Strommangel: Drohender Blackout – «Diesen Winter können wir nur Strom sparen und hoffen»

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StrommangelDrohender Blackout – «Diesen Winter können wir nur Strom sparen und hoffen»

Die Gefahr von zu wenig Strom im Winter ist real, sagt die Branche unisono. Die kurzfristigen Massnahmen seien ausgeschöpft. Jetzt bleibe nur noch zu hoffen.

von
Marino Walser
Daniel Graf
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Dass uns im Winter ein Strommangel bevorsteht, ist laut Energieministerin Sommaruga (SP) und Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) nicht auszuschliessen.

Dass uns im Winter ein Strommangel bevorsteht, ist laut Energieministerin Sommaruga (SP) und Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) nicht auszuschliessen.

20min/Simon Glauser
Der Verband Schweizer Energiekonzerne sagt, die Gefahr einer Strommangellage sei «real und gross». Der Bundesrat habe zwar Massnahmen vorgesehen, ob diese aber reichten, hänge von zahlreichen Faktoren ab: einem Gasembargo, der Kälte im Winter oder der Verfügbarkeit der AKW in Frankreich.

Der Verband Schweizer Energiekonzerne sagt, die Gefahr einer Strommangellage sei «real und gross». Der Bundesrat habe zwar Massnahmen vorgesehen, ob diese aber reichten, hänge von zahlreichen Faktoren ab: einem Gasembargo, der Kälte im Winter oder der Verfügbarkeit der AKW in Frankreich.

20min/Matthias Spicher
Derzeit befänden wir uns noch im Normalbetrieb. «Doch wir alle, Private und Unternehmen, müssen alles daran setzen, den Strom-, Gas- und Wärmebedarf kurzfristig zu senken. Wir müssen uns bewusst sein, dass eine Krise absolut denkbar ist», sagt der Mediensprecher Julien Duc vom Verband Schweizer Energiekonzerne.

Derzeit befänden wir uns noch im Normalbetrieb. «Doch wir alle, Private und Unternehmen, müssen alles daran setzen, den Strom-, Gas- und Wärmebedarf kurzfristig zu senken. Wir müssen uns bewusst sein, dass eine Krise absolut denkbar ist», sagt der Mediensprecher Julien Duc vom Verband Schweizer Energiekonzerne.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Dass uns im Winter ein Strommangel bevorsteht, ist laut Energieministerin Sommaruga (SP) und Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) nicht auszuschliessen.

  • Auch die Strombranche sagt, dass die Gefahr von zu wenig Strom im Winter real sei. 

  • Um die mögliche Stromknappheit im Winter abzuwenden, sei es zu spät, sagen zwei SVP-Nationalräte.

  • Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, wehrt sich entschieden gegen die Vorwürfe.

Dass uns im Winter ein Strommangel bevorsteht, ist laut Energieministerin Sommaruga (SP) und Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) nicht auszuschliessen. Der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann wirft dem Bundesrat in der «Weltwoche» vor, «alles zu verschlafen»: Stromabkommen, Dieselgeneratoren und Solarkraftwerke in den Alpen. Auch André Dosé, Präsident von Swissgas, kritisiert den Bundesrat harsch. Dieser habe es verpasst, rechtzeitig grosse Mengen Gas zu beschaffen.

Der Verband Schweizer Energiekonzerne sagt, die Gefahr einer Strommangellage sei «real und gross». Der Bundesrat habe zwar Massnahmen vorgesehen (siehe Box), ob diese aber reichten, hänge von zahlreichen Faktoren ab: einem Gasembargo, der Kälte im Winter oder der Verfügbarkeit der AKW in Frankreich. Derzeit befänden wir uns noch im Normalbetrieb. «Doch wir alle, Private und Unternehmen, müssen alles daran setzen, den Strom-, Gas- und Wärmebedarf kurzfristig zu senken. Wir müssen uns bewusst sein, dass eine Krise absolut denkbar ist», sagt Mediensprecher Julien Duc.

Für den VSE ist klar: «Weiter wie bisher ist künftig keine Option. Das dürfte inzwischen allen klar sein.» Die Versorgungssicherheit und das Klima seien von nationalem Interesse und müssten daher vorgehen. «Wir müssen mutig, zügig und effektiv die Rahmenbedingungen für den Ausbau von Energieinfrastrukturen verbessern», sagt Duc.

SVP setzt auf Prinzip Hoffnung

Um eine Stromknappheit im Winter abzuwenden, sei es zu spät, sagt SVP-Nationalrat Christian Imark: «Seit Jahren sagen wir, dass die Energieversorgung der Schweiz nicht krisenresistent ist. Der Bundesrat fährt die Schweiz mit der heutigen Energiestrategie an die Wand. Eine unabhängige Gasversorgung sowie Strom aus neuen Kernkraftwerken wurden verhindert.» Die drohende Strommangellage sei hauptsächlich selbstverschuldet. «Für diesen Winter kommen Massnahmen sehr spät, uns bleibt noch das Prinzip Hoffnung sowie sehr einschneidende Massnahmen für Wirtschaft und Bevölkerung», so Imark weiter.

Mittel- und langfristig müsse die Schweiz wieder zu einer breit gefächerten und sicheren Energieversorgung zurückfinden, wie es die Verfassung vorschreibe. Imark ist der Meinung, dass bei der heutigen Beschaffung von Strom und Gas die Diversifizierung zu wenig gewährleistet sei. «Wir müssen in Zukunft auf Wasser- und Kernenergie setzen.»

Hast du Angst davor, diesen Winter zu Hause frieren zu müssen?

«Von den Nachbarländern wird keine Hilfe kommen»

Für den SVP-Nationalrat Walter Wobmann handelt der Bundesrat zu zaghaft, um die Stromknappheit zu bekämpfen. Er habe in der Vergangenheit Fehler gemacht: «Im Energiedepartement versucht man nun dank des Kriegs in der Ukraine zu vertuschen, dass man schon lange vom drohenden Strommangel gewusst, aber nichts dagegen unternommen hat.»

Die Bevölkerung kann laut Wobmann nur noch hoffen, dass der Strom reichen wird. «Haben wir in Europa einen Strommangel, dann wird keine Hilfe von den Nachbarländern kommen.» Kurzfristig sei einzig möglich, so viel wie möglich Strom zu sparen, um einen allfälligen Engpass rauszuzögern.

Bund wehrt sich gegen Vorwürfe

Anita Bundi, Kommunikationsleiterin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, wehrt sich entschieden gegen die Vorwürfe: «Der Bundesrat ist schon lange daran, die Energieversorgung zu stärken. Er hat Reserven geschaffen, Verfahren beschleunigt, Bürokratie abgebaut und Vereinbarungen getroffen.» Wichtige kurzfristige Massnahmen seien insbesondere die Wasserkraft-Reserve für den Winter, der Rettungsschirm zum Schutz der Stromversorgung und das Abkommen mit Italy North.

Der Bundesrat sei ausserdem seit Längerem daran, die Hürden für neue Photovoltaik-Anlagen abzubauen. Schon heute genüge dadurch eine blosse Meldung, Solaranlagen auf Dächern brauchten keine Bewilligung mehr. Auch für die Beschleunigung von Wasserkraft- und Windenergieanlagen habe der Bundesrat ein Gesetz vorbereitet. Darüber, ob neue Anlagen gebaut würden, entscheide letztlich aber die Branche. «Diese hat in der Vergangenheit sehr stark im Ausland investiert», sagt Bundi. 

Der Vier-Stufen-Plan des Bundesrats

Kommt es zu einer Strommangellage, hat der Bundesrat einen vierstufigen Plan, um Strom zu sparen: Zuerst erfolgt ein Appell an die Bevölkerung, energieintensive Geräte wie Saunen oder Heizpilze nicht mehr zu nutzen. Danach schaltet der Bundesrat nicht zwingend benötigte Geräte wie Schaufenster-, Reklame- oder Festbeleuchtung aus. In einem dritten Schritt werden den Unternehmen, die viel Strom verbrauchen, Kontingente auferlegt. Als letztes Mittel käme es zu Netzabschaltungen: Quartier für Quartier würde der Strom beispielsweise für jeweils vier Stunden unterbrochen.

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