Naturkatastrophen: Droht nach dem vielen Schnee Hochwasser?
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NaturkatastrophenDroht nach dem vielen Schnee Hochwasser?

Der schneereiche Winter könnte im Frühling gravierende Folgen haben. Experten schliessen grosse Überschwemmungen nicht aus. Die Behörden sind vorsichtig und berechnen täglich Abflussvorhersagen.

Der kalendarische Winter ist vorbei, aber in den Bergen liegt nach wie vor eine dicke Schneedecke. Laut SF Meteo fielen in der Nacht auf Mittwoch in der Zentral- und Ostschweiz 40 Zentimeter Neuschnee. In den Glarner Alpen seien es manchenorts 50 Zentimeter gewesen. Gar 80 Zentimeter wurden im Urner Schächental gemessen.

In etwas tieferen Lagen hält sich der Winter ebenfalls hartnäckig: In Andermatt UR fielen laut SF Meteo 28 Zentimeter Neuschnee, in Gstaad BE 12 Zentimeter und in Ebnat-Kappel im Toggenburg 11 Zentimeter.

Und wenn auch manch einer den Frühling herbeisehnt: Aussergewöhnlich sind Schneefälle um diese Jahreszeit keineswegs. Schneeschauer in den letzten Märztagen seien absolut normal, teilte SF Meteo am Mittwoch mit. 2008 etwa habe es am 25. März ebenfalls geschneit. Laut Statistik schneie es in Zürich und Bern noch jedes zweite Jahr nach dem 25. März. In Basel sei dies jedes dritte Jahr der Fall.

Droht ein Hochwasser?

Die Schneesituation ähnelt jener im Jahrhundertwinter 1999. Die Frage, ob es im Spätfrühling ebenfalls zu Hochwasser und Überschwemmungen kommen wird, beschäftigt Forscher und Behörden derzeit gleichermassen. Eine eindeutige Antwort gibt es jedoch noch nicht, wie es beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) und beim WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) auf Anfrage hiess.

Für die Entstehung eines Frühlingshochwassers müssen zwei Komponenten beachtet werden: einerseits die längerfristige Schneesituation, die so genannte Disposition, und andererseits der Auslöser, zum Beispiel starke und warme Niederschläge. Während sich die Disposition im kommenden Monat noch stark verändern kann, ist ein Auslöser derzeit noch gar nicht prognostizierbar.

Das Gefühl trügt

Die aktuellen Messdaten zeigen aber bereits Unterschiede zum Jahr 1999. Laut BAFU trügt das Gefühl, dass der vergangene Winter ausserordentlich lang und schneereich gewesen sei. Im Mittelland hätten sich die Schneedeckentage im Rahmen des langjährigen Durchschnitts bewegt. Gemäss SLF sind die Schneehöhen im gesamten Alpenraum zwar überdurchschnittlich, aber noch immer rund zehn Prozent tiefer als im Jahrhundertwinter. Ausserdem fielen Mitte April 1999 noch erhebliche zusätzliche Mengen Schnee. Aktuell liegt besonders viel Schnee in den hohen Lagen der Alpensüdseite und im Gotthardgebiet.

Für die Analyse einer Hochwassergefahr ist im Übrigen weniger die Schneehöhe als der Wassergehalt der Schneedecke, das so genannte Schneewasseräquivalent, massgebend, wie Tobias Jonas, Schneehydrologe beim SLF, präzisierte. Weil das Messnetz vor zehn Jahren noch nicht so weit ausgebaut gewesen sei, sei ein präziser Vergleich mit den Daten von 1999 aber schwierig. Im Vergleich mit dem Durchschnitt der letzten neun Jahre sei das Schneewasseräquivalent im Schweizer Alpenraum heuer rund 200 Millimeter grösser.

Kurze Wärmeperiode und drei Regentage genügen

Klimahistoriker Christian Pfister von der Universität Bern, der Hochwasserereignisse bis zurück ins Jahr 1256 zurückverfolgen kann, schätzt die Gefahr eines Hochwassers in diesem Frühling als relativ gering ein. «Das heisst aber nicht, dass das Risiko gleich null ist», sagte er. Ein Blick auf die Überschwemmungen der letzten 700 Jahre zeige, dass in vielen Fällen eine kurze Wärmeperiode, in der grosse Schneemassen rasch schmelzen, gefolgt von drei intensiven Regentagen ausreichten, um ein Hochwasser auszulösen. Gefährlich werde es dann, wenn Anfang Mai immer noch grosse Schneemengen unterhalb von 1.500 Metern über Meer lägen.

Beim BAFU verfolgt man die Abflussmengen täglich. Die Hydrologen des Bundesamtes sind konstant im Kontakt mit den Schneehydrologen des SLF und den Kollegen von MeteoSchweiz, damit sie rechtzeitig Hochwasserwarnungen herausgeben und Massnahmen ergreifen könnten.

Vom Hochwasser von 1999 waren praktisch alle Gebiete der Deutschschweiz mit Ausnahme des inneralpinen Raumes mehr oder weniger stark betroffen. Zuvor ereignete sich ein in diesem Ausmass vergleichbares Hochwasserereignis letztmals im Jahr 1876. Die Schäden entstanden vor zehn Jahren vor allem durch Ausufern der Seen und der grösseren Flüsse des Mittellandes; namentlich Aare, Thur und Rhein. Es entstanden Schäden von rund 580 Millionen Franken. (dapd)

Stark gestiegene Lawinengefahr

Die Lawinengefahr ist mit den erneuten Schneefällen weiter gewachsen: In der Zentralschweiz und im Glarnerland ist sie laut dem Eidg. Schnee- und Lawinenforschungsinstitut gross. Exponierte Verkehrswege können gefährdet sein. Für Schneesportler abseits der Pisten ist die Situation sehr kritisch. In den übrigen Alpen besteht eine mässige bis erhebliche Gefahr.

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