20 Minuten im Donbass: «Drohnen sind gute psychologische Waffen – man fühlt sich nie sicher»

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20 Minuten im Donbass«Drohnen sind gute psychologische Waffen – man fühlt sich nie sicher»

20 Minuten war mit der ukrainischen Drohneneinheit des Bataillons Dnjpro1 in Slawjansk, Donezk, unterwegs und sprach mit Oleg Piven (32) über seinen Job im Krieg. 

von
Ann Guenter
(aus Slawjansk, Donetzk)

Auf dem geheimen Übungsareal bei Slawjansk waren wegen Geolocation nur Nahaufnahmen erlaubt. 

20 Minuten/Artem Belov/ Ann Guenter

Stellt Oleg Piven die Drohne ein, ertönt ein Zischen, das an das Geräusch der Lichtschwerter in «Star Wars» erinnert. Er und sein Kollege Alexander Motreschko (28) haben daran eine kindliche Freude: «Boys and toys, Männer und ihre Spielsachen», lachen sie.

Piven setzt seine FPV-Brille auf  – eine «First-Person-View»-Brille, die das Livebild der Drohnen-Kamera so direkt zeigt, als sässe er im Cockpit der Drohne. Er greift sich die Steuerung, schon surrt die Drohne mit einem Affenzahn in die Höhe.

«An der Front sind vor allem Drohnen Marke Eigenbau.»

«Im Einsatz an der Front sind vor allem Drohnen Marke Eigenbau. Wir nutzen dafür billige Rahmen und tüfteln viel herum. Aber zum Üben nutzen wir eine chinesische Renndrohne, die über 150 km/h schon in den ersten Sekunden erreichen kann», erläutert Oleg. «Das erfordert Konzentration und Geschick.»

Zum Beweis lässt er die Drohne einen Loop fliegen, bevor er sie herabsausen und nur Zentimeter über seinem Kopf schweben lässt. Oleg und Alexander gehören zur Drohnen-Einheit des Bataillons Dnjpro1, welches der ukrainischen Nationalgarde unterstellt ist. Vor dem Krieg waren sie im IT-Bereich tätig. Sie bezeichnen sich beide als «Geeks», die sich jetzt mit ihrer ihre Technikleidenschaft im Krieg nützlich einbringen könnten. 

«Drohnen sind gute psychologische Waffen – man fühlt sich nie sicher», erklärt Oleg. «Wie ein Nachrichtendienst im Feindesgebiet können sie uns in Echtzeit während rund drei Stunden wichtige Daten liefern.»

Auch dieser Job ist nicht ungefährlich

Die Aufnahmen würden Leuten gezeigt, die sich im Gelände gut auskennen und die feindlichen Standorte identifizieren könnten. «Dann suchen wir für uns geeignete Positionen, holen die Drohne zurück, laden sie mit Sprengstoff bis zu 20 Kilogramm und schicken sie wieder los, um die Fracht abzuwerfen», so Oleg. Alexander ergänzt: «Im Idealfall über einem russischen Panzer».

Auch dieser Job ist nicht ungefährlich. «Wir müssen oft vermintes Gebiet durchqueren, um ideale Angriffspositionen einzunehmen. Zudem habe der Gegner ein System, das auch ihre Positionen ausfindig machen könne.

Oder es gelinge, die Drohnen-Koordinaten zu stören. So hätten sie bereits einige Geräte verloren. «Mit Drohnen ist es wie mit Munition», sagt Oleg. «Sie werden schnell verbraucht. Deswegen brauchen wir immer mehr davon.»   

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