Strommangel: Drohende Blackouts – Kantonspolizeien rüsten auf

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StrommangelDrohende Blackouts – Kantonspolizeien rüsten auf

Um Strom zu sparen, sollen Strassenbeleuchtungen teils ausgeschaltet werden. Bei einem Stromunterbruch könnten auch wichtige Sicherheitsanlagen ausfallen. Die Kantonspolizeien rüsten auf, SVP-Nationalrat Mauro Tuena befürchtet vermehrte kriminelle Aktivitäten.

von
Christina Pirskanen
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Die Kantonspolizeien bereiten sich auf mögliche Stromausfälle vor. Die Kantonspolizei Aargau würde in einer solchen Situation etwa die Patrouillendichte erhöhen.

Die Kantonspolizeien bereiten sich auf mögliche Stromausfälle vor. Die Kantonspolizei Aargau würde in einer solchen Situation etwa die Patrouillendichte erhöhen.

20min/Simon Glauser
Auch bei den Kantonspolizeien Basel-Stadt und Bern plant man Vorgehensweisen für konkrete Szenarien, um die Sicherheit gewährleisten zu können.

Auch bei den Kantonspolizeien Basel-Stadt und Bern plant man Vorgehensweisen für konkrete Szenarien, um die Sicherheit gewährleisten zu können.

20min/Simon Glauser
«Ich mache mir grosse Sorgen und es graut mir, wenn ich daran denke», sagt SVP-Nationalrat und Präsident der sicherheitspolitischen Kommission.

«Ich mache mir grosse Sorgen und es graut mir, wenn ich daran denke», sagt SVP-Nationalrat und Präsident der sicherheitspolitischen Kommission.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Dunkle Strassen aufgrund von ausgeschalteten Strassenlaternen oder nicht funktionierende elektrische Türen und Kreditkarten, wenn der Strom ausfällt: Die Strommangellage zwingt uns dazu, uns auf mögliche Folgen eines kurzen, oder allenfalls langen, Stromunterbruchs vorzubereiten.

Auch die Kantone bereiten sich mit unterschiedlichen Szenarien auf eventuelle Stromausfälle vor, so etwa die Kantonspolizei Aargau. Prioritär seien der Schutz von Leib und Leben, eine rasche Erstintervention bei Notrufen sowie der Schutz sensitiver Objekte. Bei Stromunterbrüchen werde zusätzlich die Patrouillendichte erhöht. Zudem könne eine örtliche oder zeitliche Bündelung der Einsatzkräfte angezeigt sein.

«Es graut mir, wenn ich daran denke»

Auch die Kantonspolizei Basel-Stadt bereitet sich auf eine Vielzahl verschiedener Szenarien vor. Die Einsatzzentrale könne auch bei einem plötzlichen Stromausfall betrieben werden – somit sei man in der Lage, eingehende Alarme entgegenzunehmen, sagt ein Mediensprecher. Die Kantonspolizei Bern meldet ebenfalls, dass man präventive Massnahmen sowie Vorgehensweisen für konkrete Szenarien plane, um die Sicherheit gewährleisten zu können.

Bereits im Juli warnte der Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission, Mauro Tuena, vor möglichen Konsequenzen bei Stromausfällen. «Die Schweiz ist nicht auf ein solches Szenario vorbereitet. Es ist fünf vor zwölf. Der Bundesrat muss jetzt sofort handeln», sagte der SVP-Nationalrat damals gegenüber 20 Minuten. Seither habe sich nichts geändert, sagt Tuena jetzt: «Ich mache mir grosse Sorgen und es graut mir, wenn ich daran denke.» Vor allem befürchte er eine mögliche Erhöhung der Kriminalitätsrate.

Dunkle Strassen könnten Kriminalitätsrate erhöhen

«Wenn in der Nacht die Strassenlichter ausgeschaltet werden, ist das die beste Voraussetzung für Kriminelle. Ich kann damit leben, wenn allenfalls öffentliche Gebäude nachts nicht beleuchtet werden – aber bei Strassenlaternen wird es schwierig», so Tuena. Zudem würde auch die Bevölkerung ängstlicher, wenn sie nachts im Dunkeln unterwegs sein müsste. Deshalb sei es wichtig, dass die sichtbare Polizeipräsenz erhöht werde, wenn die Strassenlaternen aus seien – oder bei Stromausfällen in Einkaufsläden.

Es sei viel mehr vom Strom abhängig, als man denke, sagt Tuena. So würden etwa Kreditkarten oder elektronische Türen nicht mehr funktionieren und Sicherheitsanlagen würden ausfallen. Besonders um die Logistikbranche sorgt sich Tuena, denn wenn dort kein Strom mehr fliesse, würden die Regale in den Läden leer bleiben. «Wir müssen nun alles daran setzen, um nicht in eine akute Strommangellage zu geraten», sagt er.

Schweizer Bevölkerung fühlt sich sicher

«Es ist gut möglich, dass es bei einer Strommangellage vermehrt zu Vandalismus oder Plünderungen kommen könnte», sagt Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch. Auch das Ausschalten der Strassenlaternen nachts könne den einen oder anderen zu «Rambazamba» verleiten – der Ausfall von Kassensystemen bei Detailhändlern könne zu Gelegenheitsdiebstählen führen.

Die letzte Sicherheitsstudie, die Anfang dieses Jahres erschien, zeigt jedoch, dass sich die Schweizer Bevölkerung grösstenteils sicher fühlt. Damals war natürlich der Strommangel noch kein Thema – aber Szvircsev Tresch bezweifelt, dass sich das Empfinden seither stark verändert habe. Auch zeigt die Studie ein weiterhin hohes Vertrauen in die Institutionen und Behörden. «Das ist ein Zeichen dafür, dass die Schweizer Bevölkerung gut gestimmt ist und daran glaubt, dass die Situation zu lösen ist», so der Militärsoziologe.

Wirst du nachts unterwegs sein, falls die Strassenlaternen ausgeschaltet werden?

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