Spott wegen IT-Debakeln - Kriegt der Bund das Covid-Zertifikat auf die Reihe?
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Technische Probleme?Vergangene IT-Pannen wecken Zweifel am Covid-Zertifikat

Seit heute ist klar, dass die Umsetzung des Covid-Zertifikats beim Bundesamt für Informatik liegt. Dies führt jedoch zu Misstrauen.

von
Dominique Zeier
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Der Bund hat bereits eine Reihe an Informatik-Pannen wegstecken müssen. 

Der Bund hat bereits eine Reihe an Informatik-Pannen wegstecken müssen.

REUTERS
Nun werden erste Stimmen laut, die sich um das Covid-Zertifikat sorgen.

Nun werden erste Stimmen laut, die sich um das Covid-Zertifikat sorgen.

dpa/Ilia Yefimovich
Dieses soll Ende Juni bereit stehen.

Dieses soll Ende Juni bereit stehen.

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Darum gehts

  • Bereits Ende Juni soll der Bevölkerung ein Covid-Zertifikat zur Verfügung stehen.

  • Dieses wird durch das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) erstellt.

  • Nun werden erste misstrauische Stimmen laut und verweisen auf vergangene IT-Pannen des Bundes.

Wie seit Freitagmittag bekannt geworden ist, soll es in der Schweiz ab Ende Juni ein Covid-Zertifikat geben. Damit sollen sich Geimpfte, Genesene und Getestete ausweisen können. Aus rund 50 verschiedenen Anwärtern wurde die Lösung des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation ausgewählt. Bei einigen Personen weckt dies allerdings Misstrauen. Ein Twitter-User schreibt beispielsweise: «Ob die IT das zeitgerecht schafft, werden wir sehen. Wäre das erste IT-Projekt des Bundes, welches nicht im Desaster endet oder pünktlich wäre.»

Ähnlich sieht dies ein zweiter Twitter-Nutzer. Er teilt sein Misstrauen wie folgt mit: «Als ich BIT gelesen habe, wusste ich, dass wir dieses Jahr nicht mehr verreisen werden. Das BIT hat zur Genüge und eindrucksvoll bewiesen, dass sie von IT keine Ahnung haben.»

Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, versteht diese Bedenken. «Ich kann nachvollziehen, wieso die Leute eher auf private Unternehmen als den Bund vertrauen, da in der Vergangenheit wirklich grobe Fehler passiert sind. Ich stehe dem Ganzen auch skeptisch gegenüber.» Denn – von den vergangenen Pannen einmal abgesehen – es komme meist günstiger, wenn solche Aufträge an Private weitergegeben werden. «Aber es arbeiten beim Bund natürlich auch kompetente Leute und das Abstimmungsresultat bei der E-ID hat gezeigt, dass die Bevölkerung hochprivate Daten lieber beim Bund wissen möchte, auch wenn das Misstrauen gross ist.»

Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen 

Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen

Jungfreisinnige Schweiz

Woher stammt dieses Misstrauen gegenüber den IT-Projekten des Bundes?

In der Vergangenheit ist es bereits bei mehreren Informatik-Projekten des Bundes zu Pannen gekommen. Allen voran beim Projekt Insieme, das als «Informatikdebakel» bekannt wurde. Das Insieme-Projekt von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) sollte ursprünglich ermöglichen, die Stempel- und Mehrwertsteuer geeint zu verarbeiten. Über die Jahre hinweg kam es aber immer wieder zu Stolpersteinen und Pannen. Im Jahr 2012 wurde das Projekt schliesslich abgebrochen – es hatte aber bereits 100 Millionen Franken gekostet.

Ein weiteres IT-Projekt des Bundes, das gänzlich andere Ausmasse angenommen hat als ursprünglich geplant, heisst Mistra. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Bundesamt für Strassen (Astra), das die zentrale Verwaltung aller Strassendaten hätte möglich machen sollen. Anders als anfänglich geplant, beliefen sich die Kosten für das Projekt auf mehr als 100 Millionen Franken – mehr als doppelt so viel als die budgetierten 45 Millionen. Dies sorgte für aufgebrachte Gemüter – nicht nur deshalb, weil das Astra bereits 2012 mit dem Projekt «Informationssystem Verkehrszulassung» anstelle der geplanten acht Millionen 32,6 Millionen Franken ausgeben musste.

Probleme bei IT-Projekten gab es auch bei der Armee. Das Projekt Network Enabled Operations, das für eine bessere Vernetzung der Operationsführungen gedacht ist, wurde auf neun Milliarden Franken budgetiert. Im Jahr 2015 zeichnete sich aber ab, dass das Projekt beinahe doppelt so viel, nämlich rund 15 Milliarden Franken, kosten wird.

Lösung wird erarbeitet

Jüngstes Beispiel einer Panne beim Bund ist die Vermeldung eines jungen Corona-Toten im August 2020. Wie sich später herausstellte, hatte sich in der Todesfallstatistik des BAG ein Fehler eingeschlichen. «Peinlich, peinlicher, BAG», empörte sich damals die Aargauer SVP-Nationalrätin Martina Bircher auf Twitter.

Das Bundesamt für Informatik ist jedoch zuversichtlich, dass ähnliche Fehler beim neuen Covid-Zertifikat nicht passieren werden. «Das BIT freut sich, das Covid-Zertifikat in Zusammenarbeit mit dem BAG umzusetzen», heisst es auf Anfrage. Zurzeit arbeite man die Lösung aus und werde an einem der nächsten Points de Presse auf Fachebene detailliert informieren, so das Bundesamt.

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