Frankreich: Drohne soll Schwimmer vor Ertrinken bewahren
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FrankreichDrohne soll Schwimmer vor Ertrinken bewahren

In weniger als 30 Sekunden kann die Drohne Helper Badenden in Not einen Rettungsring bringen. Das Gerät wird nun in Frankreich getestet.

von
Camille Kündig

Die Drohne Helper ist schneller als der Rettungsschwimmer und der Jet-Ski bei der Person in Not. (Video: Gérald Dumartin)

Wenn jemand zu ertrinken droht, wird der Bademeister in Zukunft vielleicht zur Fernbedienung greifen, statt sich ins kühle Nass zu stürzen.«Rettungsschwimmer sind richtige Sportler. Aber sie können auch an ihre Grenzen kommen. Seit zwei Jahren überlege ich nun, wie man eine Drohne mit einer Rettungsboje fliegen lassen kann», sagt Notfallarzt Fabien Farage zur französischen Nachrichtenagentur AFP.

Über einen Bekannten hat er den Drohnenexperten Gérald Dumartin kennen gelernt und zusammen haben sie die Idee zur Rettungsdrohne weiterentwickelt. Die Drohne Helper (Human environment and life protection emergency response) soll Rettungsschwimmern unter die Arme greifen und wird diesen Sommer am Strand von Biscarrosse (Südwesten Frankreichs) getestet.

Fluggeschwindigkeit von bis zu 55 km pro Stunde

«Für solche Rettungsflüge braucht es eine wind-resistente Drohne die sehr stabil fliegen kann», erklärt Farage. Das Start-up Mywebteam hat die Drohne dann entwickelt. Helper ist 3,9 kg schwer. Mit an Board sind eine Ultra-High-Definition-Kamera, ein sich im Wasser automatisch aufblasender Rettungsring und ein Abwurfsystem.

Die Drohne fliegt mit 55 km/h und ist somit innerhalb von 30 Sekunden bei der Person in Not. Der Vorteil dabei: «Der Schwimmer hat keine Zeit, in Panik auszubrechen», so die Entwickler. Dank der Kamera lasse sich zudem der Zustand des Schwimmers vom Strand aus beurteilen und nötige medizinische Vorkehrungen könnten getroffen werden.

Mehr Sicherheit für Rettungsschwimmer

Mit der Drohne könne auch das unnötige Ausrücken der Rettungsschwimmer vermieden werden. «Es gibt Fälle, wo die Rettungsschwimmer annehmen, eine Person brauche Hilfe und losschwimmen. Vor Ort stellt sich dann heraus, dass der Schwimmer gar nicht in Gefahr war.»

Helper soll auch bei ungünstigen Wetterbedingungen und Winden von bis zu 50 km/h ausrücken können. Für die Testphase haben zwei Bademeister von Biscarrosse gelernt, die Drohne zu fliegen.

Schneller als Rettungsschwimmer

«Ziel der Testphase ist es zu evaluieren, ob uns die Drohne eine Hilfe ist», sagt Romain Savoux, Leiter der Rettungsstation von Biscarrosse. Er verspricht sich viel von dem unbemannten Luftfahrzeug. «Auch bei idealen Wetterverhältnissen ist Helper schneller vor Ort als wir.» Bei einer Übung hatte die Drohne in 22 Sekunden Kurs zum Schwimmer in Not aufgenommen und den Rettungsring abgeworfen. «Zur selben Zeit war unser Rettungsschwimmer noch 50 Meter von der Person entfernt.» Zum Ende der Testphase – Ende August – werden Farage und Dumartin die Testresultate auswerten und eventuelle Verbesserungen an der Drohne vornehmen.

In der Schweiz sei man grundsätzlich an solchen neuartigen Hilfsmitteln interessiert. «Man müsste das Gerät aber zuerst in Schweizer Verhältnissen testen», sagt Philipp Binaghi von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gestellschaft SLRG. «Das würde natürlich den Vorteil haben, unsere Rettungsschwimmer nicht unnötig in Gefahr zu bringen.»

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