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Neue EU-RegelDroht dem Döner ohne Phosphat das Aus?

Der EU-Umweltausschuss will gegen schädliches Phosphat im Döner vorgehen. Auch in der Schweiz verwenden einige Hersteller das Bindemittel – aber nicht alle.

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the/dpa
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In der EU geht es dem Döner womöglich bald an den Kragen. Die EU-Umweltkommission hat sich am Dienstag, 28. November, wegen «ernsthafter gesundheitlicher Bedenken» gegen eine Erlaubnis von Phosphat im Kebabfleisch ausgesprochen. (im Bild: Kanzlerin Angela Merkel an einem Kebabstand)

In der EU geht es dem Döner womöglich bald an den Kragen. Die EU-Umweltkommission hat sich am Dienstag, 28. November, wegen «ernsthafter gesundheitlicher Bedenken» gegen eine Erlaubnis von Phosphat im Kebabfleisch ausgesprochen. (im Bild: Kanzlerin Angela Merkel an einem Kebabstand)

Hakki Akduman
Die Abgeordneten hatten den Antrag wissenschaftlichen Studien begründet, die eine mögliche Verbindung zwischen Phosphat-Zusätzen und Herz-Kreislauf-Problemen festgestellt hat.

Die Abgeordneten hatten den Antrag wissenschaftlichen Studien begründet, die eine mögliche Verbindung zwischen Phosphat-Zusätzen und Herz-Kreislauf-Problemen festgestellt hat.

Keystone/Gaetan Bally
«Ohne Phosphat-Zusatz würden die Drehspiesse beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Aussenseite schon fast verbrannt wäre», sagt die CDU-Abgeordnete Renate Sommer, die sich auf Facebook gegen den Antrag wehrt.

«Ohne Phosphat-Zusatz würden die Drehspiesse beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Aussenseite schon fast verbrannt wäre», sagt die CDU-Abgeordnete Renate Sommer, die sich auf Facebook gegen den Antrag wehrt.

Keystone/Gaetan Bally

Die EU-Umweltkommission hat sich am Dienstag wegen «ernsthafter gesundheitlicher Bedenken» gegen eine Erlaubnis von Phosphat im Kebab-Fleisch ausgesprochen. Derzeit ist der Gebrauch von Phosphat für gefrorene Fleischspiesse nicht explizit geregelt, für viele andere Fleischarten ist er aber erlaubt.

Die Kommission hatte den Antrag mit wissenschaftlichen Studien begründet, die eine mögliche Verbindung zwischen Phosphat-Zusätzen und Herz-Kreislauf-Problemen sowie erhöhter Sterblichkeit festgestellt hatten.

CDU-Frau setzt sich für Phosphat ein

Das Problem dabei: Das Bindemittel Phosphat macht den Döner saftig und schmackhaft, hält ihn zusammen und sorgt für ein gleichmässiges Garen. «Ohne Phosphat-Zusatz würden die Drehspiesse beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh, selbst wenn die Aussenseite schon fast verbrannt wäre», sagt die CDU-Abgeordnete Renate Sommer, die sich auf Facebook gegen den Antrag wehrt.

Das EU-Parlament stimmt in seiner Session vom 11. bis 14. Dezember in Strassburg über den Antrag ab. Die Vorlage will das Phosphat aber nicht direkt verbieten, sondern nur nicht erlauben. Eine Duldung wäre also weiterhin möglich, genauso wie weitere Vorstösse bis hin zu einem Verbot.

Kommt es zum Verbot, wäre das laut Kenan Koyuncu vom deutschen Verband der Dönerhersteller «das Todesurteil für die gesamte Dönerindustrie in der Europäischen Union». Auch Sommer sagt: «Ein Verbot des Phosphat-Zusatzes würde zum Erliegen der Dönerproduktion führen.»

Schweizer Produzenten brauchen meist kein Phosphat

Auch Schweizer Hersteller setzen auf das Bindemittel. Bei Royal Döner, dem grössten Schweizer Döner-Hersteller, findet sich das Phosphat E451 als Fleischspiesszutat in einer alten Version der Website. Die Frage von 20 Minuten, ob auch heute noch Phosphat verwendet wird, blieb vom Hersteller unbeantwortet.

«Wir fügen dem Fleisch kein Phosphat hinzu», sagt hingegen Hasan Karabacak, Geschäftsführer von Birlik Döner. Man verwende sehr frisches Fleisch, das noch genug fleischeigenes Phosphat enthalte. «Wenn man den Döner frisch verarbeitet, dann braucht man keine chemischen Zusätze. Nur wenn man das Fleisch einige Tage liegen lässt, werden diese nötig.»

«Wir verwenden schon seit einiger Zeit kein Phosphat mehr», sagt auch Temir Kilic, Produktionsverantwortlicher bei Efal Döner. «Es geht auch ohne künstliche und möglicherweise schädliche Bindemittel. Man muss nur bei der Zubereitung und der Verarbeitung etwas besser aufpassen, dass der Döner nicht auseinanderfällt.» Am Anfang habe es deswegen noch einige Beschwerden gegeben, nun seien die Dönerläden mit dem Produkt zufrieden.

Schweiz würde EU-Regeln übernehmen

Die Rechtslage in der Schweiz sieht heute gleich aus wie in der EU. Beim Dönerfleisch besteht eine Gesetzeslücke: Eine Verwendung von Phosphat ist nicht explizit erlaubt. Kommt ein Verbot zustande, wird es laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wohl auch in der Schweiz umgesetzt. «Das BLV wird eine solche Entscheidung überprüfen. In der Regel wird die Schweizer Gesetzgebung dem EU-Recht gemäss angepasst», sagt Sprecherin Eva van Beek. Dies sei in ähnlichen Fällen die Regel gewesen.

Doch ob ein Verbot in der EU überhaupt kommt, steht noch nicht fest. Nachdem sich die deutschen Döner-Produzenten über ein mögliches Verbot empört haben, relativieren nun die EU-Politiker: «An der bestehenden Rechtslage in Europa und Deutschland ändert sich erst einmal gar nichts», sagt die SPD-Abgeordnete Susanne Melior. «Niemand muss auf seinen Döner oder Gyros verzichten.»

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