Aktualisiert 14.04.2015 15:52

Falsches Idealbild

Droht Magermodels in der Schweiz ein Jobverbot?

Extrem magere Models sollen in Frankreich von den Catwalks verbannt werden. Nun erwägen auch Schweizer Politikerinnen einen Vorstoss.

von
ced
Die französische Regierung will Mager-Models von den Laufstegen verbannen. Bei Verstössen drohen sechs Monate Haft und 75'000 Euro Geldstrafe.

Die französische Regierung will Mager-Models von den Laufstegen verbannen. Bei Verstössen drohen sechs Monate Haft und 75'000 Euro Geldstrafe.

Die französische Nationalversammlung in Paris beriet am vergangenen Freitag einen Gesetzesartikel, der stark unterernährten Frauen eine Arbeit als Model untersagt. Künftig darf ein gewisser Body-Mass-Index (BMI) nicht mehr unterschritten werden. Modelagenturen, die extrem dürre Mannequins engagieren, sollen sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von 75'000 Euro drohen. Ähnliche Massnahmen sind bereits in Spanien, Italien und Israel beschlossen worden.

«Früher hatten Models noch Fleisch am Knochen»

Im Fahrwasser des französischen Gesetzes prüfen auch Schweizer Politiker Massnahmen. SP-Nationalrätin Silvia Schenker will die Entwicklungen in Frankreich genau beobachten. «Falls die Gesetzesänderung in Frankreich positive Auswirkungen zeigt, wage ich einen entsprechenden Vorstoss in der Schweiz.» Gegen Essstörungen werde momentan noch viel zu wenig getan.

Patientenschützerin und GLP-Nationalrätin Margrit Kessler würde einen politischen Vorstoss unterstützen. Das französische Gesetz habe Vorbildcharakter: «Unser heutiges Schönheitsideal ist unmöglich. Das haben uns die Modelagenturen eingebrockt», so Kessler. «Früher hatten Models noch Fleisch am Knochen. Heute sieht man auf Plakaten nur noch dürre Gestalten.» Um das zu ändern, sei eine BMI-Untergrenze sinnvoll.

«Agenturen müssen Verantwortung zeigen»

Auch Nationalrätin Bea Heim (SP) spricht von einem «ungesunden Ausmass» in der Modelbranche. Ihrer Meinung nach sind dringend Präventionsmassnahmen nötig, damit sich das gesellschaftliche Schönheitsideal ändert. «Ich fordere Schweizer Modelagenturen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen in Ausschreibungen und Formularen einen Mindest-BMI verlangen», so Heim.

Zudem müsse das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagieren – momentan gibt es vonseiten des Bundes noch keine Empfehlungen in puncto Essstörungen. Laut Heim muss das BAG den direkten Kontakt mit Modelagenturen suchen und die Bevölkerung sensibilisieren. So könne verhindert werden, dass sich Frauen schon in jungen Jahren dem Magerwahn hingeben und im schlimmsten Fall «zu Tode hungern».

«In der Schweiz sind Models nicht so dünn»

Die Psychologin Jennifer Hofmann von der auf Essstörungen spezialisierten Fachklinik Wysshölzli in Bern bestätigt, dass gewisse Werbekampagnen Auswirkungen auf Patientinnen haben: «Auch wenn die Ursachen von Essstörungen komplex sind und nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden können, haben Frauen oft Model-Plakate als Vorbilder.»

Heutzutage seien falsche Idealbilder durch Internetforen und soziale Dienste wie Instagram noch viel präsenter als früher. Darum könne ein Gesetz wie in Frankreich nicht nur die Models schützen, sondern auch Junge, die dem Ideal nacheifern.

Ursula Knecht, Inhaberin der Modelagentur Option, begrüsst die Gesetzesänderung in Frankreich. Die Schweiz müsse man aber separat betrachten: «Ich finde, die Models auf dem Schweizer Markt sind nicht so extrem dünn. Deshalb würde ein solches Gesetz hier wenig Sinn machen.»

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