Viel Schnee in den Bergen: Droht nun ein Jahrhundert-Hochwasser?
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Viel Schnee in den BergenDroht nun ein Jahrhundert-Hochwasser?

Sieben Meter Schnee liegen derzeit auf dem Säntis. Auch im übrigen Alpsteingebiet liegt viel Schnee. Droht nun ein Rekordhochwasser?

von
jeb
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2019 schneite es in der Ostschweiz mehr als im Durchschnitt (Bild vom Februar 2019).

2019 schneite es in der Ostschweiz mehr als im Durchschnitt (Bild vom Februar 2019).

Keystone/Eddy Risch
Selbst Mitte Mai liegen auf dem Säntis noch fast sieben Meter Schnee.

Selbst Mitte Mai liegen auf dem Säntis noch fast sieben Meter Schnee.

Keystone/Eddy Risch
Das weckt die Angst vor Hochwasser. Eine ähnliche Situation mit viel Schnee in den Bergen gab es 1999. «Bricht der Damm oder hält er noch», fragte man sich damals am Linthkanal in Benken SG (Freitag, 14. Mai 1999).

Das weckt die Angst vor Hochwasser. Eine ähnliche Situation mit viel Schnee in den Bergen gab es 1999. «Bricht der Damm oder hält er noch», fragte man sich damals am Linthkanal in Benken SG (Freitag, 14. Mai 1999).

Keystone/Walter Bieri

Diesen Winter schneite es im Alpsteingebeit und den Ostalpen besonders viel. Das zeigt sich auch noch im Frühling: Auf dem Säntis liegen auch Mitte Mai noch fast sieben Meter Schnee. Vor einem Jahr war laut «St. Galler Tagblatt» die Schneedecke zu diesem Zeitpunkt nur halb so hoch.

Bei der grossen Schneemenge stellt sich die Frage, ob es zu Hochwasser kommen kann, wenn der Schnee zu schmelzen beginnt. Bereits im Februar waren die Behörden ob des vielen Schnees alarmiert: «Im Mai 1999 erlebte die Schweiz ein Jahrhunderthochwasser. Dazu beigetragen hat auch der viele Schnee, der in den Bergen schmolz und in die Täler floss», teilte der Kanton St. Gallen damals mit. Die Schneemassen seien nicht zu unterschätzen.

Etwas weniger lange her, aber dennoch mit verheerendem Ausmass: Die Unwetter vom Sommer 2014:

Auto in Flugten in Altstätten SG

Die Fluten rissen 2014 alles mit, was nicht befestigt war. In Altstätten SG wurden Autos von den Wassermassen herumgeschoben .

Im Juli 2014 trat in Altstätten SG der Stadtbach über die Ufer. Sogar Autos wurden von den Wassermassen mitgeschoben. Video: Leserreporter

Gefahr bei grossen Regenmengen

Mittlerweile sieht man die Situation weniger angespannt. «Es trifft zu, dass im Alpstein und dem Einzugsgebiet des Alpenrheins überdurchschnittliche Schneemengen liegen», sagt Hans-Peter Wächter, Projektleiter Hochwasserschutz beim Rheinunternehmen. Doch da die Pegelstände in Rhein und Bodensee derzeit unterdurchschnittlich hoch sind, drohe keine unmittelbare Gefahr.

Das könne sich jedoch schnell ändern. «Kritisch wird es bei einer längeren Warmphase in den Bergen mit Temperaturen über null Grad, kombiniert mit grossflächigen Starkniederschlägen», sagt Wächter.

Bereits ist Regen in Sicht:« Insbesondere am Wochenende und Anfang nächster Woche kommt es immer wieder zu Schauern und Gewittern», kündigt Meteonews am Donnerstag an.

Würden die Temperaturen auch in den Bergen steigen und gleichzeitig an zwei bis drei Tagen rund 70 Millimeter Regen fallen, könnte es zu Hochwassersituationen kommen. Voraussetzung dafür wären Niederschläge in weiten Teilen des Einzugsgebiets des Alpenrheins, also im Alpsteingebiet, Teilen Graubündens die nördlich der Pässe Flüela, Albula, Oberalp und San Bernardino liegen, sowie im Montafon und Arlberggebiet in Österreich.

Hochwassersaison kommt erst

Ein weiterer Faktor ist die Bodenbeschaffenheit. Aktuell liegen die Grundwasserspiegel tief und die Böden sind noch lange nicht gesättigt, so dass bei Niederschlägen viel Wasser in den Böden versickert.

Grundsätzlich seien grossflächige Regenfälle schlimmer als der Schnee. Denn der Schnee muss nicht zwangsläufig in einem Fluss oder See in Form von Wasser landen. «Wenn es in den Bergen warm wird, verdunstet ein Teil des Schnees, löst sich also quasi in Luft auf», sagt Wächter. Kurzfristig mit Blick auf die Daten- und Wetterlage sieht er keine Hochwassergefahr. Doch das könne sich auch ändern. «Typischerweise treten Hochwasser Ende Mai und im Juni auf.»

Überschwemmungen und Erdrutsche

Nach 48 Stunden ununterbrochenem Regen gab es in der Ostschweiz an zahlreichen Orten Hochwasser. Video: Tamedia/J. Büchel/Leserreporter

Im September 2017 gab es in der Ostschweiz nach 48 Stunden ununterbrochenem Regen an zahlreichen Orten Hochwasser. Video: Tamedia/J. Büchel/Leserreporter

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