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SBBDroht den Starbucks-Waggons das Aus?

Seit knapp drei Jahren betreiben die SBB rollende Starbucks-Filialen. Laut Brancheninsidern wird das Projekt in der jetzigen Form nicht weitergeführt.

von
V. Blank
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Täglich verkehren zwei «Starbucks Coffee Houses» auf der Zugstrecke Genf-St.Gallen.

Täglich verkehren zwei «Starbucks Coffee Houses» auf der Zugstrecke Genf-St.Gallen.

Keystone/Christian Beutler
Im November 2013 waren die neuartigen Speisewagen feierlich eröffnet worden. Im Bild: Jeannine Pilloud (links), Leiterin Personenverkehr bei den SBB, enthüllt feierlich das Starbucks-Logo.

Im November 2013 waren die neuartigen Speisewagen feierlich eröffnet worden. Im Bild: Jeannine Pilloud (links), Leiterin Personenverkehr bei den SBB, enthüllt feierlich das Starbucks-Logo.

Keystone/Ennio Leanza
Ein Blick in den Zug.

Ein Blick in den Zug.

Keystone/Ennio Leanza

Sie wurden als «neuer Meilenstein der Bahngastronomie» angekündigt: Die beiden Speisewagen, die die SBB zu Starbucks-Filialen umgebaut haben. Im Winter 2013 und im Frühling 2014 waren sie in Betrieb genommen worden. Seither verkehren täglich zwei «Starbucks Coffee Houses» auf der Strecke Genf–St.Gallen.

Doch jetzt, nach nicht einmal drei Jahren, droht den fahrenden Starbucks-Filialen das Aus. Ihr Einsatz werde wohl im September zu Ende sein, schreibt die «Schweizer Eisenbahn-Revue». Dem Vernehmen nach sollen die mit damals grossem Aufwand umgebauten Waggons für ein neues Speisewagen-Projekt verwendet werden, so die Fachzeitschrift. Sogar vom Umbau eines dritten Wagens sei die Rede.

SBB geben sich bedeckt

Ein SBB-Mitarbeiter, der anonym bleiben will, hat ebenfalls Wind von bevorstehenden Änderungen bekommen. Soweit er informiert sei, werde der Starbucks-Wagen in der jetzigen Form ab Herbst nicht mehr weiterbetrieben, sagt er zu 20 Minuten. Gemäss Branchengerüchten sei beispielsweise angedacht, das derzeitige Angebot aus dem Starbucks-Sortiment mit Produkten anderer Anbieter zu ergänzen.

Ganz aus den SBB-Waggons verschwinden sollen Getränke und Gebäck des US-amerikanischen Kaffeerösters nicht, sagt auch SBB-Sprecherin Franziska Frey: «Es ist nicht vorgesehen, die Zusammenarbeit mit Starbucks zu beenden.» Wie die Zukunft der Wagen aussehen soll, will sie aber nicht verraten. Man habe bereits im Januar kommuniziert, dass das SBB-Gastronomiekonzept neu ausgerichtet werde. Über die Details werde das Unternehmen im Herbst informieren.

Nicht die erste Zusammenarbeit

Die fahrenden Starbucks-Filialen bei den SBB sind die weltweit einzigen ihrer Art. Im Unterdeck des Doppelstöckers gibt es für die Passagiere einen Take-away, im Oberdeck ein bedientes Café. «Wir sind überzeugt, dass es funktionieren wird», hatte Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, bei der Präsentation des neuen Speisewagens im November 2013 gesagt.

Die SBB arbeiten im Bereich der Gastronomie nicht zum ersten Mal mit einem multinationalen Unternehmen zusammen. Anfang der 1990er-Jahre verkehrten zwei McDonald's-Speisewagen auf dem Schweizer Schienennetz. Das Projekt war aber nicht erfolgreich. Passagiere störten sich unter anderem am Friteusengeruch, der sich im Zug ausbreitete.

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