehrbaren Inzest» praktiziert und die freie Liebe als Medizin einsetzt, würde die ansässigen Dörfler vertreiben: «Wir sind hier total eingekesselt», so eine Bewohnerin von Nennigkofen. «Häuser und Grundstücke werden von den Mitgliedern aufgekauft und überbaut. Ich habe mir gar schon überlegt, von hier wegzuziehen.»

Sie fühle sich von der «Invasion» verdrängt, seien doch die Machenschaften der Gruppe schwer zu stoppen: «Viele Mitglieder sind wohl Juristen und kennen sich gut mit dem Gesetz aus – sie werden zunehmend zu einer Macht in unserer Gemeinde.»

«Leben und leben lassen», tönt es von der anderen Seite – ein Einheimischer von Lüsslingen lässt sich von den niedergelassenen Kirschblütlern nicht stören: «Es sind Steuerzahler und für mich normale Nachbarn mit einer anderen Lebensphilosophie.» Denn wer wisse schon, wie die richtige Lebensweise auszusehen habe.

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